Autowerkstatt 2020

Bald kommen Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

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Reparieren statt austauschen: Wissenschaftler und Handwerker in Oberfranken tüfteln gemeinsam an Zukunftsideen fürs Kfz-Gewerbe.

Billiger und umweltfreundlicher sollen Autoreparaturen in Zukunft werden. Mit 3D-Laser Scanner und 3D-Drucker tüfteln Wissenschaftler und Handwerker in Oberfranken jetzt an neuen Methoden.  

Zum Beispiel der Scheinwerfer. Ist am Autoscheinwerfer die Haltenase kaputt, muss der komplette Scheinwerfer getauscht werden. Das ist teuer - aber es gäbe eine günstigere Alternative. Ein gemeinsames Projekt der Handwerkskammer Oberfranken, der Uni Bayreuth und der Fraunhofer-Projektgruppe für Prozessinnovation beschäftigt sich genau mit dieser Frage: Wie lässt sich verhindern, dass bei Defekten komplette Bauteile ersetzt werden? Reparieren wäre meist deutlich günstiger - und umweltfreundlicher, da kaum Abfall anfällt.

Beim Scheinwerfer etwa ließe sich die Haltenase mit Hilfe eines 3D-Scanners ausmessen, mit einem 3D-Drucker reproduzieren und wieder am Gehäuse anbringen. Das wäre viel billiger als der Austausch des kompletten Scheinwerfers. In der Autowerkstatt der Zukunft könnte also beispielsweise so ein 3D-Drucker stehen.

Die Idee zu dem gemeinsamen Projekt „Kfz-Service-Engineering 2020“ hatte Prof. Rolf Steinhilper, Inhaber des Lehrstuhls Umweltgerechte Produktionstechnik an der Universität Bayreuth. Er fragte sich, wie die Anforderungen im Bereich Kfz-Reparaturen wohl in einigen Jahren aussehen werden: „2020 hat ein heute gekauftes Auto vielleicht einen Verkaufswert von 1.000 bis 2.000 Euro. Viele Ersatzteile kosten aber fast genauso viel oder sogar mehr.“ Die Experten wollen nun herausfinden, wie sich Reparaturen günstiger gestalten lassen. Indem nämlich weniger ausgetauscht und mehr repariert wird.

Steinhilper ist überzeugt, dass dann auch mehr Wertschöpfung in den Werkstätten, also beim Handwerk bleibt. Heute bestehe die Arbeit in den Werkstätten oft im Einsatz des Diagnosegeräts und im Austausch ganzer Ersatzteilgruppen; der Arbeitslohn mache nur noch einen geringen Teil der Reparaturrechnung aus.

Die Experten wollen auch klären, was im Jahr 2020 in der Werkstatt wichtig ist. Es gebe eine Vielzahl neuer Antriebstechniken, etwa Hybrid- oder Elektroautos. „Auto ist nicht mehr gleich Auto“, sagt Johanna Erlbacher, die das Projekt für die Handwerkskammer betreut. Zudem werde das verwendete Material immer vielfältiger und die eingebaute Elektronik immer aufwendiger. „Dazu wollen wir neues Knowhow in die Praxis bringen“, sagt Erlbacher. Am Anfang der ungewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen den Praktikern aus der Handwerkskammer und den Wissenschaftlern der Uni standen im Vorjahr deshalb Umfragen: 1000 Werkstätten wurden befragt, wo sie die Herausforderungen für die Zukunft sehen. Elf Handlungsfelder wurden daraus abgeleitet - etwa die Bereiche Scheinwerfer, elektromechanische Lenkung oder Komponenten der Elektromobilität. Hier tüfteln Wissenschaftler und Handwerker nun gemeinsam an Verbesserungsmöglichkeiten - und an Schulungsprogrammen für Mechaniker. „Das Wissen soll in die Betriebe transferiert werden“, sagt Erlbacher. Von November an seien erste Workshops geplant.

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Das Projekt läuft bis 2015 mit einem Gesamtetat von vier Millionen Euro. Das bayerische Wirtschaftsministerium unterstützt die Arbeiten mit etwa drei Millionen Euro.

dpa

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