Tolles Fahrwerk, müder Motor

Dem Honda Jazz fehlt der Swing

Honda Jazz: Der Kleine von Honda ist gewachsen, passt aber in jede Parklücke: Er misst 3,99 Meter (plus 95 mm) mal 1,69 Meter und ist 1,55 Meter hoch.
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Der Kleine von Honda ist gewachsen, passt aber in jede Parklücke: Er misst 3,99 Meter (plus 95 mm) mal 1,69 Meter und ist 1,55 Meter hoch.

Der Jazz – das ist Hondas wichtigste Ausdrucksform. Jedenfalls, wenn es ums Automobil geht. Der Kleinwagen, Konkurrent von zum Beispiel VW Polo, Renault Clio oder Toyota Prius, hat sich weltweit...

...seit der Einführung 2001 über 5,5 Millionen Mal verkauft. Die inzwischen dritte Generation des Erfolgsjapaners steht also ganz schön unter Druck. Wir durften uns bei der Präsentation einen ersten Fahreindruck verschaffen.

Der neue Honda Jazz ist sportlich

Schon vor dem ersten Anlassen – natürlich per Knopfdruck – fällt der sportlichere Auftritt auf. Front wie Heck werden zu den Seiten von breitschultrigen Stoßfängern samt Lufteinlassöffnungen abgegrenzt, vorne steckt in deren äußeren Ecken ein je vertikal angeordnetes Tagfahrlicht. Und groß geworden ist der Kleine! Er misst mittlerweile 3,99 Meter (plus 95 mm) mal 1,69 Meter und ist 1,55 Meter hoch. Damit passt man zwar nicht mehr in jede Parklücke, aber dank des um 30 mm gewachsenen Radstands geht es im Nachfolger des schon als Raumwunder bezeichneten Vorgängers vorne wie hinten geräumig zu. Selbst größer dimensionierte Beine dürften im Fußraum des Fonds komplikationslos verstaut werden können. Die zweite Reihe bietet ohnehin einen der Höhepunkte: die Magic Seats. Ja, die 60:40 umbaubaren Sitze heißen wirklich so und können, ähnlich wie in einem Van, komplett auf- und umgeklappt werden. Dadurch erweitert sich der ebene Fußraum derart, dass man dort einen mittelgroßen Blumentopf unterbrächte. Oder in anderer Variante gar ein Fahrrad (diagonal) in den dann 1314 Liter (sonst: üppige 354 Liter) großen Kofferraum reinpassen würde.

Die Rückbank im Honda Jazz ist magisch

Autor Michael Brommer gefällt die sportliche Optik des gewachsenen Japaners.

Aber genug der Äußerlichkeiten, fahren wir los. Das nur kurze Wege einfordernde Sechs-Gang-Getriebe bedient einen in aller Regel arg zahmen 1,3 Liter Benziner mit 102 PS – die allerdings erst bei 6 000 U/min komplett von der Leine gelassen werden. Tatsächlich klingt der Jazz ab 5000 Umdrehungen heiser wie Louis Armstrong, nur kreischt er mehr, was durchaus passt zum dann endlich etwas giftigeren Antritt. Unterhalb dieser Schwelle gibt sich der Honda dagegen träge, was sich in der Automatikversion noch verstärkt. Ein Jammer, denn dadurch bleiben die agile Lenkung und das sportlich-straffe Fahrwerk, dem der Wagen eine tolle Stabilität und Kurventoleranz verdankt, weitgehend ohne Betätigungsfeld. Immerhin kann man die prima zupackenden Bremsen immer gebrauchen. Und interessant ist die optionale Verkehrszeichenerkennung, die auf Wunsch dafür sorgt, dass man nie schneller fährt als erlaubt: Gibt man zu viel Gas, reagiert der Motor bis zum Erreichen des Tempolimits, darüber hinaus nur, wenn man Vollgas gibt.

So fährt sich der Honda Jazz

Ach, Vollgas … Dabei ist die geringe Dynamik nicht das einzige Motorärgernis. Dass ein so müder Antrieb selbst mit Start-/Stopp-Automatik nicht weniger als fünf Liter im Laborstandard (Automatik: knapp darunter) verbraucht, ist schon kein Ruhmesblatt.

Im Inneren punktet der kleine Honda Jazz vor allem mit seinem ungewöhnlich großen Raumangebot.

Nachgerade unverständlich ist aber, wieso Honda für den Jazz allein diesen einen Euro-6-Motor zum Verkaufsstart im September anbietet. Keinen Diesel, keinen Hybrid. Auch keinen anderen Benziner. So überzeugend scheint das Volumenmodell nun auch nicht, trotz netter Extras wie der Rückfahrkamera oder einem City-Notbremssystem (Serie), dass man ihn unbedingt nehmen müsste. Erst recht nicht zu diesem Preis. Denn für die Einsteigervariante Trend stehen 15.900 Euro auf dem Schild, für die Topausstattung Elegance sind es 18.450 Euro (Automatik: jeweils 1300 Euro mehr). Klar, Japaner sind schon lange keine Billigheimer mehr. Doch für dieses Geld fehlt es dem Jazz eindeutig an Swing.

Michael Brommer

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