Die Sympathieträgerin - Horex VR6 Roadster

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Groß, stark, schwer und flott: Horex VR6 Roadster.

Motorradfahrer werden von vierrädrigen Verkehrsteilnehmern eher selten mit ausgiebigen Sympathiebekundungen bedacht. Die Wahrscheinlichkeit, auf einem leistungsstarken Bike...

...als potenzieller Störenfried gesehen zu werden, liegt recht hoch. Die Horex VR6 Roadster würde also gut ins Schema passen: Sie ist groß, stark, schwer und flott. Denkste! Auf unseren Fahrten wurden immer wieder Daumen nach oben gestreckt, bei Ampelstopps gab es von den Autofahrern Komplimente zu Aussehen, zur Marke und zur Leistung, und beim Abstellen war das Motorrad sofort Mittelpunkt einer freundlichen Unterhaltung.

Das etwa zehn Zentimeter große geflügelte H mit Krone, das links und rechts den Tank ziert, mutiert dabei zum Sympathieträger. Ältere Semester erkennen das Emblem der Traditionsmarke, die stellvertretend für den Wiederaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg steht. Jüngere erinnern sich manchmal daran, dass jemand aus der Familie eine Horex fuhr. Und allen gemeinsam ist die Freude darüber, dass die Zweiräder jetzt wieder gebaut werden.

Auf seinen Ausfahrten erntete Autor Volker Pfau viele "Daumen hoch".

Was da in der Manufaktur in Augsburg gefertigt wird, hat allerdings mit den Vorvätern außer dem Namen fast nichts mehr gemein. 161 PS (118 kW) sind jetzt als Maximalleistung des Motors mit 1218 ccm Hubraum angegeben, dessen sechs Zylinder nach dem VR-Prinzip angeordnet sind. Diese Kraft reicht allemal aus, das 270 Kilogramm schwere Motorrad in 3,2 Sekunden auf Tempo 100 zu katapultieren und es wieselflink um Landstraßenkurven wetzen zu lassen. So ein Ritt hat was Urtümliches, denn besonders kultiviert geht das Aggregat dabei nicht zu Werke. Wohlwollend kann man dies als Charakter durchgehen lassen. Dass die VR6 Roadster jedoch im Schnitt 7,8 Liter Super auf 100 Kilometer konsumiert, ist eindeutig ein Manko.

Das Cockpit der VR6, die in Augsburg gefertigt wird.

Der Verbrauch dürfte aber eines der unwesentlichsten Argumente bei der Entscheidung für eine Horex sein, und wegen ihres Preises von 21.700 Euro wird die VR6 Roadster ein exklusives Vergnügen bleiben. An Fahrverhalten, Handlichkeit, Bremsen (ABS ist serienmäßig), Ausstattung und Alltagstauglichkeit gibt es nichts auszusetzen – und trotzdem lässt sich dieses Bike mit gewöhnlichen Maßstäben nicht messen. Dazu steckt zu viel Geschichte drin, dafür wird man zu oft auf den fahrbaren Untersatz angesprochen. Und stets endet es mit viel Sympathie.

Volker Pfau

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