Exklusives Lasttier

Der Jaguar XF Sportbrake steckt (fast) alles weg

Jaguar-XF-Sportbrake
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Die Katze beschleunigt in knapp neun Sekunden von null auf 100 km/h.

Lang und geduckt, bullig und doch elegant, mondän, aber auch etwas wuchtig – so steht der XF Sportbrake auf dem Parkplatz...

...als ich mit meinen Kindern (die beiden sind inzwischen erfahrene Autotest-Beifahrer) auf die Straße trete. „Wow, guck mal Marlene, heute fahren wir einen Puma!“, jubelt Oskar beim Blick auf den imposanten Kühlergrill mit dem klassischen Raubtierlogo. Oh je, glatt durchgefallen, muss sich da jeder Marketingmensch denken. Kinder, Kinder, das ist doch ein Jaguar!

An der Marktdurchdringung müssen die Briten also noch arbeiten. Während BMW & Co. auch von meiner Vierjährigen locker erkannt werden, schaut das beim Puma, pardon Jaguar, anders aus. Wobei das natürlich zu kurz gedacht ist, denn Exklusivität ist ja auch ein Verkaufsargument, vor allem, wenn es sich um ein richtig gutes Auto handelt wie den XF Sportbrake, also die Kombivariante.

Blickfang: Den Jaguar XF Sportbrake (mit Autor Klaus Heydenreich) sieht man nicht so oft.

Als Jäger fühlt sich diese mit 275 PS motorisierte Raubkatze wohl, das Beuteschema ist klar: der 5er-BMW, also ein kapitaler Platzhirsch. In Sachen Verkaufszahlen wird der Jaguar auf seinen leisen Pfoten sicher nicht am 5er vorbeiziehen, aber das ist auch nicht das Thema – Stichwort Exklusivität. Wer das nötige Kleingeld zur Verfügung hat (der Testwagen kostet 63.150 Euro), der bekommt stattdessen ein extravaganteres Auto, das nur minimale Schwächen hat. Eine davon ist der Touchscreen, mit dem die Navigationsführung, Radio etc. gesteuert werden. All diese Komponenten sind funktionell einwandfrei – aber intuitive Bedienung schaut anders aus. Doch so ein aufmerksamkeitshaschender Bildschirm hat für einige Tester natürlich auch seine guten Seiten. „Papa, schreib rein in deinen Test, dass man beim Einparken sieht, wohin man lenken muss“, fordert Oskar. Was er meint, ist klar: die Rückfahrkamera, die bei vielen Mittelklassewagen ja schon guter Standard, bei einem fünf Meter langen und nur mit einem kleinem Heckfenster versehenen Jaguar aber auch Pflicht ist.

Durchdacht: Die Ladekante mit flexiblem Kratzschutz.

So kann auch der ungeübteste Fahrer sein bis unter die Decke vollgepacktes Auto gefahrenfrei einparken. Bis zu 1675 Liter fasst der Stauraum – wer also kistenweise Champagner (ein Zielgruppenklischee muss erlaubt sein in diesem Text) transportiert, kann davon ausgehen, die wertvolle Fracht auch unversehrt ans Ziel zu bringen. Klasse Platzangebot – aber nicht für alle Kunden. Denn wer ganz klischeebefreit einfach mal (ohne Schampus) zum Skifahren will, der sollte sich trotz riesigen Packvolumens einen Dachgepäckträger zulegen: Selbst zwei Personen plus Ski sind nicht drin bei dieser Durchreiche. Die reicht bestenfalls für die Skistöcke …

Auf dem Weg ins Skigebiet aber fehlt dann rein gar nichts! Der Diesel-V6-Biturbo ist der reine Genuss, die Achtstufenautomatik sorgt für puren Fahrkomfort. Souverän und cool zieht der Jaguar seine Bahnen, auch bei wirklich sehr flotter Fahrt kamen wir auf einen kombinierten Stadt-Land-Autobahn-Verbrauch von unter sieben Litern. Das ist beachtlich bei so viel Power, die mittels Hinterradantrieb auf die Straße gebracht wird, ohne dass die Passagiere von der Entfaltung der 600 Nm im Reisekomfort gestört würden. Stattdessen können sie sich am edlen Interieur erfreuen, schön genähten Lederbezügen und edler Ausstattung. Jaguar eben – Exklusivität ist da nicht nur ein hohles Marketingwort sondern Programm.

Und da liegt eben auch die Abgrenzung zur Konkurrenz: Der Jaguar XF Sportbrake ist ein elitärer Wagen, ein Hingucker: Wer aus so einer Nobelkarosse aussteigt, der wird beäugt. Muss ja nicht jeder wissen, dass man für den Jaguar auch nicht viel mehr hinlegen muss als für einen vergleichbaren Münchner Kombi …

Klaus Heydenreich

Jaguar XF Sportbrake 2.2 (8-Gang-Automatikgetriebe)

  • Leistung: 200 PS
  • Höchstgeschw.: 214 km/h
  • 0 auf 100 km/h: 8,8 sek.
  • Hubraum: 2179 ccm
  • Max. Drehmoment: 450 Nm bei 2 000 U/min
  • Test-Verbrauch: 6,8 l/100km
  • Leergewicht: 1824 kg
  • Kofferraumvolumen: 550–1675 l
  • Basispreis: 48.550 Euro
  • Testwagen: 63.150 Euro
Klaus Heydenreich

Klaus Heydenreich

E-Mail:Klaus.Heydenreich@tz.de

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