Fahrbericht

Mazda MX-5 Roadster: Glücksgefühle

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Mazda MX-5.

Die letzte Begegnung liegt schon ein paar Jahre zurück, aber die Erinnerung trügt nicht: Der Mazda MX-5 bietet auch mit dem kleineren Motor puren Fahrspaß.

Vermuteten wir nach den ersten paar hundert Metern zunächst den 2,0-Liter-Antrieb mit 160 PS unter der langen Haube, war es tatsächlich das 34 PS schwächere 1,8-Liter-Aggregat. 126 PS in einem Sportwagen?

Das klingt wenig sexy in Zeiten, in denen selbst mancher Kleinwagen schon 100 PS mitbringt, kann aber im meistverkauften Roadster der Welt überzeugen. Seit einem Vierteljahrhundert und drei Modellgenerationen erinnert der japanische Zweisitzer nun schon daran, das Fahrspaß nichts mit PS-Protzerei zu tun haben muss und an den Untergang der einst ruhmreichen britische Tradition bezahlbarer Roadster.

25 Jahre Mazda MX-5

Die Legende besagt, der erste Entwurf sei auf einer Kreidetafel entstanden und Mazda selbst von nur sehr geringen Stückzahlen ausgegangen sei. In der dritten Generation nähert sich der Mazda MX-5 mittlerweile der Millionen-Grenze. Den Eintrag im Guiness Buch der Rekorde als meistverkaufter offener Zweisitzer der Welt hält er schon seit 14 Jahren.

Gokart-Feeling im Mazda MX-5

Genau so soll es sein: Tief sitzt der Fahrer, nah an der Straße und blickt über die lange Motorhaube. Schon beim Einlegen des Rückwärtsgangs wird deutlich, lange Wege sind der Schaltung zuwider. Die kurze Gassenführung sorgt in Verbindung mit der unmittelbar ansprechenden Lenkung und dem straffen Fahrwerk für Gokart-Feeling pur. Der kurze und tief liegende Schalthebel zieht die rechte Hand förmlich an. Das Gas spricht spontan an und der 1,6-Liter-Motor entfaltet seine Kraft homogen. Der Auspuff untermalt dies mit einem nicht penetranten, aber ausreichend sportlichem Röhren, das oberhalb von 2500 Umdrehungen in der Minute noch ein Stück kerniger klingt. Doch da darf getrost schon wieder geschaltet werden.

Dieses Auto bringt einfach Spaß. Der 4,02 Meter kurze MX-5 ist ein echter Kurvenräuber. Bei scharfen Richtungswechseln wird der Fahrer immer wieder dazu verleitet, das ESP herauszufordern – so knackig zirkelt der kleine Hecktriebler ums Eck. Klar, mit der größeren und stärkeren Maschine ist der Sprint von null auf 100 km/h theoretisch fast zweieinhalb Sekunden eher erledigt, aber im realen Leben sind 9,9 Sekunden immer noch ausreichend – auch wenn einem ab 5500 Touren der wackere Motor dann doch schon fast ein wenig leid tut. Der Testverbrauch geht mit knapp 8,5 Litern in Ordnung.

Tacho und Drehzahlmesser sind groß und rund, dazwischen liegt in einem kleineren Kreis der Öldruckmesser, links und rechts finden sich als Drei-Viertel-Kreis die Tank- und die Temperaturanzeige. Unten bleibt noch Platz für ein kleines, unaufdringlichen Bordcomputer-Display.

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Eng geht es zu im Zweisitzer. Das Lenkrad steht fast senkrecht und die Höhenverstellung ist überflüssig, denn wer es nach unten zieht, hat es gleich auf den Knien. Nebenan muss der Beifahrer damit leben, seine Beine nicht austrecken zu können. Auf seine Seite der Mittelkonsole wanderte auch die Handbremse, damit der Fahrer beim Gangwechsel nicht behindert wird. Auf eine Armauflage kann verzichtet werden, denn der Getriebetunnel selbst ist eine. In den Tür-Innenseiten bleibt da nur Platz für ein kleines Netz als Ablage. Der Getränkehalter wurde kurzerhand in die seitliche Armlehne integriert, zwei weitere Cupholder finden sich in der Mittelkonsole. Hinten zwischen den Sitzen gibt es noch ein zweites abschließbares Handschuhfach, in dem sich übrigens auch die Entriegelung für den Tankdeckel verbirgt. Der Kofferraum ist nicht üppig, reicht für den Wochenendausflug zu zweit aber allemal.

Bei geschlossenen Scheiben und aufgeklapptem, fest montierten Windschott bekommt man kaum Wind ab, der allenfalls etwas über die Haare streicht. Der MX-5, der unter dem Namenszusatz Roadster Coupé auch mit Stahlklappdach lieferbar ist, hat als Roadster ein klassisches Stoffverdeck. Ebenso klassisch ist dessen Bedienung: Statt Elektrohilfe ist Handarbeit angesagt. Das ist kein Nachteil, denn schneller geht’s wirklich nicht. Am oberen Windschutzscheibenrahmen müssen lediglich zwei kräftige Metallklammern gelöst werden und schon lässt sich mit etwas Schwung das Verdeck mühelos nach hinten in das dafür vorgesehene Fach werfen. Nur das Verriegeln beim Schließen des Faltdaches fühlt sich immer ein wenig brutal an, da der Haken, der das Gestell eng an den Fensterrahmen zieht, sehr unter Spannung steht (stehen muss). In geschlossenem Zustand bleibt hinter den Sitzen an Stelle des zusammengefalteten Verdecks eine kleine Hutablage.

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Fazit

Man mag in diesem Auto Lenkrad und Schalthebel kaum mehr loslassen. Der MX-5 setzt schlicht Glückshormone frei – und ist gleichzeitig ein ungemein sympathisches Statement gegen den PS-Wahn unserer Zeit.

ampnet/jri

Mazda MX-5

  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,02 x 1,72 x 1,26
  • Radstand (m): 2,33
  • Motor: R4-Benziner, 1798 ccm
  • Leistung: 93 kW / 126 PS bei 6500 U/min Max.
  • Drehmoment: 167 Nm bei 4500 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 194 km/h
  • Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,9 Sek.
  • ECE-Durchschnittsverbrauch: 7,1 Liter
  • Effizienzklasse: F
  • CO2-Emissionen: 167 g/km (Euro 5)
  • Leergewicht / Zuladung: 1075 / 300 kg
  • Kofferraumvolumen: 150 Liter
  • Wendekreis: 10,0 m
  • Reifen: 205/45 R 17
  • Luftwiderstandsbeiwert: 0,38
  • Basispreis: 22.990 Euro

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