Gemischte Gefühle

Der Mitsubishi Space Star im Alltagstest

Mitsubishi Space Star
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Grasgrüner City-Floh: Autorin Dorita Plange empfiehlt den Space Star vor allem für die Stadt. Das „GG“ im Kennzeichen steht übrigens für Groß-Gerau bei Rüsselsheim. Dort hat Misubishi Deutschland seine Firmenzentrale.

Jetzt kenne ich endlich die tiefere Bedeutung meines Kennzeichens GG: Gras-Grün! Mit Bemerkungen über die Farbe muss man leben, wenn man in einem Knallfrosch...

...(auch respektlos als Rasenmäher, Heuschrecke und Gießkanne tituliert) vorfährt. Rein äußerlich gefällt er mir trotzdem gut, der kreisch-grüne, freche Mitsubishi Space Star. Hier steht er in der Version Shine+ mit seinem Dachspoiler, den rundum getönten Scheiben und dem unschuldigen Babyface, von dem man sich nicht täuschen lassen sollte.

Ganz schön frech: Mitsubishi Space Star

Die Innenbetrachtung fällt ein wenig nüchterner aus. Erster Eindruck: viel Hartplastik. Über die Sitzbezüge – ebenfalls kreischgrün und schwarz gestreift – kann man streiten. Über den Sitzkomfort nicht: Schmale Flächen ohne jeden Seitenhalt. Das Material fühlt sich an wie ein schlecht sitzender Nylonstrumpf. Ab Konfektionsgröße 38 bohrt sich der Gurthalter boshaft in den Oberschenkel. Die Suche nach dem USB-Anschluss fürs iPhone im winzigen Handschuhfach setzt artistische Verrenkungen voraus und gewährt freien Blick in die unverkleidete Wagenelektronik dahinter.

Komfort? Eher nicht: Im Inneren dominieren Enge und Plastik.

Doch der wendige Stadt-Knaller hält auch eine Reihe Überraschungen bereit. Zum Beispiel den Dreizylinder-Benzinmotor- Sound (80 PS), den man schon hört, bevor man ihn sieht, und der Passanten beim zügigen Anfahren überrascht aufblicken lässt. Parken macht bei einer Länge von 3,71 Metern richtig Spaß. Fettes Minus: keine Parksensoren, nur per Nachrüstung!

Beim Ausflug auf die Autobahn geht dem kleinen Japaner bald die Luft aus. In 11,7 Sekunden von null auf 100 km/h ist stark und verleiht Sicherheit beim Überholen. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 180 angegeben. Ab Tempo 150 allerdings verlässt mich der Mut und das Auto die Kraft. Der Stadtzwerg schwimmt, vibriert und röhrt. Meine innere Stimme warnt: Es reicht. Lange Reisen speziell für erwachsene Mitfahrer auf den Rücksitzen sind eher nicht seine Stärke.

Mitsubishi Space Star ist ein Sparhörnchen

Dafür überzeugt der City-Floh mit seinem Verbrauch von durchschnittlichen 4,5 Litern – ein echtes Sparhörnchen. Spitze in der kleinen Klasse ist auch sein Navigationssystem auf SD-Karten-Basis mit großem Bildschirm, hübscher Grafik und präziser Routenführung inklusive Multi-Entertainment-System für Musik und Telefon. Alles mühelos und übersichtlich steuerbar per Touchscreen. Die Farbe erinnert entfernt an eine ausgebleichte Aldi-Tüte und die Navi-Stimme leidet auf der Suche nach dem Satelliten und Neuberechnungen an Logorrhö. Also Ton aus – so geht’s am besten.

Der Dachspoiler verleiht dem Kleinen mehr Pfiff.

Mit elektrisch verstellbaren Seitenspiegeln, Türverriegelung, Fensterhebern vorn und hinten, übersichtlicher Anordnung des Cockpits, vielen Ablagen, vier (!) Flaschenhaltern und einer Steckdose bietet der Kleine viel Komfort. Regensensor, die automatischen Einschaltung des Warnblinklichts bei einer Notbremsung und die gute Ausleuchtung der Fahrbahnränder in der Nacht vermitteln Sicherheit. Seltsam: Die Sonnenblende ist so gefährlich lang, dass sie beim Herunterklappen wie ein Rollo die halbe Frontscheibe verdeckt, wenn man sie nicht weit genug vorschiebt.

Der Kofferraum (235 Liter Volumen) besteht aus einem Spalt zwischen Rücksitzen und Heckklappe, ist aber so tief, dass der alltägliche Einkauf dort Platz findet. Für Kästen, Koffer oder Sportgerät lässt sich die Rückbank im Verhältnis 60:40 nach vorn und die Rückenlehne des Beifahrersitzes nach hinten klappen – das ergibt dann eine geräumige Ebene von bis zu 912 Litern Stauraum.

Fazit

Ein flotter Stadtflitzer für Singles oder ein Zweitwagen für kurze Wege. Ein Schnäppchen ist er mit 8990 Euro allenfalls in der einfachsten Ausstattung. Die optionalen Angebote schlagen ganz schön zu. Ein bisschen mehr Space als Star – aber witzig und praktisch allemal.

Dorita Plange

Mitsubishi Space Star TOP 1,2 MIVEC ClearTec 5-Gang

  • Leistung: 80 PS
  • Höchstgeschw.: 180 km/h
  • 0 auf 100 km/h: 11,7 Sek.
  • Hubraum: 1193 ccm
  • max. Drehmoment: 106 Nm bei 6000 U/min
  • Verbrauch Drittelmix: 4,1 l/100 km (Hersteller); 4,5 l/100 km (Test)
  • Kofferraumvolumen: 235–912 l
  • Basispreis: ab 8.990 Euro
Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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