PS-starke Beute

Polizei kämpft gegen Autoschieber

Polizei kämpft gegen Autoschieber.
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Polizei kämpft gegen Autoschieber.

Audi R8, VW Amarok oder 5er BMW sind die Objekte der Begierde. Auf Bestellung schlagen die Diebe zu. Im Grenzgebiet kämpft die Polizei gegen die Autoschieber.

Ein BMW X6 mit einem Kennzeichen aus Kassel fährt um 3.00 Uhr morgens im Osten Sachsens auf der Autobahn Richtung Polen. Ein Handelsvertreter auf dem Weg zum Kunden? Kann sein, muss aber nicht. Die Männer der GFG in Bautzen sind von Berufs wegen misstrauisch. Das Kürzel steht für Gemeinsame Fahndungsgruppe - eine Einheit von sächsischer Landespolizei und Bundespolizei. Derzeit sind 23 Beamte allein im Umfeld von Bautzen im Einsatz, um Autoschiebern das Handwerk zu legen.

GFG-Chef Uwe Seeger vergleicht die A 4 mit einer Hauptschlagader. Die Piste zwischen Dresden und Görlitz an der Grenze zu Polen sei so etwas wie die Arterie des international organisierten Autoschmuggels. „Da kommt alles durch. Von hier aus verteilt sich das auf andere Blutbahnen“, sagt der 44 Jahre alte Polizeihauptkommissar. Wenn die Kollegen der GFG die Ader durch Kontrollen „abbinden“, fließe die kriminelle Energie häufig über angrenzende Bundesstraßen oder über Dorfstraßen ab. Die Zivilfahnder verfügen im eigenen Wagenpark über reichlich PS.

Am Standrand von Bautzen stehen in einer unscheinbaren Garage die Objekte der Begierde - meist Autos der gehobenen Kategorie. Audi R8, VW Amarok oder BMW-Modelle - Autodiebe sind offenbar wählerisch. Die Herkunft vieler Wagen sagt etwas darüber aus, wie das Geschäft im grenzenlosen Europa heute läuft. Ein BMW mit dröhnendem Motor wurde bei einem Italiener mit Wochenendhaus in Lettland gefunden. Allerdings ist nicht mehr viel an dem Wagen original. Das Chassis stammt aus den USA, die Sitze wurden aus einem anderen BMW in Italien gestohlen. Die meisten Autos werden sofort verändert, um die Spuren ihrer Herkunft zu verschleiern.

Geklaut wird häufig nach Bestellung - selbst die Ausstattung ist ein Kriterium. Das Geschäft läuft laut Polizei arbeitsteilig. Einzeltäter seien eher selten. Innerhalb der Bande gebe es Leute, die Autos knacken und andere, die für ihren Transport zuständig sind. Sogenannte Piloten fahren demnach vor dem Konvoi und beobachten die Lage. Dann folgen die Kuriere mit den gestohlenen Wagen, wie Sachsens Landespolizeipräsident Rainer Kann sagt. „Meist erwischen wir nur die Kuriere und damit das schwächste Glied in der Kette. Sie sind oft drogenabhängig und finanzieren mit solchen Aufträgen ihren Drogenkonsum.“ Es sei eine wachsende Brutalität in der Szene zu verzeichnen: „Da wird rücksichtlos auf Beamte zugefahren. Die Kollegen riskieren ihr Leben.“

Während es früher Schwerpunktzeiten für den Autodiebstahl gab, ist die Szene heute rund um die Uhr im Einsatz. „Man nutzt die Gegebenheiten, möchte lieber unauffällig im Berufsverkehr mitschwimmen“, sagt der Leiter der Polizeidirektion Görlitz, Conny Stiehl. Er arbeite bei der Fahndung nach Autoschiebern mit den Kollegen in Polen zusammen. Hier endet derzeit die Befugnis der deutschen Polizisten in Zivil. „Momentan ist es so, dass wir an der polnischen Grenze stehenbleiben und winken müssen“, räumt auch Seeger ein. Dieser Umstand wurmt auch Polizeipräsident Kann. „Wir freuen uns über ein offenes Europa. Doch die einzigen, die noch Grenzen haben, sind die Sicherheitsbehörden.“

Der Blick in die Statistik ergibt ein differenziertes Bild. Für 2013 liegen bisher nur Zahlen aus den ersten sechs Monaten vor. In Sachsen ging die Zahl der Diebstähle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,6 Prozent zurück, in Brandenburg waren es 4,3 Prozent mehr. Bayern und Mecklenburg- Vorpommern meldeten 2012 rückläufige Zahlen - ein allgemeiner Trend.

Die Lieblinge der Autodiebe 2012

Die Lieblinge der Autodiebe 2012

Laut Versicherungsbranche schlugen Autodiebe 2012 bundesweit 18.063 Mal zu - rund acht Prozent weniger als 2011. Der Durchschnittswert lag bei 0,5 Diebstählen je 1000 kaskoversicherte Autos. Spitzenreiter war Berlin mit dem Wert 3,2, gefolgt von Hamburg (1,7), Brandenburg (1,5) und Sachsen (0,9). Am sichersten konnten sich Autobesitzer in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland fühlen (je 0,2).

dpa

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