Bahn macht Millionenverluste

Franken-Sachsen-Express droht das Aus

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Zwei Männer laufen über die Baustelle der Sachsen-Franken-Magistrale bei Hohenstein-Ernstthal (Archivbild)

Nürnberg - Die Bahntrasse von Nürnberg nach Dresden war einst Teil einer Hauptverkehrsader. Jetzt fährt dort nur noch der Nahverkehr. Und der verliert immer mehr an Fahrt.

Komfortabel länger unterwegs: Wenn die Bahnstrecke zwischen dem oberfränkischen Hof und dem sächsischen Plauen Ende des Jahres elektrifiziert ist, wird sich das für die Fahrgäste nicht nur vorteilhaft auswirken. Die Fahrzeit wird sich teils verlängern, weil Reisende aus Nürnberg in Richtung Sachsen dann oftmals in Hof umsteigen müssen. Und es ist keinesfalls sicher, dass es den „Franken-Sachsen-Express“ von Nürnberg nach Dresden nach 2015 als durchgängige Bahnverbindung überhaupt noch geben wird. Der Deutschen Bahn zufolge können sich die Reisenden zwischen Hof und Dresden immerhin auf eine Fahrt in leisen und klimatisierten Doppelstockwagen freuen.

Im stündlichen Wechsel sind derzeit zwischen Nürnberg und Dresden ein Interregio-Express (IRE) und ein Regional-Express (RE) unterwegs, der von den regionalen Verkehrszweckverbänden für den Nahverkehr gemeinsam finanziert wird. Eine Fahrt mit dem IRE von Nürnberg nach Dresden dauert gut vier Stunden. Wenn Ende 2013 die Elektrifizierung bis Hof abgeschlossen ist, wird nach Bahnangaben zunächst der RE auf elektrischen Betrieb umgestellt.

Die schmucken, neuen Doppelstockzüge haben jedoch anders als die Dieseltriebwagen keine Neigetechnik und sind deshalb auf der bisweilen kurvenreichen Strecke nicht so schnell. Allein die Fahrt von Hof bis Dresden wird dann etwa vier Stunden und zwanzig Minuten dauern. Reisende aus Nürnberg müssen allerdings erst mit einem Dieselzug bis Hof fahren, um dort in den RE nach Dresden umsteigen zu können.

Doch zumindest der IRE bleibt noch bis Ende 2014 als durchgängige Verbindung erhalten - dieselgetrieben. Dann jedoch will die Bahn aus der Finanzierung aussteigen. „Wir fahren jährlich Verluste in Millionenhöhe ein“, sagt eine Bahnsprecherin in Leipzig, ohne genaue Zahlen zu nennen. Anstelle der Bahn sollen dann die Zweckverbände der Länder einspringen. Womöglich werden dann aber auch diese Züge auf den kostengünstigeren elektrischen Betrieb umgestellt - mit Umsteigen in Hof.

Nach Angaben des sächsischen Verkehrsministeriums sind die Zugverbindungen im Ein-Stunden-Takt von Hof nach Dresden für die Jahre 2015 bis 2020 bereits finanziert. Im Freistaat sei der Betrieb der Strecke als Nahverkehrslinie ab 2015 ebenfalls bereits gesichert, sagt ein Sprecher des bayerischen Verkehrsministeriums.

Ob es weiter eine durchgehende Verbindung geben wird, ist noch nicht geklärt. Dafür müssen die Zweckverbände aus Sachsen und Bayern auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Dabei geht allein die Strecke von Hof nach Dresden schon durch drei verschiedene Verkehrsverbünde. „Mehr als drei Viertel unserer Fahrgäste sind zwischen Dresden und Hof unterwegs“, sagt Silke Dinger vom Verkehrsverbund Mittelsachsen. Da seien die Verbindungen innerhalb Sachsens wichtiger als nach Bayern.

Der Fahrgastverband Pro Bahn in Bayern ist da jedoch entschieden anderer Meinung. Wenn es nach ihm ginge, stünden weder die Zweckverbände noch die Länder, sondern der Bund selbst in der Pflicht, um den Franken-Sachsen-Express zu retten. „Das ist eigentlich Fernverkehr“, betont der Verbandssprecher Winfried Karg. „Das ist eine Hauptverkehrsader. Dresden und Nürnberg sind doch keine Dörfer.“

dpa

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