Länger, breiter, flacher

Neues Design für den Hyundai Tucson

Hyundai Tucson
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So werden neue Autos präsentiert: Perfekt ausgeleuchtet, damit die Formen des neuen Tucscon auch „im rechten Licht“ rüberkommen.

Aus Korea kommt nicht nur der berühmte Gangnam Style, sondern sozusagen auch ein neuer Namyang Style: In der gleichnamigen südkoreanischen Stadt sowie in weiteren Design-Centern...

... in Rüsselsheim und Kalifornien lenkt der gebürtige Bayer Peter Schreyer die optischen Geschicke der Schwestermarken Hyundai und Kia. Jüngster Coup: der neue Hyundai Tucson. Das schnittige Kompakt-SUV wird ab der zweiten Hälfte 2015 ein ernstzunehmender Rivale sein für Bestseller VW Tiguan und dessen Verfolger Nissan Qashqai, Ford Kuga oder Toyota RAV4.

Länger, breiter, flacher. Nach dieser Formel ist der neue Tucson dynamischer als sein Vorgänger. Mit jetzt 4,48 Meter legt er im Vergleich um sieben Zentimeter zu, die Breite ist um drei Zentimeter gewachsen, die Höhe aber um zwei gesunken. Neben den veränderten Proportionen wirkt das Design des neuen Tucson vor allem deutlich prägnanter im Vergleich zu 2010 bis 2015, als Hyundais SUV zwischenzeitlich das nüchterne Kürzel ix35 am Kofferraumdeckel trug. Der Vorgänger hinterließ einen zwar gefälligen, aber eher flüchtigen Eindruck. Die Linien des Neuen bleiben sofort im Gedächtnis haften. Besonders: der sechseckige „Hexagonal“-Frontgrill als Hyundais neues Erkennungsmerkmal, eine stark ansteigende schmale Fensterlinie, dynamisch angeschrägte Radausschnitte und schlanke Bumerang-Rückleuchten.

Formen, die sofort gefallen: Der neue Hyundai Tucson mit seinem sechseckigen Frontgrill.

In Peter Schreyers Worten: „Der Tucson wirkt erwachsener, betont aufrecht, sehr dreidimensional.“ Tatsächlich sehr aufrecht steht der steile Sechseck-Grill im Fahrtwind. Umrahmt ist er von länglichen LED-Scheinwerfern. Aufgrund der schnittigen Linienführung sieht man förmlich, wie sich im Windkanal die Rauchschwaden ungehindert um die Karosserie schmiegen. Aufrechtes Steil-Design mit großen Flächen setzt sich im Innenraum fort, was die ungehinderte Platzierung eines großen Navi-Bildschirms im aufgeräumten Armaturenbrett ermöglicht.

Hyundai Tucson mit schlanken Bumerang-Rückleuchten.

Die Weltpremiere des Koreaners im alten E-Werk im Herzen Berlins erlaubte uns eine erste Sitzprobe. Die offenbarte zum Thema Innenraum: Vorne wie hinten hat der Tucson spürbar zugelegt. Neben Längen- und Breitenwachstum ist dafür ein längerer Radstand sowie die laut Hyundai optimierte Raumausnutzung verantwortlich. Ergebnis: Selbst Sitzriesen haben überall bequem Platz, und trotz der flacheren Silhouette herrscht gefühlt mehr Kopffreiheit. Premium-Flair verströmt das Interieur dank reichlich hochwertigen „Soft-Touch“-Materials. Auf das stößt der neugierige Tucson-Insasse, wohin er auch fasst oder blickt.

Zwei Benzin- und drei Dieselmotoren decken ein Leistungsspektrum von 115 bis 184 PS ab, alles nach Euro-6-Norm. Den neuen, 176 PS starken 1,6-Liter-Benziner kombiniert man wahlweise mit Sechsgang-Handschaltung oder siebenstufigem Doppelkupplungs-Getriebe. Zwei Dieselmotoren gibt es alternativ zur manuellen Schaltung auch mit Sechsstufen-Automatik. Weiterhin kann man zwischen Front- oder Allradantrieb wählen.

Hyundais Chef-Designer Peter Schreyer macht den SUV noch prägnanter.

Keine Blößen gibt sich Hyundai auch mit seinem Angebot an Assistenzsystemen für den neuen Tucson: Vom Toter-Winkel-Warner über einen Notbrems-Assistenten bis hin zur automatischen Tempolimit-Erkennung kann je nach persönlicher Ausstattungsliste so ziemlich alles an Bord sein, was das Autofahren im Alltag erleichtert. Die Konkurrenz darf sich auf einen ernstzunehmenden Rivalen gefasst machen, denn vielleicht breitet sich der neue Namyang Style ähnlich rasant aus wie einst der weltberühmte Gangnam Style.

Ralf Schütze

„Nie die Form nur der Form halber“

Drei Fragen an Peter Schreyer, Chef-Designer der Hyundai Motor Group:

„Form follows function“ oder umgekehrt – was gilt derzeit mehr?

Peter Schreyer: Dass die Form der Funktion folgt, stammt aus der Bauhauszeit, hat aber bis heute Gültigkeit. Die Funktion muss immer erfüllt sein, es kann im Automobil-Design nie Form der Form halber geben. Beim neuen Tucson haben wir dies jedoch bewusst nicht nüchtern, sondern emotional umgesetzt.

Wie unterscheidet sich das Design der Schwestermarken Hyundai und Kia?

Kia ist straffer, architektonischer. Hyundai spielt mehr mit Formen, ist dreidimensionaler. Schön ist der hausinterne Wettbewerb, da stacheln sich die Design-Teams gegenseitg an.

Welchen Einfluss hat die zunehmende Autonomie moderner Fahrzeuge aufs Design?

Diese Entwicklung wird sicherlich das Design im Detail beeinflussen, aber nicht dessen Stellenwert verändern. Unterscheidungsmerkmale müssen bleiben, ob nun ein Auto gesteuert wird oder autonom fährt.

Das Interview führte Ralf Schütze

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