Smartphone-Trend

Handy am Steuer erhöht das Unfallrisiko

München - Nur schnell eine SMS tippen - und schon kracht es. Das Nutzen von Smartphones am Steuer eines Autos erhöht das Unfallrisiko. Immer öfter werden Handys nach Unfällen als Beweisstücke herangezogen.

Mehr und mehr Menschen besitzen Smartphones. Und viele wollen sie auch unterwegs benutzen. Inzwischen wird im Auto nicht mehr nur telefoniert – man checkt während der Fahrt auch seine E-Mails, aktualisiert den Facebook-Status, beantwortet WhatsApp-Nachrichten oder lässt sich über den aktuellen Spielstand in der Fußball-Bundesliga informieren.

ADAC-Unfallexperte Thomas Unger sieht in der steigenden Zahl der bei Auffahrunfällen Verletzten und Getöteten ein Alarmsignal. Er ist überzeugt, dass viele Unfallverursacher kurz vor dem Aufprall auf ihre Handys schauten. ADAC-Fahrzeugtechniker Hubert Paulus spricht von einer Smartphone-Seuche, die alle Erfolge bei der Verringerung der Zahl von Toten und Verletzten im Straßenverkehr gefährde. Im Kampf gegen diese „Seuche“ lässt Kölns Polizeidirektor Helmut Simon nach schweren Unfällen die Mobiltelefone der Beteiligten sicherstellen: „Für uns sind die Handys Beweismittel wie eine Schnapsflasche im Auto.“

Inzwischen hat der Gesetzgeber reagiert. Seit dem 1. Mai zahlen Autofahrer 60 statt 40 Euro, wenn sie ihr Handy während der Fahrt oder bei laufendem Motor in die Hand nehmen. Außerdem gibt es einen Punkt in Flensburg. Daimler-Manager  Guido Herrtwich sieht trotzdem eine Generation heranwachsen, „die das Autofahren als Ablenkung vom SMS-Schreiben empfindet“.

Apps als Lösung?

Vollmundig versprechen die Autokonzerne deshalb die Handy-Integration in den Pkw, wollen SMS vorlesen lassen, Apps und Nachrichten auf dem Bildschirm am Armaturenbrett sichtbar machen. Allerdings mit bescheidenem Erfolg, wie eine ADAC Untersuchung zeigt („Motorwelt“ 5/2014). Oft hakt die Technik, stehen Funktionen nur für ein einziges Smartphone-Betriebssystem zur Verfügung. Den Mobilfunkunternehmen ist das Problem ebenfalls bewusst – überzeugende Lösungen sind aber auch bei ihnen Mangelware.

Andere Apps schalten das Mobiltelefon lautlos und beantworten neue Nachrichten mit Abwesenheitsmeldungen, sobald es sich in einem fahrenden Auto befindet oder der Besitzer mit dem Fahrrad unterwegs ist. Nach Ansicht von Hubert Paulus sind solche elektronischen Helfer unnötig. Schließlich könne jeder das Handygebimmel unterwegs einfach ignorieren – oder das Smartphone vor Fahrtbeginn in den Flugmodus versetzen.

Rubriklistenbild: © dpa

auch interessant

Meistgelesen

Der VW Campingbus vom Möbeldesigner 
Der VW Campingbus vom Möbeldesigner 
Stau-Alarm! Pfingsturlauber verstopfen die Straßen
Stau-Alarm! Pfingsturlauber verstopfen die Straßen
Autonomes Fahren: Darf ich betrunken im Auto sitzen?
Autonomes Fahren: Darf ich betrunken im Auto sitzen?
Mercedes darf keine Nackenföhns mehr verkaufen
Mercedes darf keine Nackenföhns mehr verkaufen

Kommentare