Zwei Flitzer, zwei Welten

Sportler mit Wow-Moment: BMW i8 und Nissan 370 Z

BMW i8
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Cool sind sie schon, diese Flügeltüren. Das Ein- und Aussteigen ist jedoch gewöhnungsbedürftig.

Zwei Autos, zwei Welten. Hier fernöstliche Muscle-Car-Kraft mit einem V6-Sauger und einem schnittigen Z im Namenszug, dort ein bayerischer Hybridsportler mit dem abgefahrendsten Design...

...seit Erfindung des Millenium-Falken bei Star Wars und einem feinen kleinen i im Namenszug. Gegensätzlicher können zwei Sportwägen nicht sein. Nissan 370 Z und BMW i8 – eine ungewöhnliche Gegenüberstellung.

So muss sich ein Außerirdischer fühlen, wenn er zum ersten Mal mit seinem Ufo auf der Erde landet. Bestaunt und gefürchtet ist derjenige, der mit einem BMW i8 unterwegs ist. Bestaunt von Passanten, die zum ersten Mal dieses Auto sehen und es von einem anderen Stern vermuten. Gefürchtet von den Konkurrenten der Straße, die zunächst glauben, ein i8 könne allein deshalb nicht zum Sportler taugen, weil er nicht mindestens acht Zylinder und einen fetten Hubraum aufzuweisen hat. Dabei ist der i8, das Auto mit den drei (Motor-)Herzen und einer 362-PS-Systemleistung ein Rennvollblut! Zumindest, wenn der Akku aufgeladen ist und als Booster den Dreizylinder anschiebt, als würde man in Cape Canaveral starten. Und so zieht er auch zur Verblüffung von Porsche & Co ab: wie eine frisch gezündete Rakete.

Plug-in-Hybrid mit 231 PS.

Doch Rennsportbegeisterung beiseite. Was nun ist dieser BMW i8? Ein Plug-in-Hybrid oder des­pektierlich ausgedrückt – ein Bastard. Im Fall des i8 sieht das so aus: Auf der Vorderachse sitzt ein 115 PS starker Elektromotor, die Hinterachse wird von einem aufgeladenen Dreizylinder und 231 PS angeschoben. Das Beste aus beiden Welten also. Aber es kommt noch eine dritte Dimension dazu. Weil der E-Motor sofort seine volle Power entwickelt, der Benziner aber naturgemäß und trotz Turbo nicht sofort sein ganzes Drehmoment entwickeln kann, hilft ein dritter Motor. Eine kleine E-Maschine mit 20 PS, die direkt am Verbrenner sitzt. Beim Fahren merkt man von diesen technischen Raffinessen freilich nichts. Nur eine konstante und wuchtige Beschleunigung. Der i8 spurtet so in 4,4 Sekunden von null auf 100 km/h, Tempo 200 ist nach 15,2 Sekunden Geschichte. Bei solchen Werten muss ein 911er Porsche Carrera schon kräftig durchziehen, um mithalten zu können.

Die nach NEFZ errechneten Verbrauchswerte von 2,1 Litern sind dabei natürlich reine Utopie. Selbst bei vorsichtiger Fahrweise und der Ausnutzung der theoretischen elektrischen Reichweite von 37 Kilometern (der Akku hat eine Speicherkapazität von 5,2 kw/h und ist an einer herkömmlichen Steckdose über Nacht geladen, an einer Schnellladestation erreicht er innerhalb von drei Stunden 80 Prozent seiner Kapazität)! 

Im Test – zugegeben, wir haben es schon jucken lassen – lagen wir bei deutlich über zehn Litern, was aber bei einem Sportwagen dieses Formats mehr als okay ist. Nicht vorstellbar, was diese Kiste leisten könnte, wenn man von dem durch einen hohen Kunststoffanteil erreichten Traum-Gewicht von 1,5 Tonnen noch die 200 Kilo abziehen würde, die E-Motor und Akku kosten.

Doch um in der Riege der Supersportwagen zu reüssieren, wurde der i8 nicht gebaut. Eher schon, um den Beweis anzutreten, dass auch Hy­brid-Fahrzeuge den höchsten Ansprüchen von überzeugten Motoristen genügen können. Das hat freilich seinen Preis: Der BMW i8 kostet in der Einstiegsvariante stattliche 130 000 Euro, ist aber nahezu komplett ausgestattet. 

Übrigens: Neben der Weiterentwicklung des 2013 eingeführten BMW i3, werde es auch eineCabrioversion des BMW i8 geben, kündigte der BMW-Chef Harald Krüger an.

Der neue BMW i8

Nissan 370 Z: Die kleine feine Lässigkeit aus Fernost

Das Z ist überall am Nissan- Sportler zu entdecken, etwa im Lenkrad oder unterhalb der Seitenspiegel.

Cool sieht er aus – dieser Fernost-Porsche für den kleinen Geldbeutel (ab 36 600 Euro). Aber ist der Nissan 370 Z wirklich so lässig, wie er wirkt? Vor allem ist der Japaner unverwechselbar und sammelt schon deshalb den ersten Pluspunkt ein. Mit einem 911er Porsche fällt man in München nicht auf, mit einem 370 Z hingegen schon – auch wenn der Flitzer nicht wirklich neu ist, sondern nur Ende 2015 ein (wenn auch leichtes) Facelift bekommen hat.

Kräftige Hinterbacken, dicke Auspuffrohre, fette Schlappen auf den Felgen (vorn 245er auf 19 Zoll, hinten 275er) und eine kantige frech-zwinkernde Front – die Optik ist eine Wucht. Innen hält sich das Vergnügen japanisch-funktionell in Grenzen, nichts, was uns gefallen oder missfallen hat. Also den V6-3,7-Liter (daher der Name) gestartet, natürlich nicht mit einem Schlüssel, sondern standesgemäß per Druckknopf. Na ja, die Auspuffrohre versprechen mehr, als das, was sie wirklich draufhaben. Dicke Hose, aber nur in Röhrenjeans. Mehr nicht.

Das trifft leider auch auf den Motor zu. Für einen V6-Sauger mit ordentlichen 328 PS ist das Aggregat merkwürdig rachitisch auf der Brust. Man muss den Sauger hochdrehen, bis es fast schmerzt, damit sich unter der Haube was tut. Und die auf dem Papier niedergeschriebenen 5,3 Sekunden von null auf Tempo 100 mit einem Drehmoment von 363 Nm bei 5200 U/min sind eigentlich auch nicht schlecht, aber irgendwie fühlt sich das nicht so an. Und dafür braucht er auch zu viel Benzin: knapp zwölf Liter im Test! Punktabzug für diese Motorisierung.

Dafür kriegt das wirklich feine Fahrwerk, das manch einem etwas straff vorkommen mag, aber Sportwagen-Liebhabern entgegenkommt, ein „Daumen hoch“: Bestens abgestimmt, exakt in der Führung zirkelt der Z um die Kurven, Unzulänglichkeiten des Asphalts federt er lässig weg.

Unser Fazit

Der Nissan 370 Z ist nicht für Speed-Köpfe und Drehmoment-Abhängige, aber ein kleiner feiner Sportwagen, der schon in der Einstiegsvariante so viele Extras hat, dass man außer einem Navi (Zusatzkosten dafür inklusive Rückfahrkamera und Music Box: 2610 Euro) nichts mehr braucht. Das gilt übrigens auch für die kleinen feinen Z-Emblem-Blinker auf den seitlichen Kotfügeln. Die sind im Preis enthalten und zeugen von echter Lässigkeit. 

RDF

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