Schöner Schein

BMW R nineT: Überraschende Erfahrungen

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Offen, im Design retro-orientiert, reduziert in der Ausstattung – aber insgesamt weit mehr als einfach nur eine Augenweide: Die R nineT überrascht.

München - Schick schaut sie ja aus, die R nineT von BMW - aber ist sie auch alltagstauglich? Das coole, nicht gerade preisgünstige Gerät, das zum 90. Jubiläum des weiß-blauen Motorradbaus erschien, im Test.

Als BMW im vergangenen Herbst die R nineT präsentierte, stand die Frage im Raum, ob diese nicht bloß ein gut aussehendes Showbike sei, gebaut für die Sorte Motorradfahrer, die damit maximal den Weg zur nächsten Eisdiele oder zum Straßencafé an der Münchner Leopoldstraße zurücklegen wollen.

Der stolze Preis von 14.500 Euro scheint dies zu bestätigen, ebenso die Eindrücke bei der ersten Sitzprobe: breiter Lenker und tiefe Sitzposition – das schaut schon recht cool aus, und jeder Poser fühlt sich da gleich wie ein echter Biker. Dass nach dem Druck auf den Startknopf der erste Gang nur mühsam eingelegt werden kann, darf als weiteres Argument dafür gelten, dass dem Aussehen mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurde als der Alltagstauglichkeit. Und der bollernde Sound, der schon im Leerlauf den beiden Auspufftüten entweicht? Klingt gut, überzeugt aber noch nicht.

Doch dann geht es ganz schnell. Schon nach wenigen Kilometern hat die R nineT den Skeptiker im Sattel davon überzeugt, dass sie auch fahren kann. Und wie! Der Boxer mit 110 PS (81 kW) geht druckvoll ans Werk. Die auf 222 Kilogramm abgespeckte BMW zieht mit Macht unten raus und flitzt um die Kurven, dass einem fast der Atem wegbleibt, bleibt stabil auf dem gewählten Kurs und hängt sauber am Gas. Das Ding geht richtig ab und macht deutlich mehr Spaß, als man anfangs vermutete.

Ein Motorrad wie die R nineT polarisiert. Und so werden Fans dieses Bikes alles, was man kritisieren könnte, natürlich als ausgeprägten Charakter bezeichnen. In der Tat sind die vibrierenden Spiegel, der in kaltem Zustand nur schwer schaltbare erste Gang, die sehr straffe Federung, der kaum gepolsterte Sitz und der üppige Verbrauch von 5,7 Litern auf 100 Kilometer letztlich alles Dinge, an die man sich gut gewöhnen kann, wenn man dieses Motorrad liebt. Der Sympathie sind jedoch auch Grenzen gesetzt: Bei Regen sollte man das Bike aber besser stehen lassen, denn hinterher sind Mensch und Maschine nämlich komplett eingesaut.

Tester Volker Pfau mit der BMW R nineT

Die Jubiläums-BMW verfügt über keine Extras und nichts Überflüssiges – allenfalls das Multifunktionsdisplay könnte man weglassen und statt dessen eine Tankuhr montieren. Die R nineT hat offenbar den Nerv vieler Biker getroffen, denn sie erfreut sich trotz des stolzen Preises von 14 500 Euro starker Nachfrage, die in mehrmonatiger Lieferzeit resultiert. Und wer eine R nineT hat, wird mit ihr vor allem fahren und den Platz an der Eisdiele großzügig denjenigen überlassen, die dicke Hinterreifen haben.

BMW R nineT: Roadster im Retro-Stil

Volker Pfau

Volker Pfau

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