Am Ende verliebt

Mercedes E-Klasse: Vorsicht vor Vorurteilen!

Mercedes E-Klasse
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Mercedes E-Klasse: Elegant und trotzdem wuchtig: Die E-Klasse hat Charakter.

Die E-Klasse – oder wie man sich in Vorurteile verlieben kann. Da steht es also: Das vermeintliche Opa-Auto! Am Ende verliebt man sich noch in sie – ein Fahrtest und seine Folgen.

Die Mercedes E-Klasse ist zwar erst frisch überarbeitet, aber doch das konservativste Modell im Stall der Stuttgarter. Gefühlt gab es hier mal gehäkelte Toilettenrollen und Wackeldackel auf der Hutablage. Mindestens!

Klack! Die Tür des E 250 Blue Tec (der Basispreis des Sechsgang-Handschalters liegt bei immerhin 47.153 Euro) fällt charakteristisch ins Schloss – satt und schwer. Angenehm ruhig, so wie in einem Tonstudio, sitzt man im Fond. Opa hat es gerne leise, ich auch! Erster Punkt für die E-Klasse. Und los geht es, erst in den Großstadtverkehr, dann auf die Autobahn. Mal sehen, was der kleine Vierzylinder-Diesel mit knapp über zwei Litern Hubraum und 204 PS so alles drauf hat.

Aber zunächst einmal gleiten wir durch die Stadt. Zweiter Pluspunkt: die wirklich geniale Luftfederung Airmatic von Mercedes. Auch wenn sie 2023 Euro Aufpreis kostet, diesen Luxus sollte man sich gönnen. Denn sie bügelt fast alles auf der Straße platt, was die Bandscheibe irritieren könnte. Dabei agiert sie kein bisschen schwammig oder flauschig, sondern lässt einen auf angenehme Weise noch den Asphalt spüren. Unaufgeregt fluten wir durch die verstopften Ringstraßen, unaufgeregt ist auch das Cockpit, gediegen, aber elegant. Opa mag es. Ich auch.

Übersichtlich mit viel hellem Zierrat und Chrom: Das Cockpit der E-Klasse strahlt Ruhe und Nüchternheit aus.

Dann die Heerschar von Assistenten. Distronic auf der Autobahn einschalten, 100 Stundenkilometer, der Abstand zum Vordermann reguliert sich von alleine, der Spurhalteassistent greift sicher aber gesittet zu, die Automatik lässt sich beim sanften Druck aufs Gaspedal beim Hochbeschleunigen ein wenig Zeit. Aber es pressiert ja nicht. Das ist mehr Wellness on wheels, als Rollator mit Stern. Das Aggregat kann aber auch erstaunlich giftig, wenn man es drauf anlegt.

Auf der freien und dreispurigen Testroute von Augsburg nach München tigert der 250er zwar im Sound leicht hechelnd, aber in der Durchzugskraft durchaus anständig fast immer die Überholspur entlang. Immerhin braucht das Aggregat nur 7,5 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer.

Und jetzt die Überraschung: Anständig Gas geben heißt hier nicht anständig saufen. Selbst bei Volllast klettert der Verbrauch kaum über neun Liter. Und so haben wir im gesamten Testzyklus phänomenale 5,5 Liter (Werksangabe: 4,6 Liter kombiniert) zu verzeichnen, und das bei einem echten Drittelmix aus Stadt, Land, Autobahn. Opa wird’s mögen. Ich auch.

Fazit Mercedes E-Klasse

Obwohl in Vorurteil-Vollausstattung angetreten, hat dieser Mercedes den Tester überzeugt. Wer ein in seiner Solidität schon fast elegantes Auto haben will, das als geräumige Limousine Reisekomfort, einen quicklebendigen Motor mit ausgeprägtem Hang zum Spritsparen und Fahrspaß bietet, der will gar nichts anderes mehr haben als die E-Klasse. Opa hat halt Ahnung von Autos. Ich jetzt auch.

RDF

 

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