Nicht nur auf Monatsrate achten

Vorsicht: Beim Leasing kann böses Ende drohen

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Wer überlegt, ein Auto zu leasen, sollte nicht nur auf die monatlichen Raten achten. Denn je niedriger sie sind, umso höher ist oft der Restwertausgleich am Ende der Laufzeit. Und da kann es richtig teuer werden. foto: dpa

Beim Auto-Leasing gibt es einige Fallstricke. Nur wer sich seine Verträge genau anschaut, kann ein mögliches böses und teures Erwachen am Ende der Laufzeit verhindern.

Das gilt umso mehr nach einem höchstrichterlichen Urteil der vergangenen Woche.

Autofahrer sollten vor Abschluss eines Leasingvertrages noch genauer prüfen, was dort geschrieben steht. Denn auf eventuell erforderliche Nachzahlungen bei Rückgabe des Wagens müssen die Unternehmer sie nicht ausführlich hinweisen, wie der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden hat.

-Welche Formen gibt es beim Leasing?

Die klassischen Formen sind das Kilometerleasing und das Restwertleasing. Für beides gilt: Das Leasingunternehmen kalkuliert immer, wie viel das Fahrzeug nach Ablauf der Leasingzeit noch wert ist. Danach berechnen sich die Raten.

-Was sind dann die Unterschiede für die Kunden?

Beim Kilometerleasing „sollte sich ein Kunde genau überlegen, wie viel Kilometer er in der geplanten Leasingzeit zurücklegen wird“, sagt Klaus Heimgärtner vom ADAC. Sollte er nämlich mehr fahren als vereinbart, muss er mit Nachzahlungen rechnen. Beim Restwertleasing kann für den Kunden am Ende der Laufzeit ein finanzieller Ausgleich anfallen, der sich aus der Differenz zwischen dem kalkulierten Restwert des Fahrzeugs und dessen tatsächlichem Wert ergibt. Wie hoch dieser ist, lässt sich für Autofahrer bei Vertragsabschluss kaum vorhersehen.

-Was ist bei den Raten zu beachten?

Verbraucher sollten sich beim Autoleasing nicht von niedrigen Raten blenden lassen. „Bei vergleichsweise geringen Monatsraten kann es nach Ablauf der vereinbarten Vertragslaufzeit teuer für den Kunden werden, wenn er dann plötzlich eine hohe Restwertausgleichszahlung leisten muss“, erklärt ADAC-Jurist Heimgärtner. „Je nach Fahrzeug können da einige Tausend Euro zusammenkommen, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hat.“ Der Restwert des Leasingautos wird bei Vertragsabschluss kalkuliert. „Er ist aber nur schwer vorhersehbar, denn während einer drei- oder vierjährigen Vertragslaufzeit kann auf dem Gebrauchtwagenmarkt viel passieren“, gibt Heimgärtner zu bedenken. In der Regel gilt: Je höher der Restwert kalkuliert ist, desto niedrigere Raten zahlt der Kunde. Ist das Auto am Ende aber weniger wert als im Vorfeld berechnet, weil die Gebrauchtwagenpreise am Boden sind, muss der Kunde die Differenz aufbringen. „Der Leasinganbieter will ja beim Weiterverkauf des Fahrzeugs nicht draufzahlen und wälzt das Kalkulationsrisiko auf den Leasingnehmer ab.“

In Leasingverträgen reicht es, wenn die Anbieter allgemein darauf hinweisen, dass ein Restwertausgleich fällig werden kann, ohne hier weiter ins Detail zu gehen. Das geht aus dem Urteil des Bundesgerichtshofs hervor.

-Abgesehen davon hört man immer wieder, dass es nach Ablauf der Leasingzeit Streit wegen Schäden am Fahrzeug gibt.

Nicht jeder Kratzer ist gleich ein Schaden: So ist es nach Angaben des ADAC nicht unüblich, wenn ein Auto nach drei Jahren Benutzung einen kleinen Steinschlagschaden auf der Motorhaube hat. „Dafür hat der Kunde bereits mit den Leasingraten bezahlt“, sagt Heimgärtner.

-Für wen lohnt sich Leasing überhaupt?

Das lässt sich nicht einheitlich beantworten. Firmen und Selbstständige haben gegenüber Verbrauchern den finanziellen Vorteil, die Kosten für den Leasingvertrag steuerlich absetzen zu können. Viele Verbraucher finden Leasing jedoch wegen der niedrigen Raten verlockend. Der ADAC rät ihnen generell, sich die Leasing-Angebote genau anzuschauen, nicht zu lange Laufzeiten zu wählen und zu prüfen, ob die Kosten für die Gesamtlaufzeit wirklich finanzierbar sind. Autofahrer sollten auch prüfen, ob sie mit Auto-Finanzierungsmodellen der Banken nicht besser fahren.

-Wie funktioniert eine solche Bank-Finanzierung?

Als Alternativprodukt zum Autoleasing bieten etwa die Autobanken eine sogenannte „Drei-Wege-Finanzierung“ an: Die Laufzeit eines solchen Vertrages beträgt nach Angaben des Arbeitskreises Autobanken (AKA) in der Regel 36 Monate. Der Kunde hat anders als beim Leasing außerdem unter anderem die Wahl, ob er das Auto mit einer Schlussrate nach Abschluss der Laufzeit kaufen will oder nicht. Banken bieten demgegenüber klassische Kreditmodelle zur Finanzierung eines Fahrzeugs an.

-Wie viele Autos werden in Deutschland geleast oder finanziert?

Nach Angaben des AKA haben Banken und Finanzdienstleister der Automobilwirtschaft im vergangenen Jahr rund 1,23 Millionen Fahrzeuge mit ihren Finanzdienstleistungen auf die Straße gebracht. Rund 150 000 Verträge entfallen davon auf das Privatleasing. Im gewerblichen Bereich schlossen die Autobanken 2013 rund 565 000 Leasingverträge ab.

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