Ein Bussi für die Nostalgiker

Der neue VW T6: Wir haben den Bulli-Nachfolger getestet

Der neue VW T6 "Six Generation".
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Brandneu, aber mit Retro-Charme: Was der neue VW T6 "Six Generation" drauf hat, konnte Autorin Martina Lippl schon mal testen.

Busfans konnten es kaum erwartet, nun ist er da - und wie! Der neue VW T6 Bus fährt als Transporter, Caravelle und Mulitvan in vielen Varianten vor. Bei der Fahrvorstellung in Stockholm setzt Volkswagen bei der neuen Baureihe auf Tradition, Geschichte und ganz alten Charme.

"Och, guck mal! Da steht ein alter VW Bulli!" Genau genommen ist es ein VW T1 Kastenwagen, Baujahr 1950 in Taubenblau, der einen ins Schwärmen bringt. Die alte Sofie, so wird dieser T1 zärtlich genannt, hat sogar noch Winker in der B-Säule. Ja, bezaubernd, wie der Regen mit Grazie am taubenblauen Lack abperlt...

Es ist schon erstaunlich: Die alte Dame aus dem Hause Volkswagen lenkt sofort vom fabrikneuen Typen an ihrer Seite ab. Das scheint gewollt. Denn, der erste VW Transporter T1 rollte vor 65 Jahren vom Band. Nun ist die sechste Generation – der T6 – an der Reihe.

"Die alte Sofie" ist ein VW T1 Kastenwagen aus dem Jahr 1950 in Taubenblau.

„Die T-Baureihe ist nicht nur das erfolgreichste Modell der Nutzfahrzeugsparte, sondern auch das Herz“, betont VW Entwicklungsvorstand Joachim Rothenpieler bei der Volkswagen T6-Fahrpräsentation in Stockholm. 12 Millionen Exemplare hat die Nutzfahrzeugsparte seit Produktionsstart verkauft, allein zwei Millionen vom Vorgänger, dem T5. Als Transporter, Caravelle oder Multivan soll die T6-Baureihe diese Erfolgsstory trotz Konkurrenz wie aus dem Hause Mercedes fortschreiben. Damit das gelingt, schickt Volkswagen seinen „sorgsam weiterentwickelten“ Bus in vielen Varianten auf die Straße.

Sparsame Motoren für den VW T6

Der neue Zweiliter-Diesel-Motor hört auf den Namen EA288 und erfüllt Euro 6. Dabei hilft die Harnstoffeinspritzung, die nach rund 7.000 Kilometern nachgefüllt werden muss.

Zum Start stehen vier neue Zweiliter Diesel (von 84 PS bis 204 PS), die mit Harnstoff auf Euro 6 optimiert sind und zwei Benziner (150 PS und 204 PS) zur Wahl. Alle Motoren sind serienmäßig mit Start-Stopp-Funktion ausgestattet. Optional gibt es für die vielen Varianten Automatik-Getriebe oder Allrad.

Eine Portion Bulli-Nostalgie

Zum runden Geburtstag gibt es von Volkswagen natürlich Retrofeeling – das Sondermodell „Generation Six“ – auf der Basis des Multivan Comfortline (ab 45.905 Euro). Im Hingucker-Farbmix Candyweiß und Kirschrot lockt der exklusive Siebensitzer mit einem 150 PS-Zweiliter-Diesel zur ersten Testfahrt. LED-Scheinwerfer (serienmäßig), dezent veränderte Motorhaube sowie eine tiefere Bugschürze lassen die Front mit den Chromdetails lässig aussehen. Ganz zu schweigen von der Privacy-Verglasung und den 18-Zoll Leichtmetallräder „Disc“ im Retrodesign.

Neues Design im VW T6

Der neue VW T6.

Innen präsentiert sich der „Gerneration Six“ zeitgemäß, zeitlos und hochwertig. Gute Laune machen im Cockpit die roten Deko-Details, USB-Buchsen sowie die vielen Ablageflächen. Bevor der Spaß richtig losgeht, können Fahrer und Beifahrer die komfortablen Alcantara-Ledersitze elektronisch in die richtige Position bringen. Wer zuerst fertig ist, darf sich vor der Fahrt dem 6,33 Zoll (16 Zentimeter) großen Farbdisplay widmen. Hier lässt sich wie bei einem Smartphone das Navi per Touch- und Wisch Funktion starten, in der Musikliste scrollen oder im Menü vom Bordcomputer blättern.

Vom Fleck weg zieht der VW Bus mit seinem 150 PS-Motor kernig ab. Die 6-Gänge lassen sich leicht per Hand schalten. Da Temposündern in Schweden drastische Bußgelder drohen, schippern wir Dank Tempomat mit 70 km/h ganz entspannt über die Landstraße. Etwas schade ist es schon, dass auf der Autobahn Tempolimit 110 herrscht. Denn laut Datenblatt fährt der Test-Multivan 182 km/h Höchstgeschwindigkeit. Ein kleiner Trost: trotz kleiner Vollgassprints (o auf 100 km/h in 12 Sekunden) liegt der Verbrauch am Ende bei 6,1 Litern.

Assistenzsysteme im neuen VW T6

Enge Kurven meistert der Bus souverän mit der adaptiven Fahrwerksregelung DCC. Daneben sind unter anderem serienmäßig Abstandsregeltempomat (ACC) und ein radargesteuerter „Front Assistent“ an Bord. Ist das System über das Multifunktionslenkrad aktiviert, bremst es automatisch ab, wenn der Abstand zum Vordermann beispielsweise im Stopp-und Go Berufsverkehr zu knapp ist – sogar, wenn nötig bis die Räder stillstehen. Übrigens, Wendemanöver sind mit dem 4,90 Meter langen und 1,90 breiten VW Mulitvan auf unbefestigten Feldwegen auch kein Problem. Der Wagen ist wendiger als so mancher Geländewagen. Die butterweiche Lenkung, Parkpilot plus Rückfahrkamera machen es einem leicht.

Apropos wendig. Für seine Flexibilität im Innenraum ist der Multivan schon bekannt. So lassen sich die Alcantarasitze im Fond bei "Generation Six" noch leichter auf Schienen verschieben, drehen und mit einfachen Handgriffen in eine Liegefläche umbauen oder für einen Möbel-Transport komplett ausbauen. Wer eine elektrische Heckklappe möchte, muss bis Anfang 2016 warten.

Auch ohne dieses Feature ist der "Generation Six" zum Liebhaben, allein schon wegen seiner zwei Farben. Allerdings haben diese Gefühle einen stolzen Preis (ab 45.905 Euro). Den Basis VW Mulitvan gibt es ab 29.952 Euro.

Das ist der neue VW Bulli

Das ist der neue VW Bulli

Der neue VW T6 (2015): Der erste Eindruck

ml

Martina Lippl

Martina Lippl

E-Mail:martina.lippl@merkur.de

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