Unfallstatistik 2015

Fast jeder vierte Verkehrstote ist ein Biker

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München - Weniger Tote, dafür mehr Unfälle und Verletzte – das ist die Kernaussage der Verkehrsunfallstatistik 2015. Die meisten Todesfälle gab es auf Landstraßen. Motorradfahrer sind besonders gefährdet.

614 Menschen starben im vergangenen Jahr auf Bayerns Straßen. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Unfallaufzeichnungen vor mehr als 60 Jahren. So ganz zufrieden wirkte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) trotzdem nicht, als er gestern die Verkehrsunfallstatistik für 2015 vorstellte. „Es bleibt noch einiges zu tun“, sagte er. Nicht nur mit Blick auf die Verkehrstoten, deren Zahl Herrmann bis 2020 auf 550 reduzieren will. Sondern vor allem bei der Gesamtzahl der Verkehrsunfälle und Verletzten auf Bayerns Straßen. Denn die steigen kontinuierlich an.

2015 registrierte die bayerische Polizei 391 125 Verkehrsunfälle, das sind fast sechs Prozent mehr als im Vorjahr. 71 161 Menschen wurden dabei verletzt, 2014 waren es noch 1600 weniger. Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle blieb mit exakt 588 genauso hoch wie im Vorjahr – nur dass dabei 2015 fünf Menschen weniger ums Leben kamen.

Interessant wird es bei der Zusammensetzung der Verkehrstoten. Während die Zahl der getöteten Pkw-Insassen um fast sieben Prozent auf 271 zurückging, stieg die Zahl der getöteten Motorradfahrer um deutliche 10,2 Prozent auf 140. Damit ist fast jeder vierte Verkehrstote ein Motorradfahrer. Herrmann begründet dies mit dem Wetter, das 2015 wesentlich schöner gewesen sei als im Vorjahr. „Dann fahren unsere Motorradfahrer mehr, aber auch leichtsinniger.“ Die Erkenntnis bleibt: „Das Todesrisiko ist bei Fahrten mit dem Motorrad nach wie vor völlig unverhältnismäßig.“ Auch starben mehr Fußgänger und Radfahrer als im Vorjahr.

Die meisten tödlichen Verkehrsunfälle ereigneten sich wieder auf Bayerns Landstraßen. 393 Menschen kamen dort ums Leben. Zudem wurden dort über zehn Prozent mehr Verkehrsunfälle registriert als noch im Vorjahr. Auch auf den Autobahnen nahm die Zahl der Verkehrsunfälle sowie die Zahl der Toten zu.

Die meisten Unfälle in Bayern verursachen Raser. Mehr als ein Viertel aller tödlichen Verkehrsunfälle ereigneten sich, weil die Auto- oder Motorradfahrer zu schnell unterwegs waren. Auch das Fahren unter Alkoholeinfluss ist nach wie vor ein Problem. Zwar gingen die alkoholbedingten Unfälle geringfügig zurück, aber es starben dabei trotzdem 49 Menschen. 90 Menschen kamen bei Unfällen ums Leben, bei denen die Vorfahrt missachtet wurde. Außerdem hatte fast jeder vierte der getöteten Pkw-Insassen keinen Gurt angelegt.

Bis auf die leicht sinkende Zahl der Toten zeichnet die Unfallstatistik also ein eher düsteres Bild. „Die wachsende Gesamtzahl der Verkehrsunfälle bereitet uns Sorgen“, gibt auch Herrmann zu. Der kontinuierliche Anstieg liege zwar auch am wachsenden Kfz-Bestand – in Bayern waren 2015 9,4 Millionen Fahrzeuge registriert (Vorjahr 9,2) – dennoch müssten die Anstrengungen verstärkt werden.

Joachim Herrmann kündigte daher für 2016 verstärkte Geschwindigkeits- und Alkoholkontrollen an. Auch der Blitzmarathon soll wieder stattfinden. „Unsere Polizei wird außerdem ein besonderes Augenmerk auf Gurtmuffel legen und verstärkt kontrollieren.“ Auf Landstraßen will der Innenminister vor allem auf „gebaute Sicherheit“ setzen. Unfallträchtige Strecken sollen entschärft werden, etwa indem Kurven begradigt, gefährliche Kreuzungen klarer markiert und Schutzplanken eingebaut werden.

Dominik Göttler

Dominik Göttler

E-Mail:Dominik.Goettler@merkur.de

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