Coole Kiste wird seriös

Der Honda Civic Tourer im Alltagstest

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Autorin Katrin Basaran im Test-Honda.

Was war der Honda Civic in den 90ern für eine tolle Nummer! Alle coolen Kerle unserer Jugend fuhren diese coole Kiste aus Fernost. Und jetzt?

Obwohl der Civic zu den bestverkauften Autos aller Zeiten zählt (Platz 6), sieht man den Honda – mittlerweile in der neunten Generation – eher selten. Seit 1. Februar 2014 gibt es in Europa den Japaner auch als Tourer, quasi für die coolen Kerle von damals, die jetzt mit Familie unterwegs sind. Wir unterzogen den Kompaktkombi einem Alltagstest.

Zunächst mal: Der Japaner fällt mit seinen keilförmigen Umrissen auf. Im Gedächtnis blieb uns ein Motorradfahrer, der sich mehrfach zurückfallen ließ, um sich den Honda Civic Tourer genauer und von allen Seiten anzusehen. Bevor er endgültig abzog, hob er noch den Daumen. Kein schlechtes Entree für ein mutiges und sicher auch diskussionswürdiges Design.

Innen fordert die auffällige Optik sogleich Tribut: Wir ziehen automatisch den Kopf ein – schuld ist das stark nach vorn abfallende Dach und die daher recht flache Frontscheibe. Obwohl tatsächlich noch genügend Platz nach oben ist, wird dennoch das Gefühl erzeugt, man sitze in einer dunklen Büchse und schaue aus einer Schießscharte. Nach hinten ist der Blick durch die mickrige Heckscheibe ebenfalls getrübt oder zumindest doch irritiert. Ganz ehrlich, gute Sicht geht anders!

Das Cockpit im Honda Civic Tourer

Schade eigentlich, denn innen haben sich die Designer richtig Mühe gegeben. Das Cockpit – ebenfalls eigenwillig – wirkt luftig und ist ganz auf den Fahrer ausgerichtet. Die chromumfassten Instrumente sind in runden Gehäusen aus Plastik platziert. Das sieht freundlich aus, allerdings fragt sich der Putzteufel in uns besorgt, wie schnell lästiger Staub den schönen Eindruck versaut. Egal. Die Instrumente hat man gut im Blick, sie sind selbst erklärend, das lederne Multifunktionslenkrad liegt gut in der Hand – passt also. Gleiches gilt für die Bedienung des Infotainmentsystems: Es lässt sich schnell durchschauen und uns nicht im Stich.

Gut gefallen uns so nette Kleinigkeiten wie das beleuchtete Schlüsselloch für dunkle Stellplätze und die Doppelziernähte an den Sitzen. Nicht so passend ist die mickrige Mittelkonsole – hier bekommt man nicht einmal eine kleine Wasserflasche in die Cupholder gepresst.

Das geniale Rückbankkonzept im Honda Civic Tourer.

Widmen wir uns noch der Rücksitzbank: Sie bietet erstaunlich viel Platz, auf denen auch männliche Mitfahrer jenseits der 1,90 Meter guten Komfort genießen und nirgendwo anstoßen. Spannender noch ist aber, was sich mit einer leeren Rücksitzbank anstellen lässt. Honda nennt es das MagicSeats-System: Man kann die Sitzflächen nämlich nach hinten an die Lehnen anklappen und befestigen – und auf diese Weise Gegenstände bis 1,30 Metern Höhe stehend transportieren. Natürlich kann man die Rücklehnen auch einfach nach vorn klappen, so dass ein ebener Ladeboden entsteht. Das Kofferraumvolumen lässt sich auf diese Weise von 477 auf bis zu 1378 Liter erweitern.

So fährt sich der Honda Civic Tourer

Im Cockpit haben sich die Designer richtig Mühe gegeben. Im großzügigen Kofferraum findet auch Familiengepäck reichlich Platz.

In unserem Test fuhren wir einen 1,6 i-DTEC mit Sechsgang-Handschaltung. Und der hat uns ehrlich beeindruckt. Zwar hört man recht deutlich, dass man einen Diesel fährt – das mag man oder nicht –,aber der Spaß, den seine 120 PS auf die Straße bringen, macht den robusten Sound allemal wett. Hui, wie sportlich der Tourer abgeht! Seine 300 Nm Drehmoment treiben den Japaner kontinuierlich voran, er reagiert freudig bei Zwischenspurts und lässt so manchen anderen Verkehrsteilnehmer mit stärkerem Motor verdutzt dreinschauen. Die Kurvenlage passt auch, die Schaltung hakelt nicht – das Fahrerherz hat Grund zur Freude. Zumal sich der Verbrauch sehen lassen kann: Gut, an die versprochenen 3,7 Liter kombinierten Normverbrauch kommen wir trotz ECO-Modus nicht heran. Wir landen bei unserer Meinung nach dennoch akzeptablen 5,3 Litern kombiniert und bei 5,8 Litern im zähen Münchner Stadtverkehr.

Apropos Stadtverkehr: Hier nervt uns der sensible Parkpiepser. Drängelt sich hier mal ein Moped vorbei oder fährt der Hintermann etwas weiter auf – dann hilft nur noch Ausschalten.

Fazit

Das Design spaltet sicher und ist gewöhnungsbedürftig. Abgesehen davon ist der Honda Civic Tourer sicher ein gutes Auto voller guter Ideen. Los geht’s bei 16 990 Euro für den 1,4 i-VTEC S. Unser Testmodell startete bei 25 390 Euro.

Katrin Basaran

Der Honda Civic Tourer

Honda Civic Tourer 1.6 i.DTEC Sport

Leistung 120 PS
Hubraum 1 597 ccm
Max. Drehmoment

300 Nm bei 2000 U/min

Höchstgeschwindigkeit 207 km/h
0 auf 100 km/h in 10,5 sek
Verbrauch kombiniert 3,7 l/100 km
CO2-Emission 98 g/km
Kofferraumvolumen 477 – 1378 Liter
Leergewicht 1 378 kg
Preis ab 25 390 Euro
Katrin Basaran

Katrin Basaran

E-Mail:Katrin.Basaran@tz.de

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