„Neuer automobiler Frühling bricht an“

Autonomes Fahren: So tüfteln Audi und Infineon daran

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Autohersteller wie Audi und Technologiekonzerne wie Infineon tüfteln an den besten Lösungen zum autonomen Fahren. Ein Audi legte in Kalifornien bereits 900 Kilometer zurück – ohne dass ein Fahrer eingriff.

Auf der A9 wurde 2015 eine Teststrecke für autonomes Fahren freigegeben, die nun ausgebaut wird. Automobilhersteller und Technologieunternehmen stehen in den Startlöchern.

Ein Jahr ist vergangen, seit der Ingolstädter Autobauer Audi gezeigt hat, was beim autonomen Fahren bereits möglich ist. Ein A7 fuhr die 900 Kilometer lange Strecke von San Francisco nach Las Vegas selbst – ohne dass der Fahrer eingriff. Automobilhersteller und Technologieunternehmen weltweit feilen an Technologien, die selbst fahrende Autos möglich machen. 

Viele Funktionen kommen heute bereits als Assistenzsysteme in Serienfahrzeugen zum Einsatz – beim Einparken, Spurhalten oder Bremsen. In gut zehn Jahren sollen Autos das Steuer im Straßenverkehr komplett übernehmen, so die Erwartungen in der Branche.

Mikroelektronik steckt im Herzen des Autos

Technisch ist das bereits weitgehend möglich. Lösungen liefern Firmen wie Infineon. Am Sitz des Technologieunternehmen am Campeon in Neubiberg machte sich Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein Bild vom Stand der technologischen Entwicklung.

Für Infineon hat das Thema eine besondere Bedeutung. Das Unternehmen macht 40 Prozent seines Umsatzes mit Produkten für die Automobilindustrie. „Momentan bricht ein neuer automobiler Frühling an“, sagt Vorstandschef Reinhard Ploss mit Blick auf das autonome Fahren. Infineon liefere die technischen Voraussetzungen. 

„Mikroelektronik steckt im Herzen des Autos. Ohne uns geht es nicht“, so Ploss. So steckt zum Beispiel im zentralen Fahrassistenzsteuergerät (zFAS), das 2017 mit der nächsten Generation des Audi A8 in Serie geht, Technologie von Infineon. Das System errechnet mit Hilfe von Radar- und Ultraschallsensoren, Laserscannern und Kameras in Echtzeit ein Umgebungsmodell des Autos und stellt die Informationen den Assistenzsystemen zur Verfügung. Ein anderes Beispiel: Eine unter anderem von Infineon entwickelte Fahrerüberwachung soll die Anzahl der Unfälle aufgrund von Unaufmerksamkeit oder Müdigkeit reduzieren. Dabei filmt eine Kamera den Fahrer und erkennt, wenn sich die Augenlieder schließen oder der Kopf nach vorne fällt. In zwei bis drei Jahren soll die neue Technik in Serie gehen.

„Wenn man sich die automobile Zukunft ansehen will, muss man zu Infineon gehen“, sagt Dobrindt. Der Minister hat 2015 das Projekt „Testfeld Autobahn“ gestartet, an dem auch das Land Bayern, die Automobilindustrie und die IT-Wirtschaft beteiligt sind. Eine Teilstrecke der Autobahn A9 zwischen München und Nürnberg wurde für das autonome Fahren freigegeben. „Unternehmen aus dem In- und Ausland können hier Technologien für das automatisierte Fahren testen“, so Dobrindt. „Sie müssen dafür nicht mehr in die USA.“ Momentan sei man mit 50 Unterternehmen im Gespräch – unter anderem mit Infineon. Angedacht ist die Teststrecke mit Radarsensoren der Münchner auszustatten. Demnächst soll der Testbetrieb außerdem auf den Stadtverkehr ausgeweitet werden. „Wir sind derzeit mit der Stadt Ingolstadt im Gespräch, um geeignete Stadtviertel zu finden“, so Dobrindt.

Der Verkehrsminister geht davon aus, dass „Fahrzeuge in fünf Jahren mit hochautomatisierten Funktionen auf den Straßen sein werden“. Bevor das Auto komplett die Kontrolle übernehmen darf, müssen allerdings zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Das Wiener Übereinkommen über den Verkehr aus dem Jahr 1968 legt fest, dass jedes Fahrzeug einen Fahrer haben muss. In den USA gelten wiederum andere Regeln – der Fahrer muss jeder Zeit einen Fuß an der Bremse haben. Schwer zu vereinbaren mit selbstfahrenden Autos.

Im vergangenen Jahr kamen die Verkehrsminister der G7-Staaten überein, international einheitliche Regeln zu schaffen, die autonomes Fahren möglich machen. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Dobrindts Ministerium entwickelt momentan die rechtlichen Rahmenbedingungen. „Eine Strategie soll zum nächsten Treffen der Verkehrsminister im September in Japan vorliegen“, kündigt Dobrindt in München an. Einen Zeitplan darüber hinaus gebe es allerdings noch nicht. Und so bleibt es bis auf weiteres beim Testbetrieb.

Von Manuela Dollinger

Manuela Dollinger

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E-Mail:Manuela.Dollinger@merkur.de

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