Gibt es DEN Unterschied?

Was Frauen wollen, verblüfft die Autohersteller

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Taffe Frau, süßer Micra: Keine Frage, der kleine Nissan ist bei der Weiblichkeit beliebt. Manchmal aber darf das Auto gerne etwas schärfer sein.

Was Frauen wollen, ist ja eine der großen Fragen unserer Zeit, die bereits Mel Gibson in der gleichnamigen Filmkomödie (aus dem Jahr 2000) Kopfzerbrechen bereitete.

Unzählige Studien gibt es über das angeblich schwache Geschlecht, die ebenso viele Antworten wie Interpretationen zulassen. Da wir uns hier auf der Auto-Motor-Seite befinden, dreht sich logischerweise im Folgenden alles um das Thema Frauen und Autos. Und nein, liebe Machos, diese beiden Dinge schließen sich schon längst nicht mehr aus. Das belegen Zahlen: Laut einer Forsa-Studie ist es 59 Prozent der deutschen Frauen wichtig, ein eigenes Auto zu besitzen. Und geht es bei Paaren um den Kauf eines neuen Autos, bestimmen Frauen mindestens zu 70 Prozent mit.

Frauen im Fokus der Fahrzeughersteller

Dementsprechend haben die Hersteller die zarten Geschöpfe längst als kauf- und entscheidungskräftiges Klientel entdeckt – und sie zum Gegenstand von Untersuchungen gemacht. 

So präsentierte Nissan jüngst den deutschen (übrigens zunehmend vertretenen) Motorjournalistinnen seine frisch gewonnenen Ergebnisse:

Die Japaner haben bekanntlich den Micra und den Note im Portfolio – sogenannte Frauenautos. Klein, praktisch, wendig und Beschützerins­tinkte auslösend. Der Nissan Juke hingegen, mit seinen aggressiven Crossover-Formen, wurde eigentlich für junges, männliches Klientel ersonnen. Dann gab’s die große Überraschung: Allein 2014 waren in Deutschland 51 Prozent der Käufer weiblich! Unter der Motorhaube darf es dann auch gern ein wenig stärker zugehen – der Juke wurde von Käuferinnen zumeist als 115-PS-Benziner mit Handschaltung und in Black Metallic geordert. Hallo? So sieht doch kein putziges Frauenauto aus!

Frauen verlieben sich auf den ersten Blick

Nächste Erkenntnis: Frauen verlieben sich auf den ersten Blick. Und zwar unabhängig davon, ob das Modell gesellschaftliches Prestige besitzt oder wie es präsentiert wird. Vielmehr geht es darum, ob der Wagen ganzheitlich zur Persönlichkeit passt – er muss Stil besitzen und praktisch sein. Und dazu genügt in der Regel ein Blick auf das Objekt der Begierde im Straßenverkehr . Eine schicke Präsentation im Autohaus oder auf einer Messe lässt Frauen eher kalt.

Sicherheit

Der nächste kleine Unterschied zwischen den Geschlechtern findet sich bei den inneren Werten: Während Männern der Klang ihrer Bose-Anlage, die Spritzigkeit an der Ampel und der Auspuffsound tatsächlich oft noch über alles gehen, schauen Frauen vornehmlich auf die Sicherheit. Rundumsicht ist wichtig, automatisch zu verriegelnde Türen und auch das eine oder andere Assistenzsystem wie Parksensoren, Totwinkelwarner oder Rückfahrkameras. Aber: Elektronische Helferlein müssen tatsächlich zum entspannten Fahren beitragen und dürfen nicht nerven. Lichtfunktionen, die zum Beispiel auch nach dem Abstellen des Fahrzeugs den Heimweg ausleuchten, werden bei Nissan gern genommen. Es soll allen Passagieren gut gehen – deshalb schätzen Frauen entspannte Sitzmöglichkeiten auf der Rückbank, bequeme Einstiege und leicht zugängliche Laderäume.

Verbrauch und Preis

Stärker als Männer achtet das zarte Geschlecht auf Verbrauch und Unterhalt. Und haben Frauen sich einmal ein Limit für den Anschaffungspreis gesetzt, halten sie daran fest und lassen sich von Verkäufern nichts mehr „aufschwatzen“.

Was Frauen wirklich wollen

Also laut der Nissan-Studie ist es ganz einfach, zu klären, was Frauen wollen: ein stilvolles Design, eine ordentliche Motorisierung, ein kluges Innenraumkonzept, sinnvolle Technik und Sicherheitsfeatures. Das alles zum fairen Preis. Genau das, was doch eigentlich auch Männer wollen, oder? 

K. Basaran

2004 entwickelt: Ein weiblicher Flitzer

Ein offenes Ohr für Frauenwünsche bewies man Anfang des neuen Jahrtausends bei Volvo. Der schwedische Autobauer stellte 2001 ein Team aus Ingenieurinnen und Designerinnen zusammen, das ein Auto für Frauen konzipieren sollte. 2004 wurde das Coupé mit dem Namen YCC (Your Concept Car) auf dem Autosalon in Genf als Studie vorgestellt.

2004 zeigte Volvo den YCC: Er war von Frauen für Frauen entwickelt worden.

Der Viersitzer mit Flügeltüren sorgte für Aufsehen: Er bot viel Stauraum, einen Parkassistenten, punktete mit guter Rundumsicht, minimalem Wartungsaufwand und mit seiner Lackierung, die je nach Lichteinfall von Grün zu Gold oder von Blau zu Gelb wechselte. Die Türen standen nur 60 Zentimeter vom Fahrzeug ab – herkömmliche Türen brauchen mehr Platz. Beim Einstieg wurde der Fahrer gescannt. Dank der ermittelten Daten passten sich Sitz, Lenkrad, Pedale, Kopfstützen und Sicherheitsgurte automatisch an. 

Praktisch: Das Befüllen der Scheibenwischanlage erfolgte von der Fahrerseite aus – die Motorhaube brauchte nie geöffnet werden. Als Antrieb diente dem YCC ein Hybrid-Motor mit 215 PS. Leider wurde der Wagen nie gebaut – wohl auch, weil er den Stempel „Frauenauto“ trug.

Die Lieblingsautos 2015

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Katrin Basaran

Katrin Basaran

E-Mail:Katrin.Basaran@tz.de

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