Spartanisch, aber praktisch

Suzuki Celerio: Ein flottes Sparhörnchen

Suzuki Celerio
+
Optisch ist der Suzuki Celerio nicht unbedingt ein Tiger, aber zumindest ein kleines Schmusekätzchen: Der japanische Silberpfeil hat der Testerin Spaß gemacht.

Na schön. Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Kameras, Parkassistenten, Super-Navis, Konzertsaal-Akustik, Internetanschluss, Lenkrad-Heizung...

Sensoren für sämtliche Wetter-, Straßen- und Lebenslagen und all der andere hochgeschätzte Schnickschnack haben den modernen Autofahrer in einer Weise verzogen, dass wir uns doch ernsthaft fragen müssen, wer da eigentlich noch fährt. Da kommt dieser Kleine doch gerade recht. Back to the roots – mit dem Suzuki Celerio. Ein spartanisches. aber flottes Sparhörnchen, das sich von den Großen nicht kampflos abhängen lässt.

Erster Eindruck vom Innenraum: chic! Eine große, übersichtliche Tacho- und Drehzahlmesser-Einheit dominiert die Armatur. Das rot beleuchtete Mäusekino (Multifunktions-Display genannt) informiert zuverlässig über Zeit, Temperatur, Schaltpunkt, Spritverbrauch und wann der nächste Tankstopp fällig ist. Was bei ganz normaler Fahrweise übrigens dauern kann, denn mit einem Durchschnittsverbauch von ungefähr vier Litern empfiehlt sich der Celerio all denen, die sparen und trotzdem ein eigenes Auto haben möchten.

Back to the roots – mit dem Suzuki Celerio

Zumindest die vorderen Fenster heben und senken sich automatisch. Hinten grüßt die gute, alte Kurbel. Dass es das noch gibt. Der USB-Anschluss steckt tadellos erreichbar in der nach hinten abgeschrägten Ablage, in der neben dem Handy auch wichtige Kleinigkeiten wie die Parkkarte griffbereit untergebracht sind. Überall Becherhalter und kleine Fächer. Sehr praktisch. Der Kleine hat sogar eine Klimaanlage mit Pollenfilter (ab Modell Club). Das MP3-fähige CD-Radio mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung lässt sich vom Lenkrad aus bedienen. Das iPhone verbindet sich mühelos. Die Übertragungs-Qualität der Fernsprecheinrichtung funktioniert exzellent, wie leidgeprüfte Freunde am anderen Ende bestätigen. Weil der Celerio fünf (etwas scheppernde) Türchen hat, ist das Einsteigen ein Vergnügen. Überraschend bequem das Platzangebot in die Höhe und die Breite. Vier und notfalls auch fünf normalgewichtige Erwachsene finden hier ganz gut Platz – ohne eingeschlafene Beine. Die Rücksitze lassen sich asymmetrisch umlegen. Das Kofferraumvolumen lässt sich damit von 254 bis immerhin 1053 Liter variieren.

Fußraumtest: Autorin Dorita Plange hat auch hinten ausreichend Platz. Bis zu fünf (normalgewichtige) Personen kommen im Suzuki Celerio unter.

Auf die erste Freude folgen ein paar (kleine) Ernüchterungen: Im Testmodell gab es keine Einparkhilfe (für 172,43 Euro im Suzuki-Zubehör zu haben), keine Lichtautomatik, viel Plastik, quäkende Boxen, einfach verarbeitete Sitze. Und dann die herbe Enttäuschung: Kein Navi. Schade. Den Abend verbringe ich im Keller auf der Suche nach dem Uralt-TomTom, das mit filigranem Saugrüssel an die Scheibe zu kleben ist, von der es sich immer zur Unzeit löst, um quakend im Fußraum herumzurollen. Ich hatte gehofft, diese Zeiten hinter mir zu haben. Nun ja. Gibt Schlimmeres.

Der Dreizylinder-Motor (68 PS) ist nicht zu überhören, zieht im Stadtverkehr aber zügig durch – wenngleich das automatisierte 5-Gang-Schaltgetriebe bei jedem Schaltvorgang seltsam ruckelt. Auf der Autobahn ist der wendige, kleine City-Floh (3,60 Meter lang, 1,60 Meter breit, 1,54 Meter hoch und leer 890 Kilo leicht) eine Überraschung. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 155 toppen wir auf gerader Strecke mühelos mit 175, wobei der Celerio dank gehörigem Radstand von 2,43 Meter ruhig und sicher liegt wie ein Brett – sehr zur Überraschung anderer Verkehrsteilnehmer, die diesen kleinen Silberpfeil offenbar nicht auf dem Plan hatten.

Das Einparken ist die reinste Freude – solange man nie vergisst, dass hinten nichts piepst. Der lange Zündschlüssel lässt sich nicht einklappen – unangenehm in der Hosentasche. Stichwort Schlüssel: Das Schließsystem – offensichtlich ausgelegt auf große Kindersicherheit – hat sich mir bis zuletzt nicht so ganz erschlossen. Und wohl dem, der weiß, dass sich der Suzuki-Zündschlüssel erst nach gleichzeitig-kräftiger Drück-Dreh-Bewegung nach links abziehen lässt. Ich wusste es nicht (und zwei männliche Autofreaks übrigens auch nicht) und so saß ich nach der ersten Fahrt 20 Minuten ratlos vor der Haustür, bis ich den Trick zufällig herausfand.

Trotz kleiner Einschränkungen ist der Suzuki Celerio ein famoser Flitzer für Leute mit kleinem Geldbeutel, die auf Luxus-Technik verzichten können. In der Basisversion ist der kleine Suzuki schon für 9690 Euro zu haben – allerdings ohne Klimaanlage, CD-Radio und Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Wenn’s ein bisschen mehr sein darf, empfiehlt sich die Club-Version für 10 890 Euro. Wer weitere 1100 Euro drauflegt, bekommt das ECO+-System mit Dualjet-Einspritzung und Start-Stopp-System.

Für nur 20 Euro Kfz-Steuer im Jahr macht er wirklich Spaß, der kleine Dreizylinder mit dem frei aus dem Spanischen übersetzten, großen Namen „Himmlischer Fluss“. 

Suzuki Celerio: Alltag statt Allüren

Dorita Plange

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Enten-Treffen: Liebhaber zeigen ihre Schätzchen
Enten-Treffen: Liebhaber zeigen ihre Schätzchen
Noch im Einsatz: Polizei BMW Isetta
Noch im Einsatz: Polizei BMW Isetta
Dieser schräge Typ überlebt jeden Autounfall
Dieser schräge Typ überlebt jeden Autounfall
Maut-Sündern drohen saftige Strafen
Maut-Sündern drohen saftige Strafen

Kommentare