Amok-Fahrerin vom Ammersee: "Wollte ihm nicht wehtun"

Augsburg - Der Prozess um die Amok-Fahrt vom Ammersee spitzt sich weiter zu! Inzwischen muss die angeklagte 47-jährige Frauenärztin Dagmar O. sogar mit einer Verurteilung wegen versuchten Mordes rechnen.

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Sie handelte aus Rache - laut Staatsanwältin sind dies „niedere Beweggründe“. Ende August hatte Dagmar O. nach einem Bagatellunfall - ein Radler hatte ihr den Außenspiegel weggefahren und ihr den Stinkefinger gezeigt – einen flüchtenden Mountainbiker verfolgt. Nach zwei Kilometern holte sie den Mann ein und überrollte ihn eiskalt. „Das macht der nie wieder!“, soll die Ärztin das Opfer Michael S. angeschrien, seinen mit Blut überströmten Kopf dabei sogar in die Hand genommen haben!

Was ging nur in der Frau vor? „Ich wollte ihm nicht wehtun“, erzählte sie am zweiten Prozess­tag dem Landgericht Augsburg. „So bin ich doch gar nicht. Das sind freie Erfindungen“, soll sie gesagt haben. Sie kann sich nicht erklären, was am 31. August 2008 überhaupt los war, hat zudem große Erinnerungslücken.

Fest steht: Dagmar O.’s Leben war zum Zeitpunkt der Fahrt aus den Fugen geraten: Sie hatte ein Kind verloren, ließ sich scheiden. Nahm Medikamente, darunter Beruhigungsmittel und Antidepressiva. Außerdem trank sie drei, vier Bier oder auch mal eine Flasche Rotwein am Abend. Und dann wurde ein Kind auch noch krank. Die arbeitslose Ärztin war im Dauerstress. „Ich wusste nicht, wie es weitergeht“, sagt Dagmar O. Sie zittert, als sie das erzählt.

Traf es zudem einen völlig Unschuldigen? Denn vielleicht war es gar nicht Michael S., der den Außenspiegel beschädigt und ihr den Mittelfinger gezeigt hatte. Das sagt der Opfer-Anwalt Siegfried Spatzl: „Es ist nichts bewiesen.“ Der Radfahrer, der mit seinem Fuß in den Spiegel des A-Klassen-Mercedes trat, sei nämlich anders angezogen gewesen als sein Mandant: Michael S. trug eine Baumwollhose und ein T-Shirt. Der Radl-Rambo soll aber sportlicher angezogen gewesen sein. Hat die Ärztin einen Unbeteiligten fast zu Tode gefahren? Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt, dann soll das Urteil folgen.

Martin Aerzbäck

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