Neue Studie

Männer neigen zu riskanten Überholmanövern

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Die Reste eines Autos nach einem typischen Überhol-Unfall. Am Donnerstag stellten die Unfallforscher der Versicherer eine neue Studie vor.

Münster - Vor allem junge Männer riskieren bei Überholmanövern oft ihr eigenes Leben und das ihrer Mitfahrer. Das ergab nun eine neue Studie der Versicherer zu Überholunfällen auf Landstraßen.

Jung, männlich und gefährlich: Der typische Verursacher von Überholunfällen ist statistisch gesehen ein Mann (in 86 Prozent aller Fälle) und wahrscheinlich unter 30 Jahren alt (46 Prozent). Er überholt zum Beispiel trotz Gegenverkehrs (28 Prozent), trotz unklarer Verkehrslage (26 Prozent) oder trotz Überholverbots (26 Prozent).

Überholen ist oft Russisch Roulette

„Bei jedem vierten Überholunfall auf der Landstraße war die Lage so unübersichtlich, dass das Überholen wie Russisch Roulette war“, fasste der Unfallexperte Siegfried Brockmann die Ergebnisse einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Versicherer zu Überholunfällen auf Landstraßen zusammen.

Besonders gefährdet: Landstraßen

Das Statistische Bundesamt hat 2013 auf Landstraßen 1934 Verkehrstote gezählt. Damit ist die Landstraße das lebensgefährlichste Pflaster. Mehr als sieben Prozent der Unfälle auf Landstraßen sind beim Überholen passiert. Dabei wurden 171 Menschen getötet.

Zu wenig Überholverbotsschilder

Die Unfallforschung der Versicherer untersuchte 9300 Überholunfälle. 71 Prozent der Überholunfälle gab es an Kuppen, Senken und allgemein bei zu geringen Sichtweiten. Zugleich ereigneten sich 74 Prozent der Überholunfälle dort, wo es kein Verbot und kein Tempolimit gab. Oft ist es dort sogar gefährlich, sagt Brockmann. Denn wenn Überholen eigentlich offensichtlich kaum möglich sei, fehle oft ein ausdrückliches Überholverbot. Grund sei die Vorgabe, den „Schilderwald“ nicht zu verdichten. Die Statistik belegt diese These eindeutig: An fast drei Vierteln der untersuchten Abschnitte ohne echte Sichtweite habe es kein ausdrückliches Überholverbot durch Schilder und durchgezogene Linien gegeben. „An allen Stellen, an denen die Sicht nicht für ein Überholen ausreicht, muss es ausdrückliche Überholverbote geben“, forderte Brockmann. „Dann hätten 70 Prozent des Landstraßennetzes ein Überholverbot.“

Kreuzungen und Einmündungen besonders gefährdet

Welche Folgen misslungene Überholmanöver haben können, führten die Experten auf dem Crashtest-Gelände in Münster vor. Mit Tempo 100 krachte ein Auto in ein einbiegendes Fahrzeug. Ein ohrenbetäubender Knall, Glas splitterte, es roch nach Gummi und Benzin. Jeder fünfte Überholunfall ereignet sich an Kreuzungen und Einmündungen.

Zeitersparnis durch Überholen nur gering

Doch warum gehen Fahrer dieses hohe Risiko ein? Bei Testfahrten des Deutschen Verkehrssicherheitsrats auf Landstraßen betrug die Zeitersparnis durch aggressives Überholen auf einer Strecke von 20 Kilometern nur etwa anderthalb Minuten. Oft werde der Zeitvorteil durch rasen und überholen maßlos überschätzt, das hat der Verkehrspsychologe Peter Kiegeland festgestellt. Vor allem bei der Hauptrisikogruppe der jungen Männer kämen oft weitere Faktoren zusammen: Unerfahrenheit, Selbstüberschätzung, Imponiergehabe aus Unsicherheit. „Das Selbstbewusstsein wird sozusagen mit dem Gaspedal geregelt.“

Experten fordern: mehr dreispurige Landstraßen

Brockmann setzt neben Überholverboten und Tempolimits auf „die neue Landstraße“, wie sie auch das Bundesverkehrsministerium vorsieht: dreispurige Landstraßen, auf denen es abwechselnd zwei Fahrspuren in einer Fahrtrichtung gibt. Angesichts leerer Kassen steht die Umsetzung des Konzepts allerdings in den Sternen.

dpa

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