„Ist er schon an?“

Toyota Auris Sports Hybrid im Test

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Toyota Auris Sports Hybrid: Außen wie innen eher nüchtern: Die Systemleistung des schnörkellosen Hybriden beträgt 136 PS. Verbrauch? Nur rund fünf Liter.

„Bin ich schon drin?“ Der Satz aus der Anfangszeit des Internets klang bei Boris Becker immer bemerkenswert einfältig. Ungefähr so wie mein: „Ist er schon an?“...

...das mir durch den Kopf geht, als ich den Startknopf des Toyota Auris Hybrid drücke. Aber das nur am Rande …

Umso schlimmer jedenfalls, dass ich mich Jahre danach genauso einfältig fühle. Nichts rührt sich, kein Geräusch, auch als ich aus der Parklücke rolle. Klar, inzwischen dämmert mir, dass ich in einem Hybridauto sitze – aber die Frage kommt im Laufe des Tests immer wieder, gerne auch mal vom Beifahrersitz: „Ist er schon an?“ Gerne auch die Variante: Fahren wir gerade elektrisch? Ja, so ein Hybrid ist eben ein Gesprächsthema.

Für mich ist jedenfalls klar, dass ich diesmal mein Prinzip aufgeben muss, zunächst in Unkenntnis der Motorisierung und Ausstattung den Test zu beginnen, um unvoreingenommen zu sehen, was sich so tut hinterm Steuer. Stattdessen werde ich vom Auto in eine ganz bestimmte Richtung bewegt: Kann ich verbrauchstechnisch was rausholen? Bekomme ich auf den letzten Metern noch die Batterie voll? Schnell sind die Anreize andere als in normalen Autos, das ganze Fahrverhalten ändert sich, es muss sich ändern, damit ein Hybridauto überhaupt sinnvoll ist: Ich versuche, durch den Verkehr zu surfen, Schwung mitzunehmen, vor Ampeln früher vom Gas zu gehen, und Ähnliches mehr.

Warum? Der Benziner arbeitet nach dem Atkinson-Prinzip: Die Einlassventile schließen später, dadurch sinken die Kompression und der Verbrauch – aber eben auch Leistung und Drehmoment. Das wiederum soll durch das Zuschalten des Elektromotors ausgeglichen werden. Der Toyota-Hybrid-Antrieb verbindet also einen 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner mit einem Elektromotor, was eine Gesamtleistung von 136 PS ergibt. Und funktioniert das? Durchaus! Der Auris Hybrid ist kein Rennauto, aber dynamisch genug für einen Kompaktwagen. Bei langsamer Fahrt kann er auch ganz ohne Benzinmotor dahinschleichen, aber ehrlicherweise ist das im normalen Gebrauch nicht oft der Fall – doch wenn es so ist, fühlt man sich als Fahrer belohnt und bestätigt.

Toyota Auris Hybrid für den Stadt-Land-Mix

Damit der Elektromotor nicht schlapp macht, muss die Batterie aufgeladen werden – Stichwort: Rekuperation, also die Umwandlung der Bewegungsenergie in Batterieladung. Setzt die Motorbremse ein, funktioniert der E-Motor als Generator für die Nickel-Metall-Hydrid-Batterie. Diese sitzt übrigens komplett unter der hinteren Sitzbank, womit ein 360 Liter fassender Kofferraum entsteht, der durch Umklappen der Rücksitze auf imposante 699 Liter (fensterhoch beladen) oder 1200 Liter (dachhoch) anwächst.

Damit wären wir auch wieder bei ganz normalen Autothemen: Zuladung, Fahrverhalten etc. – auch das kein Problem für den Auris. Auf längeren Autobahnabschnitten jedoch nervt der dann hochtourig laufende Motor, das Einsatzgebiet des Auris ist eindeutig der Stadt-Land-Mix, hier spielt er seine Stärken aus: Wir erzielten einen Verbrauch von knapp fünf Litern, die Lenkung ist leichtgängig, die Instrumente übersichtlich, der Platz völlig ausreichend, die Geräuschdämmung gut und die Optik zumindest stimmig – aber das ist ohnehin immer eine Ge­schmacksfrage. Der Auris bietet also alle wichtigen Eigenschaften eines Kompaktwagens in einem ziemlich nüchternen Gewand – aber interessant macht er sich natürlich durch sein modernes Antriebskonzept.

Fazit

Der Hybrid-Kombi von Toyota ist alles in allem ein empfehlenswertes, ausgereiftes Auto – nur, dass man eben nicht immer weiß, ob es schon an ist …

Toyota Auris Sports

  • Motor: Hybrid mit stufenloser Automatik, 1,8 Liter (99 PS) & E-Motor (82 PS)´
  • Systemleistung: 136 PS
  • Testverbrauch: 4,9 Liter
  • Werksangabe: 4,0 Liter
  • Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
  • Beschleunigung: 11,2 Sek. (0 – 100 km/h)
  • Preis: ab 24.400 Euro

Toyota Auris Touring Sports

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Klaus Heydenreich

Klaus Heydenreich

Klaus Heydenreich

E-Mail:Klaus.Heydenreich@tz.de

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