Hyosung GV 650i PRO Aquila

Sportcruiser aus Fernost

Hyosung GV 650i PRO Aquila
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Extrem günstig: Der Cruiser aus Korea wird für knapp 6700 verkauft.

Es gleicht einem Ritterschlag, wenn ein Harley-Fahrer fragt, was denn das für ein Bike sei. So passiert bei unseren Testfahrten mit der Hyosung GV 650i PRO Aquila

..die mit diesem umständlichen Namen nicht nur optisch schon ganz gut mit den Milwaukee-Twins mithalten kann, deren Bezeichnungen ebenfalls fast schon ein mehrjähriges Studium der Motorrad-Typologie erfordern, bevor man weiß, was da vor einem steht.

In unserem Fall ist es ein Sportcruiser, der in Korea gebaut wird und hierzulande für den extrem günstigen Preis von 6690 Euro verkauft wird. Dafür gibt es ein aufsehenerregendes Zweirad mit einem für diese Bauart typischen Zweizylinder-V-Motor mit 647 Kubikzentimetern und einer Leistung von 74 PS (55 kW), der die 239 Kilogramm schwere Koreanerin auf stolze 195 km/h beschleunigen soll. Das ist die sportliche Hälfte der Typenbezeichnung.

Der gemütliche Teil beginnt, sobald man Platz genommen hat. Die Geometrie stimmt, alles ist am gewohnten Platz, und nach dem Start lässt sich sogar der erste Gang mit einem satten Klong einlegen. Der Sound, der aus dem ewig langen Auspuffrohr entweicht, ist erfreulich kernig, die ersten Meter eiert man anfangs jedoch wegen des üppigen Radstandes von 1,67 Metern noch etwas rum, dann aber zieht man bald sicher von dannen.

Am entspannendsten ist die Tour auf gut ausgebauten Straßen mit sanft geschwungenen Kurven. Da entschleunigt man auf der Hyosung ganz schnell und genießt es, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. In engen Kurven muss dagegen ordentlich gearbeitet werden. Die Schräglagenfreiheit ist erfreulich groß, aber im Grenzbereich hat der Hinterradreifen eine geringe Toleranzgrenze und kann das Bike schon mal zum Ausbrechen bringen.

Einmal in Schwung, müssen die fünf Gänge kaum gewechselt werden, der Riemenantrieb macht sich überdies nicht bemerkbar. Dafür sendet die minimalistische Federung deutlich spürbare Informationen über den Zustand der Straßenoberfläche ans Gesäß und an die Wirbelsäule des Fahrers. Und natürlich gehört bei einem Sportcruiser auch der Test auf der Autobahn zum Programm, und der bestätigt die optimistische Höchstgeschwindigkeitsangabe: Auf dem Digitaltacho erscheint problemlos eine 200.

Bei derartigen Brachialritten schnellt der Verbrauch locker auf 6 Liter pro 100 Kilometer, ansonsten genehmigte sich die GV 650i knapp 5 Liter auf 100 Kilometer. Nervig war, dass die Tankanzeige schon nach wenigen Kilometern anfing, eine schnelle Leerung des 16-Liter-Tanks zu signalisieren. Wer nostalgisch angehaucht ist, stört sich nicht daran, dass Zünd- und Lenkradschloss jeweils separat zu bedienen sind. Und am Image kann man ja auch noch arbeiten. Bis dahin heißt es, alle Fragen nach dem Hersteller des Untersatzes lächelnd zu beantworten.

Volker Pfau

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