Ständiges Auf und Ab

Spritpreise: Zu welcher Uhrzeit sie am niedrigsten sind

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Bei einem solche Anblick lacht das Autofahrer-Herz.

München - Vor den Osterferien besonders teuer, montags besonders billig - solche Erfahrungswerte bestätigen sich heute immer seltener, denn die Spritpreise orientieren sich vielmehr am Tagesverlauf.

„Es gibt keine günstigen und teuren Tage wie früher, dieses Prinzip ist aufgelöst worden“, erklärt der ADAC. Stattdessen gilt: Zwischen 23.00 Uhr nachts und 5.00 Uhr morgens sind die Preise an den Zapfsäulen bundesweit im Schnitt etwa 11 Cent höher als zum günstigsten Zeitpunkt. Und der liegt laut ADAC zwischen 18.00 Uhr und 20.00 Uhr.

Die Tankstellen bestimmen ihre Preise selbst. Über die Jahre hinweg werden die Schwankungen aber vor allem vom Rohöl und von der Konjunktur bestimmt. Ab 2002 kletterte der Durchschnittspreis für Kraftstoffe zunächst. Wegen des starken Anstiegs der Ölpreise im Jahr 2008 erreichte ein Liter Superbenzin einen monatlichen Spitzenwert von 1,529 Euro - der infolge der Finanzkrise dann drastisch einbrach. Ein halbes Jahr später waren es schon fast 40 Cent weniger.

Für die Verbraucher erfreulich - doch von 2011 bis Mitte 2014 mussten Autofahrer erneut tiefer in Tasche greifen. Zwischenzeitlich lag der Liter Superbenzin bei 1,736 Euro. Seit Ende 2014 schwanken die Preise wieder vermehrt. Derzeit sorgen vor allem ein weltweites Überangebot und eine schwächelnde Nachfrage aus China für anhaltend billiges Rohöl - mit entsprechenden Nachlässen auch bei Endprodukten wie Sprit oder Heizöl. Im Januar war Dieselkraftstoff im Tagesvergleich laut ADAC sogar auf dem niedrigsten Stand seit 2009.

Ob die Talfahrt noch länger anhält, wissen auch Experten nicht. Nach der Aufhebung der Sanktionen könnte der Iran die Ölmärkte aber zusätzlich überfluten - was die Preise weiter drücken könnte.

Wie setzen sich Kraftstoffpreise zusammen?

Wie teuer Kraftstoff in Deutschland ist, bestimmt zum größten Teil der Markt. Welcher Preis letztlich an der Zapfsäule steht, hängt vom Wettbewerb der konkurrierenden Tankstellen ab. Unter dem Strich verdienen deren Betreiber am Geschäft mit dem Treibstoff allerdings am wenigsten - den größten Anteil am Benzinpreis haben nämlich die Steuern.

Bei Benzin liegt der Energie- beziehungsweise Mineralölsteuersatz bei 65,4 Cent je Liter. Dazu kommt die Mehrwertsteuer, die auf 19 Prozent festgesetzt ist. Wer für einen Liter 1,60 Euro zahlt, gibt damit insgesamt 91 Cent an den Staat ab. Für eine 50-Liter-Tankfüllung wären das 45 Euro. Mit dem Restgeld - in dem Fall 69 Cent - werden die eigentlichen Kosten gedeckt.

Deutsche fahren trotz billiger Spritpreise nicht häufiger Auto

Die meisten Deutschen achten beim Tanken auf den Preis - doch trotz der aktuell billigen Spritpreise nutzen nur die wenigsten ihr Auto häufiger. Nur etwa einer von zehn Befragten nutzt seinen Wagen deshalb öfter, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. Sich wegen der günstigen Lage einen Pkw mit mehr Leistung zu kaufen, ist ebenfalls nur für die Minderheit eine Option - genauso wie der Gedanke, sich ein Elektro-Auto anzuschaffen.

Für rund drei Viertel der Deutschen sind billige Spritpreise wichtig oder eher wichtig, für 20 Prozent spielt dies keine oder kaum eine Rolle. Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbands kostete Dieselkraftstoff im Januar durchschnittlich 99 Cent - und war damit dem ADAC zufolge so billig wie seit 2009 nicht mehr. Grund dafür ist der Ölpreis, der seit Mitte 2014 bis zu 70 Prozent eingebrochen ist. Bleiben die Preise auf diesem Niveau, kann ein durchschnittlicher Autofahrer in diesem Jahr mehr als 200 Euro Benzinkosten einsparen.

Doch trotz der verlockenden Situation schaffen die Billigpreise nur für elf Prozent der Autofahrer einen Anreiz, ihren Wagen häufiger zu nutzen. Am ehesten fahren jüngere Menschen zwischen 18 und 34 Jahren deshalb mehr mit dem Auto.

Auch auf das Kaufverhalten haben die Preise an den Zapfsäulen wenig Einfluss: Zwar planen generell nur etwa zwölf Prozent im kommenden halben Jahr, einen neuen Pkw zu kaufen. Doch fast niemand will sich wegen der niedrigen Spritpreise ein PS-stärkeres Fahrzeug zulegen. Das trifft auch auf diejenigen zu, die sich seit Beginn des Preisverfalls bereits einen neuen Wagen angeschafft haben.

Knapp über die Hälfte will auch kein Elektrofahrzeug kaufen. Nur für ein Drittel kommt der Kauf eines solchen umweltfreundlichen Wagens in Betracht. In Deutschland wollen Bundesregierung und Autoindustrie die schleppende Nachfrage nach E-Autos ankurbeln. Im Gespräch ist auch eine Kaufprämie in Höhe von 5000 Euro. Vor allem in Ländern wie China und den USA wurden Untersuchungen zufolge bislang deutlich mehr E-Autos verkauft als hierzulande.

dpa

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