Der Hybrid-Angriff

Saubermann: Mercedes S 500 Plug-In-Hybrid

Mercedes S 500 Plug-In-Hybrid
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Eine Hybrid-S-Klasse an einer Tankstelle mit Aufladestation.

Mercedes geht in die Offensive. In die Hybrid-Offensive. Bis 2017 wollen die Stuttgarter zehn neue Modelle herausbringen. Darunter schon 2015 die C-Klasse.

Den Vorreiter macht, wie bei Mercedes in Sachen Schlüsseltechnologien üblich, die S-Klasse. Der Mercedes S 500 Plug-In-Hybrid bietet das beste aus drei Welten. Fahrleistungen fast wie mit einem V8, 33 Kilometer reine Elektroreichweite und den Luxus einer S-Klasse. Erste Eindrücke.

Bei Start und auf den ersten Kilometern fällt auf: Die S-Klasse wird zum fliegenden Teppich, flüstert sanft durch die Stadt. Auf der Auffahrt zur Autobahn packen die beiden Motoren ordentlich zu und schieben die Limousine kräftig nach vorne. Dafür zuständig sind ein V6-Benziner und ein Elektroaggregat – mit einer Systemleistung von 442 PS, die den Hybriden von null auf 100 km/h in 5,2 Sekunden katapultiert. Bis auf die Lautlosigkeit im E-Betrieb gibt es eigentlich keinen Unterschied zur normalen S-Klasse.

Bordradar fürs Segeln mit dem S 500 Plug-In-Hybrid

Gewöhnungsbedürftig sind beim Mercedes S 500 Plug-In-Hybrid nur die Begrifflichkeiten. Zum Beispiel das haptische Gaspedal – eigentlich eine gute Erfindung. Wenn das Gaspedal zwei Mal klopft, dann ist das keine neue Fußmassage, sondern die Aufforderung, vom Gas zu gehen. Das heißt: Das Bordradar hat zum Beispiel ein langsamer fahrendes Fahrzeug entdeckt, man spart Sprit, indem nicht gebremst wird, sondern das Auto langsam auf das vorausfahrende Fahrzeug zurollt, bis dessen Geschwindigkeit erreicht wird. Das nennt man Segeln. Zum anderen kann das Fahrzeug auch dadurch heruntergebremst werden, in dem der Strom erzeugende Generator dazu geschaltet wird. Das heißt wiederum Rekuperieren.

Und noch so ein seltsamer Begriff. E+ ist bei Mercedes kein Telefonanbieter, sondern ein intelligenter Betriebsmodus, der mit den Navigationsdaten (das Ziel ist einprogrammiert) die optimale Betriebsart (elektrisch, Segeln, hybrid, Batterie laden) aussucht und vorausschauend auf Steigung, Gefälle oder Betrieb in einer Stadt plant. Im Test haben wir das Programm laufen lassen und haben uns abgesehen von kleineren Vollgas-Anfällen lammfromm leiten lassen.

Das Ergebnis auf knapp 200 Kilometern durch zwei Städte, über Landstraßen und Autobahnen: 7,7 Liter Verbrauch. Ordentlich, wenn man das Gewicht des rollenden Luxusliners in Betracht zieht, der durch die Lithium-Ionen-Batterie noch beträchtlich an Gewicht aufgerüstet hat. Der angegebene Wert von 2,8 Litern, ist aller­dings nicht zu erreichen, da er ein hypothetischer ist (siehe unten).

Der Preis liegt exakt auf dem (hohen) Niveau der normalen S-Klasse (108.944,50 Euro). Mal schauen, ob Mercedes diese Strategie bei den kommenden kleineren und erschwinglicheren Hybridmodellen ebenfalls verfolgen wird. Wenn die Stuttgarter allerdings Masse machen wollen, um so den geforderten Flottenverbrauch bis 2020 auf unter 95 CO2 zu drücken, dann bleibt ihnen gar nichts anderes übrig. Toll auch die Garantie auf die Batterie: Sie gilt sechs Jahre oder für 100.000 Kilometer Laufleistung.

Nachteilig ist einzig der durch die Batterie geschrumpfte Kofferraum. Bei 355 Litern ist mehr als ein Wochenendaufenthalt mit der Frau in Südtirol nicht drin.

Fazit

Chef müsste man sein, dann könnte man sich die umweltfreundlichste S-Klasse aller Zeiten leisten. Mit der vergleichbaren stattlichen Leistung eines Achtzylinders, dem ganzen Komfort des Mercedes-Flaggschiffs und was noch wichtiger ist, einem (fast) reinen grünen Gewissen.

Verbrauchsrechnung

2,8 Liter Verbrauch pro 100 Kilometer - wie soll das gehen? Natürlich gar nicht, das ist ein rein rechnerischer Wert, der sich beim S 500 so zusammensetzt: Der V6-Benziner braucht 6,4 Liter auf 100 Kilometer. Weil der rein elektrische Betrieb jedoch bei 33 Kilometern liegt, gibt der Gesetzgeber dafür einen 56-prozentigen Bonus auf den Normverbrauch. Damit will die Politik die Autobauer stimulieren, möglichst weit- reichende Hybride zu bauen.

Grüner Luxus: Mercedes S 500 Plug-In-Hybrid

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RDF

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