PS-Junkie mit CO2 Gewissen

Was man mit einem BMW i8 in Los Angeles erlebt

BMW i8
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Magnus Walker kennt in L.A. jeder: Das Original hat 20 alte 911er in der Garage stehen. Der saubere BMW i8 hat ihn dennoch begeistert

„Early adopters“ nennt man in Kalifornien umweltbewusste Trendsetter, die stets den letzten Schrei in Sachen grüne Mobilität fahren. „Petrolheads“ dagegen haben offenbar nichts als PS im Kopf.

Mit hochoktanigen Sprit in den Adern fahren sie Hubraummonster und haben mit CO2-Werten überhaupt nichts am Hut. Magnus Walker ist auf den ersten Blick so einer: Wilde „Dreadlocks“ auf dem Kopf, rund 20 Porsche 911er in der Garage, keiner jünger als Baujahr 1975. Somit sind alle von den kalifornischen Abgastests ausgenommen. Mit seinen röhrenden Schätzchen rast er zum Spaß durch L.A. und Umgebung.

Wir treffen den weltweit als „Porsche-Punk“ bekannten Walker in seinem riesigen Loft im Arts District von L.A., wo er neue Kollektionen für sein Modelabel „Urban Outlaw“ entwirft. Überraschung: Sofort widerlegt er im Gespräch das Klischee vom sorglosen Petrolhead: „Mein CO2-Fußabdruck ist in Ordnung. Ich stecke nicht jeden Tag stundenlang auf dem Weg zur Arbeit im Stau, denn ich brauche zu Fuß nur zwei Minuten hierher. Aber für all die Pendler in Los Angeles finde ich Konzepte wie das des BMW i8 sehr interessant.“

Der PS-Junkie interessiert sich also für Plug-In-Hybrid-Technologie – und ganz besonders für den Hybrid-Sportwagen BMW i8. Um diesen futuristischen Kohlefaser-Boliden aus Bayern ausgiebig zu testen, nimmt sich Magnus Walker einen ganzen Tag lang Zeit.

Die Fakten: Der BMW i8 verbraucht im ECE-Zyklus nur 2,1 l/100 km. Trotzdem rast er in 4,4 Sekunden von null auf hundert und flitzt um die Ecken wie reinrassige Supersportler von Ferrari oder McLaren. Der Trick: Dank hochmodernem Leichtbau wiegt er nur 1.485 Kilogramm, und das wenige Gewicht konzentriert sich um einen sehr tiefen Schwerpunkt. Hybrid-Antrieb mit Elektromotor vorne und Dreizylinder-Twinturbo-Benziner hinten sowie Akkus dazwischen machen’s möglich: Bremsenergie wird gespeichert und später für den nächsten Sprint genutzt. 362 System-PS und dennoch günstige Verbrauchswerte sind das Resultat.

Hightech-BMW im Stadtverkehr von L.A.

Bereits nach kurzer Testfahrt ist Magnus Walker vom i8 beeindruckt und verneigt sich regelrecht vor dem futuristischen Mobil: „Das ist wirklich ein Spaßauto.“ Der positive Eindruck, den der Hightech-BMW im Stadtverkehr von L.A. auf Walker macht, steigert sich auf dem kurvigen Angeles Crest Highway No. 2 noch weiter: „Der BMW i8 hat mich wirklich überrascht. Er macht Spaß, kann aber auch sehr sparsam sein – und ist rein elektrisch sehr leise. Er ist extrem schnell, trotzdem ein bequemes Auto für jeden Tag.“ Kritik? „Die Lenkung wirkt manchmal synthetisch, ist aber bei schneller Fahrt dafür äußerst präzise.“

Autor Ralf Schütze überzeugte im BMW i8 die Kalifornier.

Kein Wunder, dass der BMW i8 das Safety Car zur elektrischen Formel 1 ist, genannt Formula E. Beim „ePrix“ im südlich von L.A. gelegenen Long Beach rast der Hybrid-Renner wie bei jedem Rennen in bestimmten Phasen dem Feld voraus. Dazu gehört ordentlich Power, denn die Stromrenner rasen mit bis zu 230 km/h durch Stadtkurse in Monaco, Berlin oder eben hier in Kalifornien. Ex-Formel-1-Stars wie Nelson Piquet jr., Nick Heidfeld oder Bruno Senna sind am Start. Der fünffache Weltmeister Alain Prost engagiert sich ebenso für die Rennserie wie Schauspieler Leonardo DiCaprio mit eigenem Team. Es wirkt maßgeschneidert, wenn im Safety Car der Saubermann-Formel E die zukunftsweisende Technik eines sportlichen Plug-in-Hybriden steckt.

Rein elektrisch kommt der BMW i8 rund 30 Kilometer weit. Ansonsten ergänzt sich ein 96 kW (131 PS) starker Elektromotor mit dem 231 PS starken Dreizylinder im Heck. Der klassische Verbrennungsmotor und ein Soundgenerator liefern eine Klangkulisse, die auch die deutschen Auswanderer Klaus Borrmann und Konstantin Mroncz schier überwältigt. Corvette-Fahrer Borrmann ist überrascht: „Das ist etwas für einen absolut grünen Kalifornier. Der kann damit sein Gewissen beruhigen und trotzdem auch mal Feuer geben.“ Und der anfangs sehr skeptische Porsche-Fahrer Mroncz kommt nach der Spritztour sogar ins Schwärmen: „Ich hätte nie gedacht, dass der kleine Triple im Heck so böse brüllen kann. Und wenn man herunterschaltet, zischt automatisch das Zwischengas rein. Echt Wahnsinn, dieses Auto. Dürfen wir den gleich mitnehmen?“

Nicht ohne Weiteres: Klaus und Konstantin müssten beim US-Händler 140.000 Dollar (gut 124.000 Euro) hinblättern für den BMW i8, der in Deutschland 130.000 Euro kostet. Und: US-Händler dürfen bei extremer Nachfrage einen Aufschlag verlangen. Von Januar bis April 2015 verkauften sich in Kalifornien ebenso viele i8 wie im ganzen Jahr 2014, Tendenz extrem steigend. Von weltweit 1.784 gingen fast ein Drittel in die USA.

In Kalifornien sollen betuchte „Early adopters“ schon zehntausende Dollar extra bezahlt haben, um einen der heiß begehrten, cleanen Sportwagen zu ergattern. Besonderer Vorteil gerade in Los Angeles und Umgebung: Mit dem i8 genießt man die Power eines Sportwagens und kann trotzdem seinen CO2-Fußabdruck erheblich verschönern.

Der neue BMW i8

Ralf Schütze

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