Elegantes Heck

BMW 3er GT: Große Klappe, viel dahinter

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Hier passt ein ganzer Redakteur hinein: Dank der große Heckklappe lässt sich der BMW 3er GT prima beladen. Immerhin kommt der weißlaue Laderiese auf ein Volumen von 520 Liter.

Wer 1975 einen 3er BMW kaufen wollte, hatte es einfach: Die erste Auflage der erfolgreichsten Modellreihe der Münchner gab es ausschließlich als Limousine, und ausschließlich nur als Zweitürer.

Punkt. Später gesellten sich ein Coupé, ein Cabrio und ein Kombi namens Touring dazu - ein Angebotspaket in der Mittelklasse, mit dem BMW bis vor zwei Jahren gut aufgestellt war. Mit Erscheinen der sechsten Auflage des Dreiers (intern F30 genannt) im Jahr 2012 läutete München indes eine neue Ära ein: Zunächst erfuhren Coupé und Cabrio eine (rein kosmetische) Aufwertung und firmieren jetzt als 4er, dann stellte man mit dem GT ein weiteres Modell ins 3er-Regal.

GT wie Grand Tourismo - da war doch was? Richtig, bereits seit 2009 hat BMW mit dem 5er GT eine Schrägheckliomousine mit erweitertem Platzangebot im Programm; eine Reiselimousine, die trotz ihres gewöhnungsbedürftigen hohen Hinterteils durchaus häufig auf der Autobahn zu sehen ist.

BMW 3er GT mit elegantem Heckspoiler

Jetzt also Grand Tourismo auch beim 3er. BMW hat dazugelernt, von einem pummeligen Heck kann beim 3er keine Rede mehr sein. Möglich wurde die elegante Form durch einen kleinen Heckspoiler, der bei Tempo 120 ausfährt und die hohe Abrisskante des 5er GT überflüssig macht.

Mit 4,82 Metern Länge ist der 3er GT schon ein mächtiges Fahrzeug. Satte 20 Zentimeter länger und sieben Zentimeter höher ist er als die Limousine. Wobei der zusätzliche Platz vor allem den Passagieren in der zweiten Reihe zugute kommt, die sich über einen wahrlich fürstlichen Raum für die Beine freuen dürfen. Größer ist freilich auch der Kofferraum (520 Liter gegenüber 480 in der Limousine), der sich dank der riesigen Heckklappe zudem besser beladen lässt.

Mächtige Reiselimousine: Der BMW 3er Gran Tourismo ist 4,82 Meter lang.

Wie aber fährt sich der elegante Riese? Nun, zunächst einmal wie ein richtiger BMW: Mit satter Straßenlage auch in zügig gefahrenen Kurven, mit gutem Straßenkontakt dank direkter Lenkung. Andererseits: Wer vergessen hat, bei der (BMW-typisch extrem langen) Liste der Extras einen Haken bei der variablen Sport­lenkung zu machen, der merkt durchaus, welchen Brocken er da um die Ecken zirkelt. Immerhin bringt der GT mit seinen 1640 Kilogramm Leergewicht 150 Kilogramm mehr auf die Waage als die Limousine. Bemerkbar macht sich dies (und der höhere Luftwiderstand) auch beim An- und Durchzug: Von den 184 PS, über die unser Test-320d GT verfügt, ist keines zuviel an Bord. Während man bei der Limousine auch mit den 143 PS des 318d durchaus ausreichend bedient wäre, sollte man beim Dickschiff GT eher nach oben in Richtung 325d mit 218 PS schielen.

Was natürlich auch eine Preisfrage ist. Knapp 42.000 Euro kostet der 320d GT bereits nackig, der 325d wäre nochmals rund 3000 Euro teurer. Da vertieft man sich doch lieber in die Ausstattungsliste, ordert Schönes (Ledersitze etwa oder schicke Felgen) und Nützliches (die superbe Automatik zum Beispiel, oder das große Navigationspaket, oder, oder, oder) - und landet am Ende bei 58.000 Euro wie bei unserem Testwagen. Ein Trost mag dabei sein, dass der Zwei-Liter-Diesel auch im GT sparsam zu Werke geht und sich während unserer flotten Testkilometer mit knapp 6,5 Litern auf 100 Kilometer begnügte.

Nur für Schwiegereltern? Der BMW 3er GT

Für wen ist nun der GT der richtige Dreier? In jedem Fall für den, der oft weite Strecken fährt und dank höherer Sitzposition mehr Übersicht schätzt. Und für den, der öfter großgewachsene Kinder oder die Schwiegereltern herumkutschiert. Oder für den, der einfach eine andere Optik haben will als die der „normalen“ Limousine. Der könnte aber auch Richtung 4er Grand Coupé schielen, das BMW seit neuestem auch noch im Portfolio hat: Knapper geschnitten, trotzdem viertürig, ebenfalls mit riesiger Heckklappe...

Der neue BMW 3er Gran Turismo

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Michael Dürr

Michael Dürr

E-Mail:michael.duerr@tz.de

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