Kritik wird lauter

Blitzer-Flut in Deutschland - nur Abzocke?

Blitzer-Marathon
+
Die Kritik gegen mehr Blitzer-Marathons in Deutschland wird lauter.

München - Die Polizei will mehr, mehr, mehr - der Online-Automobilclub "mobil in Deutschland" spricht von "Abzocke": Blitzermarathons in Deutschland. Die Gegner zweifeln am Sinn der Radar-Flut.

Rotlicht aus allen möglichen Ecken: Beim Blitzmarathon im vergangenen Oktober hat die Polizei erstmals zur gleichen Zeit überall im Bundesgebiet Jagd auf Raser gemacht. Von Seiten der Polizei war die Begeisterung danach groß: Beim ersten deutschlandweiten Blitzmarathon waren zehntausende Schnellfahrer erwischt worden. Die "Jagd auf Raser" erfolgreich - also weitermachen: Die Polizeigewerkschaft will beim Verkehrsgerichtstag auf Wiederholungen der Aktion drängen. Das stößt nicht nur auf Gegenliebe.

"Geblitzt wird, wo viel zu holen ist"

Der Online-Automobilclub "mobil in Deutschland" (der sich selbst ADAC-Alternative nennt) wird noch deutlicher:  „Das Ganze ist absoluter Humbug und reine Abzocke“, kritisiert der Vorsitzende Michael Haberland.

Würden es Polizei, Kommunen und Behörden ernst meinen, dann müssten sie dort kontrollieren, wo erstens viel passiert und zweitens dort, wo „schwächere“ Personen am Verkehr teilnehmen und gefährdet sind. Als Beispiel nennt der Club Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime etcetera. Genau das passiere aber nicht.

Geblitzt wird laut "mobil in Deutschland" vor allem an Einfall- und Ausfallstraßen, auf Autobahnen und auf sehr verkehrsreichen Straßen. Eben da, wo viel von den Autofahrern zu holen sei. Blitzen in Deutschland habe mittlerweile längst einen Selbstzweck: Geldeinnahme und Abzocke.

Der Bußgeld-Katalog für Temposünder

Der Bußgeld-Katalog für Temposünder

In einer Online-Unfrage des Automobil-Clubs sei außerdem herausgekommen, dass 97 Prozent der Autofahrer glauben, dass Radarkontrollen ganz andere Zwecke verfolgen.

Skeptisch ist auch Verkehrsgerichtstag-Präsident Kay Nehm, der das Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat. Blitzmarathons sind für ihn eher „symbolische Handlungen mit begrenzter Wirkung“, zitiert ihn die Nachrichtenagentur dpa.

Auf Kritik stoßen Überlegungen zu weiteren bundesweiten Blitzeraktionen auch beim Automobilclub von Deutschland (AvD). „Das ist eine reine PR-Kampagne“, sagt Sprecherin Cathrin von der Heide. „Wir befürworten zwar Tempokontrollen vor Schulen und Kindergärten oder an Zebrastreifen. Was ein Blitzmarathon dagegen über den Tag hinaus bringen soll, erschließt sich nicht.“

Bessere Methoden als Blitzer-Marathon

Trotz seiner Skepsis mag Verkehrsgerichtstag-Präsident Nehm dies so nicht gelten lassen. Ein Blitzmarathon könne immerhin dazu beitragen, das Raserei-Problem ins Bewusstsein zu rücken. Er sei allerdings für eine andere Methode, um Temposünder zu stoppen, sagte der frühere Generalbundesanwalt: Die sogenannte Section Control, deren Einführung der Verkehrsgerichtstag bereits 2009 empfohlen hatte.

Anders als bei normalen Radarfallen, die nur an einem Punkt das Tempo messen, wird dabei eine längere Strecke kontrolliert und ein Durchschnittstempo ermittelt. „Ich glaube, damit erreicht man viel mehr als mit symbolischen Handlungen wie dem Blitzmarathon.“

dpa/kg

auch interessant

Meistgelesen

Führerscheinprüfling beleidigt Prüfer
Führerscheinprüfling beleidigt Prüfer
Fiat 124 Spider ist ab 23 990 Euro zu haben
Fiat 124 Spider ist ab 23 990 Euro zu haben
Bei eBay: So ehrlich beschreibt ein Verkäufer sein Auto 
Bei eBay: So ehrlich beschreibt ein Verkäufer sein Auto 
Dieser Schwan legt Verkehr in der Nacht lahm
Dieser Schwan legt Verkehr in der Nacht lahm

Kommentare