Nissan Juke Nismo

Der schöne Sonderling

Nissan Juke Nismo
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Nissan Juke Nismo

Unterwegs mit dem schönsten hässlichen Auto der Welt. Mit keinem anderen Testwagen sind wir je so aufgefallen wie mit dem Nissan Juke.

Genauer mit dem Juke Nismo, der verschärften und aufgemotzten Variante des Serienfahrzeugs. Ob beim Einparken am Supermarkt oder beim Überholen auf der Autobahn: Die erstaunte, mitunter skeptische aber oft auch lächelnde Aufmerksamkeit der Umwelt ist dem Juke-Fahrer sicher. Und wenn man sich erst an das hässliche Entlein gewöhnt hat, dann will man es gar nicht hergeben. So schön kann hässlich sein.

Da klappert nix: Der Nismo ist im Innenraum unspektakulär, aber ordentlich verarbeitet, eher Opel als Japan!

Zunächst einmal: Der Juke ist ein SUV, also ein kleiner Geländewagen. Hoch genug, um sich wie in einem Großen zu fühlen, aber klein genug, um damit auch wendig in der Stadt unterwegs zu sein. Das Gesicht des Juke erinnert ein bisschen an den missglückten Versuch, einen Frosch mit einem Grottenolm zu kreuzen. Rund und klotzig leuchten die Scheinwerfer ganz alleine aus dem kantigen und zerklüfteten Fahrzeuggesicht, die anderen Leuchtfunktionen wie zum Beispiel die Blinker sind wie lang gezogene gläserne Augenbrauen auf den Kotflügeln aufgesetzt. Sie sind beim Rangieren ein hervorragender Messpunkt, wo die Karosserie aufhört. Sitzen tut man auf den vorderen Plätzen wie ein König, man thront im Juke, während die Passagiere auf den hinteren Plätzen sich eher wie auf den früheren Sperrsitzen im Theater fühlen. Aber es gibt ausreichend Raum, nicht unbedingt für die Größten unter uns, aber wer den Juke kauft, will ja auch einen Kleinwagen. Apropos: Auch das Ladevolumen ist beim Juke mit 550 Litern alles andere als groß. Bei umgeklappten Sitzbänken kommt es jedoch mit knapp 800 Litern angemessen bis ausreichend daher. Der Christbaum hat nicht ganz hineingepasst, die Sackkarre dafür problemlos. Ansonsten ist das Interieur des Nissans nicht typisch japanisch klapprig und unansehnlich, sondern genügt gehobenen Mittelklasse-Ansprüchen. Gewöhnungsbedürftig sind nur die leicht unübersichtlichen, elek-tronischen Anzeigen, die Steuerung des Heizsystems haben wir beispielsweise nur unter Mühe und unter Hinzuziehung der Bedienungsanleitung gefunden.

So weit so wenig unterscheidet sich der Nismo vom Normalmodell. Da muss man schon die inneren und äußeren Werte genau anschauen. Bei den Dimensionen ist der Nismo kaum gewachsen (3 Zentimeter in der Länge), am auffälligsten sind das dicke Auspuff-Endrohr, der Dachspoiler mit dritter Bremsleuchte sowie die im Pianolook lackierte B-Säule und die roten Außenspiegel.

Innen rot lackierten Endrohre.

Überraschend gering ausgefallen ist die Motorisierung des getunten Nismo. Nur 10 PS und 10 Nm mehr als das Serienmodell (auf jetzt 200 PS und 250 Nm Drehmoment bringt es der aufgeladene 1,6-Liter 4-Zylinder) machen diesen Juke nicht unbedingt zu einer Rennmaschine. Mit Automatikgetriebe schafft er es gerade mal in 8,2 Sekunden von null auf 100. Entscheidend ist hier jedoch das stark verbesserte Fahrwerk, das eine harte und megapräzise Fahrweise zulässt. Und die Torque-Vectoring-Technologie, die sonst nur in der Oberklasse zu kriegen ist. Hier wird – einfach gesprochen – der Antrieb nicht nur zwischen Vorder- und Hinterachse je nach Gegebenheit verlagert, das Antriebsmoment wird auch zwischen den Hinterrädern verschoben. Das sorgt gerade abseits der geraden Strecken für eine noch agilere und flüssige Fahrweise. Der Nismo ist deshalb ein wahrer Kurvengott.

V-förmige Heckleuchten geben dem Juke eine eigenwillige Note.

Teuflisch teuer ist der Nismo jedoch bei Anschaffung und Verbrauch. Die von uns getestete 4-WD-Variante kostet 29 660 Euro (inklusive Metallic-Lackierung), was alleine schon ganz schön stattlich ist. Richtig teuer wird der Spaß beim Tanken. Ohne den scharfen Japaner ganz herausgefordert zu haben, gelang es uns nicht, den Verbrauch unter elf Litern zu halten. Das ist zu teuer für das, was der Motor dann letztendlich auch (unter Ächzen und Mühen) leistet. Fazit: Der Nismo ist eines der witzigsten Spaßautos, die es gibt. Das schönste hässliche Auto der Welt, für den wir auch lange nach dem Abschied noch eine Träne im Knopfloch tragen werden.

RDF

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