Forschungsprojekt

Strom vom Dach: Das passende Haus zum Elektroauto

Zuhause in der E-Mobilie: Franz Hagn testet die weitgehende Selbstversorgung mit Strom auch fürs Elektroauto.
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Zuhause in der E-Mobilie: Franz Hagn testet die weitgehende Selbstversorgung mit Strom auch fürs Elektroauto.

In Hallbergmoos (Kreis Freising) testet BMW gemeinsam mit anderen Unternehmen ein Haus für die Zukunft: Das Haus produziert überwiegend Strom überwiegend selbst und versorgt damit auch das Elektro-Auto.

Es ist ein würfelförmiges futuristisch anmutendes Wohnhaus. Wären nicht zwei deutlich sichtbare Sensoren auf dem Flachdach und eine Ladebox fürs Elektroauto an der Fassade, würde man auf den ersten Blick nichts Besonderes erkennen. „E-Mobilie“ wird die Immobilie genannt. Aber warum?

Ein Energiesparhaus sieht anders aus. Die typische dichte Styroporverpackung fehlt hier. Doch das ist gewollt, sagt der Bauunternehmer Matthias Krieger, dessen Unternehmen das Haus konzipiert hat. „Passiv war gestern“, sagt er über die vermeintlich zukunftsweisenden Passivhäuser, die möglichst wenig Wärme entweichen lassen. Sein Konzept ist ganz anders: Möglichst allen Strom, der gebraucht wird, auf dem Dach zu produzieren – und möglichst nicht auf das öffentliche Stromnetz zurückzugreifen.

Bei Sonnenschein läuft die Waschmaschine

Der Clou: Krieger, die Solarfirma SMA und BMW versuchen bei diesem Projekt, möglichst große Anteile des Stromverbrauchs anfallen zu lassen, wenn die Photovoltaik-Anlage am meisten liefert – also um die Mittagszeit. Möglichst dann soll die Waschmaschine laufen, der Trockner und die Spülmaschine. Und möglichst dann soll auch die Batterie des Elektroautos geladen werden. Eine ausgeklügelte Elektronik sorgt dafür, dass das auch geschieht – und möglichst nach den Wünschen der Bewohner koordiniert wird, die diese per Smartphone an das Haus weitergeben können. Wenn um 14 Uhr ein Ausflug geplant ist, hat das Laden Vorrang, wenn das Auto erst um 17 Uhr gebraucht wird, kann das System anders planen.

Eigener günstiger Solarstrom

Überschüssiger Strom – bis zu zehn Kilowattstunden – wird in einer Batterie gespeichert, die dafür sorgt, dass auch Abends der Elektroherd nicht kalt bleiben muss, die Lichter nicht ausgehen und auch nachts das Elektroauto mit der für den nächsten Tag notwendigen Energie versorgt wird. Noch mehr Energie wird über eine Wärmepumpe in Wärme verwandelt und in der Bodenplatte, den Wänden und einem Tank so gespeichert, dass das Haus auch bei längeren Schlechtwetterphasen angenehm temperiert bleibt. Nur wenn es gar nicht anders geht, kommt der Strom aus dem Netz. Im Januar und Februar war das der Löwenanteil der verbrauchten Energie. Doch schon in den letzten sonnigen Märztagen wurde so gut wie kein Strom mehr zugekauft und im Sommer ist mit Überschüssen zu rechnen.

Auf 400 000 Euro beziffert Krieger den Wert des Hauses, zehn Prozent davon fallen auf das Energiesystem. Dieser Betrag würde sich in 16 bis 17 Jahren amortisieren, sagt der Bauunternehmer.

Der Biochemie-Professor Franz Hagn, der das Haus in Hallbergmoos (Kreis Freising) mit Frau und zwei Kindern für ein Jahr als Tester bewohnt, hat bisher keine Komforteinschränkungen empfunden. Der einzige Handgriff, der sich geändert hat, ist zur Routine geworden: Wenn Hagn heimkommt, stöpselt er das Auto an die Strombox an. Und immer wieder überprüft er per Tablet- PC den Energieverbrauch.

BMW will in Hallbergmoos erforschen, „wie sich der Ladeenergiebedarf eines Elektroautos mit dem Energiebedarf im Haushalt synchronisieren lässt“, sagt Projektleiter Willibald Prestl. Dabei legt der Autobauer Wert darauf, dass ausschließlich handelsübliche Technologien verbaut wurden, die in jedes Privathaus integriert werden können.

Von Martin Prem

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