Für den Notfall gerüstet

ADAC-Test 2015: So sicher sind Europas Tunnel

Der ADAC testete auch in diesem Jahr verschiedene Tunnel - mit einem sehr guten Ergebnis. Foto: Michael Bader/ADAC/dpa
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Der ADAC testete auch in diesem Jahr verschiedene Tunnel - mit einem sehr guten Ergebnis.

Ein Unfall im Tunnel kann verheerend enden. Doch inzwischen haben Behörden und Betreiber vielerorts alles getan, um größtmögliche Sicherheit zu bieten, wie der aktuelle ADAC-Tunnel-Test zeigt.

Der Gotthard-Basistunnel, der weltlängste Tunnel, wird am 1. Juni eröffnet - wir berichten im News-Blog.

Europas Tunnel sind so sicher wie noch nie. Beim neuesten ADAC-Tunneltest bewerteten die Fachleute 14 von 20 Röhren mit "sehr gut", alle übrigen schnitten mit "gut" ab.

Das Ergebnis sei "absolut erfreulich", sagte der ADAC-Vizepräsident für Verkehr, Ulrich Klaus Becker. "Sicherheit von Tunneln bedeutet Sicherheit von Menschenleben." Die neueste Untersuchung sei so gut ausgefallen, dass der Autoclub bis auf weiteres keine neuen Tests mehr vornehmen werde. "Der ADAC hat seine Aufgabe als Verbraucherschützer ernst genommen."

Bei der Sicherheit im Tunnel hat sich viel getan

1999 hatten verheerende Brände im Mont-Blanc- und im Tauerntunnel mit insgesamt 51 Toten für Schlagzeilen gesorgt. Der ADAC legte wenig später seinen ersten Tunneltest vor. Insbesondere seit Inkrafttreten einer EU-Richtlinie zu Mindestanforderungen an die Sicherheit von Tunneln fünf Jahre später hätten sich die Ergebnisse stetig verbessert. Der ADAC untersuchte in seinen Tests insgesamt 400 Tunnel in 21 europäischen Ländern. 2009 gab es erstmals kein negatives Ergebnis.

Der ADAC prüfte unter anderem Brandschutz, Lüftung, Beleuchtung sowie Flucht- und Rettungswege. Am besten schnitt bei dem aktuellen Test der deutsche Tunnel Berg Bock auf der A71 Erfurt-Schweinfurt bei Suhl in Thüringen ab. Der Leiter des ADAC-Testzentrums Mobilität, Robert Sauter, lobte, dort gebe es sogar eine eigene Tunnelfeuerwehr.

Schweizer Gotthard-Tunnel ist 17 Kilometer lang

Schlusslicht wurde - mit Note "gut" - der Schweizer Gotthard-Tunnel auf der A2 Basel-Chiasso. "Wir können kaum von besten und schlechtesten Tunneln sprechen. Die Ergebnisse liegen so nah beieinander", sagte Sauter. "Der Gotthard-Tunnel hat sehr gute Einrichtungen, aber er ist mit 17 Kilometern sehr lang. Und er ist nach wie vor ein Tunnel mit nur einer Röhre." Darin gibt es Gegenverkehr - Kollisionsgefahr. Viele Lastwagen, rund 17 500 Fahrzeuge pro Tag und lange Steigungen vor dem Tunnel tragen ebenfalls zu einem potenziell hohen Risiko bei.

Von 14 nachgetesteten Tunneln schnitten neun dieses Mal besser ab. Die übrigen seien schon vorher so gut gewesen, dass es kaum eine Steigerung geben konnte.

Das Testergebnis sei ein "brillanter Abschluss all der Anstrengungen, die seit 2004 in Europa unternommen wurden", sagte Sauter. Die EU, die Mitgliedsstaaten und die Betreiber hätten immense Investitionen getätigt. Deutschland gab laut Sauter 1,2 Milliarden Euro für ein Nachrüstprogramm aus. Laut ADAC entsprechen hierzulande nur 3 von 256 Tunneln noch nicht der Richtlinie.

Österreich streckte bisher 2,5 Milliarden Euro in mehr Sicherheit, Italien eine Milliarde Euro. Beide Länder haben bis 2019 Zeit zur Erfüllung der Standards - und wollen noch einmal in Milliardenhöhe nachlegen.

ADAC-Tunnel-Test 2015: Alle Ergebnisse auf einen Blick.

Investiert wurde in Notfallmanagement, Beleuchtung, Überwachung, Fluchtwege und Zugänge für Retter. Alte Fotos zeigen düstere Tunnel, in denen kaum Fahrbahnabgrenzungen erkennbar sind. Der Karawanken-Tunnel etwa erschien vor 15 Jahren beim ersten Test als dunkles Loch - mittlerweile ist er innen hell gestrichen, besser ausgeleuchtet - und LEDs am Bordstein geben Orientierung. In einem anderen Tunnel wies früher ein weißer Pfeil auf weißer Fliese den Notausgang. Inzwischen sind es beleuchtete Hinweisschilder; Pannenbuchten sind beschildert. Es gibt Videokameras und Rauchdetektoren; Schwarzblitzer sollen Tempoübertretungen eindämmen - ein häufiger Unfallgrund.

Über Lautsprecher können die Rettungskräfte den Autofahrern Anweisungen geben. Denn am Ende bleibt das Risiko Mensch, sagt Sauter. Für den Autofahrer gelte in jedem Fall: "Nicht im Auto sitzen bleiben, und warten bis alles vorbei ist."

Notfall im Tunnel: So verhalten Sie sich richtig

Motor abstellen: Wenn es im Tunnel zum Stau kommt, stellen Autofahrer am besten den Motor ab. "Wenn die Luft steht, können die Abgase für Insassen gefährlich werden", sagt Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht (DVW). Zwar schaltet sich die Tunnellüftung ein, die CO2-Werte können jedoch schnell im Grenzbereich liegen. Die Klimaanlage sollte während der Fahrt mit Umluft laufen.

Verkehrsfunk einschalten: Das Autoradio kann bei Staus oder Unfällen im Tunnel ein wichtiger Helfer sein. Damit Autofahrer keine Meldung oder Anweisung verpassen, sollten sie die Funktion Traffic Programme (TP) aktivieren. Sie schaltet auch dann zu einer wichtigen Meldung, wenn Autofahrer eine CD abspielen oder sie Musik über einen angeschlossenen MP3-Player hören.

Handy in der Tasche lassen: Bei einer Panne sollten Autofahrer über eine Notrufsäule Hilfe anfordern. Pannenhelfer wissen dann genau, von wo aus der Notruf abgesetzt wurde. Ab einer Tunnellänge von 400 Metern gibt es nach Angaben der DVW alle 150 Meter ein Notruftelefon. Wenn möglich, stellen Autofahrer den Wagen in einer Haltebucht ab oder so weit wie möglich rechts.

An Rettungsgasse denken: Wegen des geringen Platzes häufig im Tunnel vergessen, aber genauso wichtig wie bei Stau auf der Autobahn. Die Rettungsgasse bilden Autofahrer bei zwei Spuren in der Mitte und bei drei Spuren zwischen der linken und der mittlere Spur.

Zündschlüssel stecken lassen: Kommt es im Tunnel zu einem Unfall oder gar zu einem Brand, sind Autofahrer unter Umständen gezwungen, ihren Wagen zu verlassen. Dabei sollten sie den Zündschlüssel stecken lassen. Ebenfalls gilt, das Auto nicht abzuschließen, damit Rettungskräfte den Wagen wegbewegen können.

dpa

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