Keine Frage der Moral

Frivoler Stiletto düst durch iranische Hauptstadt

Rassig: Mit einem Stöckelschuh ist ein 42-Jähriger auf den Straßen in Teheran (Iran) unterwegs.
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Rassig: Mit einem Stöckelschuh ist ein 42-Jähriger auf den Straßen in Teheran (Iran) unterwegs.

In einem Stöckelschuh ist ein 42-Jähriger auf den Straßen von Teheran (Iran) unterwegs. Das frivole Mobil macht die Leute in der Hauptstadt verrückt, doch die Polizei ist machtlos.  

Riesig, rassig und rot ist der motorisierte Stöckelschuh, in dem ein Schuhputzer in Teheran seine Dienste anbietet. Für Mohammad Ali Hassan Chani ist es ein Erfolgsmodell: Seit er in dem frivolen Gefährt durch die iranische Hauptstadt rollt, kann er sich vor Foto- und Schuhputzaufträgen nicht retten. Obwohl im konservativen Teheran noch islamische Moralpolizisten auf Streife sind, kann Aliwaxima, wie sich der 42-Jährige in einer Kombination seines Namens mit dem englischen Wort wax nennt, ungehindert seinem Geschäft nachgehen.

"Ich bin der einzige Schuhputzer im Land, der von seinem Auto aus arbeitet", sagt Ali. Inzwischen hat der geschäftstüchtige 42-Jährige, der stets mit makellosem Hemd, formeller Krawatte und - natürlich - blitzblank geputzten Schuhen anzutreffen ist und sich gerne sehr gepflegt ausdrückt, seine Fans in der 13-Millionen-Stadt, die sonst nicht gerade an öffentliche Extravaganz gewöhnt ist. Wenn Aliwaxima mit seinem dreirädrigen Stöckelschuh aus Glasfaserkunststoff anrollt, reißen sich Passanten, Auto- oder Motorradfahrer um Selfies.

"Vor acht Jahren entschloss ich mich, ein Fahrzeug zu entwickeln, mit dem ich meine Dienste als Schuhputzer anbieten kann", erklärt Alier. Im digitalen Zeitalter setzt Ali auf Kundenservice 2.0: Neben einem Mobiltelefon hat er eine Internetseite, ein Instagram- sowie ein Facebook-Konto mit vielen Freunden und dem roten Schuh auf der Titelseite.

Das erste Schuh-Auto im Iran

Die Adressen präsentiert er unerschrocken auf seinem Fahrzeug, obwohl Facebook im Iran offiziell blockiert ist - iranische Nutzer umgehen dies allerdings mit einem technischen Trick. Auf seiner Fahrerseite prangt der schlichte Slogan: "Das erste Schuh-Auto im Iran."

"Das ist wunderbar", schwärmt ein Passant, der ihn zum ersten Mal sieht. Ein anderer fragt, ob der Stöckelschuh für eine Schuhmarke wirbt. Doch viele kennen "den Mann mit dem besten Glanz" nach 18 Jahren Arbeit auf den Straßen im Zentrum. "Am Anfang hatte ich einen einfachen, dreirädrigen Roller. Dann gab ich ihm die Form eines Männerschuhs. Vor drei Monaten beschloss ich, ihn in einen roten Stöckelschuh umzuwandeln", erzählt Ali. "Seither habe ich viel mehr Kunden. Mehr als 1500 Anhänger folgen mir auf Instagram. Früher hatte ich hauptsächlich Männer als Kunden, doch jetzt habe ich auch Kundinnen, die mich ermutigen."

Bilder von riesigen Schuhen, mit denen Schuhputzer im Ausland für ihre Arbeit werben, brachten ihn auf die Idee. "Aber die waren nicht motorisiert", sagt er verschmitzt. Zweieinhalb Monate brauchte der 42-Jährige, um den Stöckelschuh zu konstruieren. "Die Leute sind verrückt nach meinem Fahrzeug. Sie lieben es, darin zu sitzen und Fotos zu machen. Ich bekomme alle möglichen Anfragen. Ich war schon auf fünf Hochzeiten - die Frisch-Vermählten lassen sich in meinem Auto fotografieren."

Umgerechnet 120 Euro erhält Ali für einen Auftritt bei Hochzeiten, verglichen mit seinen Durchschnittseinnahmen von knapp 18 Euro am Tag eine stolze Summe. Ein Arbeiter verdient durchschnittlich gut 13 Euro täglich. Und was sagt die Polizei zu seinem frivolen Gefährt? Ali lacht laut. "Die Polizisten - das sind die ersten, die sich in meinem Auto fotografieren lassen wollen!"

Die irrsten Autofahrer der Welt

AFP

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