Autonomes Fahren

Das Auto denkt, das Auto lenkt

Mercedes S600
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Das Auto fährt, der Mensch kontrolliert nur noch. Mercedes übt autonomes Fahren auf echten Strecken.

Sie meinen, folgende drei Verkehrssituationen seien ganz gewöhnlich? Sie meinen, dass das alles eigentlich so normal ist, dass es ein Wunder ist, warum wir hier einen so großen Artikel darüber schreiben?

Dann lesen Sie getrost weiter, denn in der Gewöhnlichkeit liegt hier das Ungewöhnliche.

  • Eine langgezogene Autobahneinfahrt. Wir wollen gerade auf die Schnellstraße, da zieht einer von der Überholspur auf die rechte Spur, direkt auf Kollisionskurs. Doch der Hintermann wird rechtzeitig erkannt, das Auto bremst ab, das andere Fahrzeug kann passieren, dann zügig Gas und ab auf die Autobahn.
  • Rechtsabbiegen an einer Kreuzung. Ein Fußgänger überquert den Zebrastreifen, lässt das vor uns ebenfalls rechts abbiegende Fahrzeug vorbei, läuft dann aber plötzlich weiter, uns will er nicht den Vortritt lassen. Das Auto bremst ordnungsgemäß, lässt den Passanten passieren und biegt danach zügig ab.
  • Noch einmal beim Rechtsabbiegen: Eine Fußgängerin geht langsam über den Zebrastreifen, sie ist noch weit weg, wir fahren trotzdem schnell über den Zebrastreifen, noch bevor die Frau uns erreicht. Alles legal und sicher, aber vielleicht ein bisschen knapp. Als Fußgänger hätte ich geschimpft.

„Da wäre ich nicht mehr gefahren“, entfährt es dem Kollegen auf dem Rücksitz. Ich auch nicht. Aber wir waren ja auch nicht am Steuer. Und auch die beiden Herrschaften auf den Vordersitzen lenken nicht. Wir sind unterwegs in einem echten Prototypen. Diese Mercedes S-Klasse kann selbstständig fahren, sehen, reagieren, fast wie ein Mensch.

Stichwort autonomes Fahren

Hier bei Mercedes ist man nicht mehr Lichtjahre davon entfernt, ein selbstständig reagierendes Fahrzeug auf den Markt zu bringen. Hier sind es vielleicht nur noch wenige Jahre, bis der Traum Wirklichkeit wird. Autofahren dann, wenn es Spaß macht! Wenn man Lust hat, die Kraft des Motors zu spüren, den Grip auf dem Asphalt zu fühlen. Und sich einfach zurücklehnen im nervenden Stop-and-go-Verkehr morgens auf dem Weg zur Arbeit, die Zeitung lesen. Sich vielleicht umdrehen mitsamt Sessel, vis-à-vis mit seinem Gegenüber plauschen oder schon mal die E-Mails am großen Bildschirm im Fond checken, selbstverständlich mit Gesten gesteuert.

Solche Visionen gibt es vorerst nur virtuell auf die Spezialbrille projiziert. Die Fahrt hingegen ist echt. Und bis auf die Tatsache, dass Details für den Bordcomputer noch einmal nachkartografiert wurden – da ist jede Ampel, jeder Zebrastreifen, jedes Verkehrszeichen haargenau erfasst – herrschen Bedingungen wie im richtigen Leben.

Um das Auto herum sind echte Verkehrsteilnehmer, echte Menschen, die mitunter nicht so reagieren, wie man es erwarten darf, ein Verkehrsstrom mit all den Unwägbarkeiten, die menschliche Schwächen und Fehler so mit sich bringen.

Jetzt könnte man erwarten, dass die S-Klasse mit dem Titel Intelligent Drive ein mit bis unter den Dachhimmel vollgestopftes, reines Forschungsfahrzeug ist, nein es ist ein handelsübliches Serienmodell, aufgemotzt mit dem ein oder anderen Zusatzradar oder der ein oder anderen Kamera. Und natürlich ausgestattet mit der entsprechenden Rechnerkapazität.

In Kalifornien mit Autopilot unterwegs

Die Autobranche arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge. Doch als einer der ersten Autohersteller überhaupt hat Mercedes die Genehmigung, auf Kaliforniens Straßen zu üben. Zusätzliche Bildschirme und ein dicker roter Ausschaltknopf für den Notfall im Zentrum des Cockpits sind die einzigen Details, die den Unterschied zur normalen S-Klasse ausmachen.

Auf amerikanischen Straßen sind die Stuttgarter deshalb unterwegs, um den autonomen Horizont der intelligenten S-Klasse auszuweiten. Dass dieses Fahrzeug die deutschen Straßen beherrscht, hat es mit einer komplett autonomen Fahrt anno 2013 auf der rund 100 Kilometer langen Bertha-Benz-Gedächtnisroute von Mannheim nach Pforzheim gezeigt. In den USA kommen nun kompliziertere Verkehrsbedingungen wie achtspurige Highways, Ampeln auf der gegenüberliegenden Straßenseite oder die Regelung an Kreuzungen, wo die Vorfahrt nach Reihenfolge der Ankunft geregelt wird.

Allein Letzteres erfordert von manchem deutschen USA-Touristen schon erhebliches Nachdenken, um keinen Unfall zu provozieren. Aber dass das ein Auto selbstständig hinkriegt? Die Tür zur Zukunft ist damit schon mehr als einen Spalt offen. Was jetzt noch fehlt, sind gesetzliche Regelungen (vor allem der Haftung wegen), dann steht der automobilen Zukunft nichts mehr im Weg. Das Auto denkt, das Auto lenkt. Und der Mensch? Der kontrolliert.

RDF

Rundum-Blick

Mercedes Forschungsfahrzeug S 500 Intelligent Drive.

Als technische Basis des Forschungsfahrzeugs S 500 Intelligent Drive dient die Serientechnologie der neuen S-Klasse, ergänzt durch eine seriennahe Sensorik. Zwei weitere Fernbereichsradare können im Kreuzungsbereich von links oder rechts kommende Fahrzeuge erkennen. Ihr Blick ist auch nach hinten gerichtet, um den nachfolgenden Verkehr im Auge zu behalten. Vier weitere Nahbereichsradare scannen zudem die direkte Umgebung, Neben der Stereokamera hinterm Rückspiegel gibt es eine Heckkamera und eine weitere vorne speziell zur Ampelerkennung.

Mercedes Autonomes Fahren im Lkw der Zukunft: Futur Truck 2025

Highway Pilot von Mercedes 

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