Kultauto im Test

Porsche Targa: Für die italienischen Momente

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Vollautomatisch: Anders als bei den Klassikern öffnet und schließt sich das Dach vom neuen Porsche 911 Targa auf Knopfdruck.

Nur 19 Sekunden – dann spürt man die Freiheit, es riecht nach Frühling, der Wind zupft an den Locken. Nur 19 Sekunden – so lange benötigt das Verdeck des neuen Porsche 911er Targa...

...bis es eingefahren ist und das Oben-offen-Abenteuer beginnen kann. Per Knopfdruck, ohne lästiges Aussteigen oder gar Handanlegen. Macht der Neue alles allein. Aber eins nach dem anderen.

Mit seinem neuen 911 Targa hat Porsche eine kleine Zeitreise in die 60er-Jahre unternommen: Das halboffene Kultmobil macht jetzt wieder mit einem echten Überrollbügel und umlaufender Heckscheibe sowie dem Dachteil auf sich aufmerksam – Elemente, die auch den Ur-Targa von 1965 kennzeichneten. Sogar ein Heckscheibenwischer wie beim Original ist optional wieder zu haben. Einen entscheidenden Unterschied gibt es aber: Das Dachteil – ein Softtop – ist jetzt automatisch versenkbar.

Dach öffne dich! 911 Porsche Targa

Also erst mal Platz nehmen. Wir versinken in den Sportsitzen (rund 6.000 Euro Aufpreis), stellen die Spiegel ein, starten den Motor (links natürlich, ist ja ein Porsche). Und dann wird am Schalter in der Mittelkonsole gezogen – ein Stück allerhöchste Ingenieurskunst präsentiert sich: Die Glasheckscheibe öffnet sich nach hinten. Sie kippt. Gleichzeitig öffnen sich zwei Klappen im Targa-Bügel. Das Verdeck wird entriegelt und bewegt sich nach hinten, wird gefaltet und hinter die Rückbank gelegt. Die Glasscheibe schiebt sich darüber, rastet ein – und der Wagen ist bereit „für die italienischen Momente im Leben“, wie es 911er-Baureihenleiter August Achleitner formuliert. Wie gesagt: in nur 19 Sekunden. Beachtlich.

Bitte einsteigen! Ab 109.338 Euro ist der Porsche 911 Targa 4 zu haben.

Allerdings sollte man Folgendes wissen: Zum Öffnen und Schließen muss der Wagen stehen. Heißt: Fahrend funktioniert der Spaß nicht. Das hat unter anderem sicherheitstechnische Gründe, denn durch das schwere und große Glasdach ergeben sich andere Gewichte und andere Angriffsflächen für beispielsweise Seitenwinde als bei einem Cabriolet. Auch zu beachten: Nach hinten sollte ausreichend Platz vorhanden sein. Während des Versenkens ragt die Heckscheibe etwa 20 bis 30 Zentimeter über die Fahrzeuglänge hinaus. Porsche hat dafür jedoch eine serienmäßige Hilfe eingebaut – den hinteren Parkassistenten. Er warnt akustisch vor Hindernissen, die weniger als 40 Zentimeter Abstand zum Wagen haben. Dadurch werden Kollisionen mit dahinterstehenden Fahrzeugen oder etwa Garagenwänden vermieden.

Traum in Blau: Der Targa ist ein 911er mit besonderem Charme.

Das Dach ist versenkt und los geht’s. Natürlich lädt ein Porsche dazu ein, ambitioniert auf das Gaspedal zu drücken. Ist ja schließlich ein Sportwagen. Und dann verstummen auch in einem Targa wegen Wind- und anderen Fahrgeräuschen nach und nach die Gespräche – es sei denn, Sie schreien gern dagegen an. Ab etwa 100 km/h sollte man daher besser die 19 Sekunden investieren, um das Dach wieder zu schließen. Was man noch wissen sollte: Der Targa ist mit 1540 Kilo der schwerste der 911er-Baureihe (was an der aufwendigen Dachkonstruktion liegt) und technisch weitgehend identisch mit dem Cabriolet. Auch wenn er als 2+2-Sitzer deklariert ist, möchte man hinten nicht wirklich Platz nehmen müssen. Hier ist es einfach eng.

Den neuen Targa gibt es wie seinen Vorgänger mit zwei Motorvarianten und ausschließlich mit Allradantrieb: Im Targa 4 sorgt ein 3,4-Liter-Boxermotor mit 350 PS für Vortrieb. Spitzenmodell ist freilich der Targa 4S mit 400 PS und 3,8 Litern Hubraum. Der Verbrauch wird von den Zuffenhausenern mit durchschnittlich 9,5 Litern auf 100 Stundenkilometer angegeben.

Serienmäßig ist ein Siebengang-Schaltgetriebe, PDK wäre optional lieferbar (rund 3000 Euro). Preislich startet der Targa 4 bei 109.338 Euro.

Unser Fazit: ein wirklich tolles Teil

19 Sekunden sorgen für große Freiheits- und Urlaubsgefühle – und für grenzenloses Staunen am Straßenrand. Für viele Menschen (die Autorin inklusive) wird der Targa aber vermutlich niemals erschwinglich sein. Vor der geleisteten Ingenieurskunst darf man dennoch den Hut ziehen…

Das ist der Targa-Kult

Targa stammt aus dem Italienischen und bedeutet so viel wie „Schild“ oder „Platte“.

Porsche hat sich den Begriff „Targa“ markenrechtlich für Automodelle schützen lassen.

Der erste Targa wurde speziell für den US-Markt kreiert. Durch den Überrollschutz – den Targabügel – konnte Porsche 1965 mit dem „Sicherheitscabriolet“ die strengen Zulassungsrichtlinien des wichtigen US-Marktes erfüllen. Erst in den 1980er-Jahren gab es dann das erste komplett offene Porsche 911 Cabrio.

Seit der Einführung des Targa 1965 wurden mehr als 100.000 Exemplare verkauft. Da die Verkaufszahlen des Targas zuletzt aber eher unbefriedigend waren, wurde bei Porsche lange überlegt, ob es in der aktuellen 911er-Generation überhaupt einen Targa geben wird.

Wow! Das ist der neue Porsche 911 Targa

Wow! Das ist der neue Porsche 911 Targa

Katrin Basaran

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