Nach Zugkatastrophe

Andacht in Bad Aibling: Ein kleines Licht in der Dunkelheit

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Ein kleines Trauergesteck mit Kerzen und Blumen wurde nach dem Unglück von Bad Aibling niedergelegt.

Bad Aibling - Eine Stadt trauert um die Opfer der Zugkatastrophe: In Bad Aibling wurde am Dienstagabend der Toten und Verletzten gedacht. Am Ende erstrahlte die Pfarrkirche im Lichtermeer.

In unserem Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen nach dem Zugunglück von Bad Aibling auf dem Laufenden.

Eine Wanne voll mit Sand sollte das Licht zurück in die Herzen der Bad Aiblinger bringen. In diese Wanne steckten die rund 200 Menschen, die am Dienstagabend die kurzfristig angesetzte ökumenische Andacht in der katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt besuchten, ihre Kerzen. „Wir haben uns viel Zeit genommen dafür“, sagt Stadtpfarrer Georg Neumaier. „Ich glaube, fast alle haben das Angebot wahrgenommen.“ Am Ende erstrahlte der Altarraum in einem Lichtermeer. Neumaier sagt: „Wir haben die Dunkelheit dieses Tages wieder ein wenig aufgehellt.“

Die Dunkelheit kam im Morgengrauen. Gegen 6.45 Uhr krachten am Dienstag bei Bad Aibling im Landkreis Rosenheim zwei Meridian-Züge ineinander. Zehn Tote, dutzende Verletzte, die meisten von ihnen aus der Region. Es ist eines der größten Zugunglücke in der Geschichte Bayerns. Vor dem Bad Aiblinger Rathaus hängen die Fahnen auf Halbmast. Die Region trauert.

Pfarrer Neumaier und sein evangelischer Kollege Andreas Strauß haben die schwierige Aufgabe, Angehörige und Bekannte der Opfer sowie Helfer und Beteiligte der Rettungsaktion seelsorgerisch zu begleiten. Doch welche Worte wählt man nach so einem tragischen Unglück? „Eigentlich gar keine. Man versucht den Menschen Raum zu geben und da zu sein, statt viel zu sagen“, sagt Pfarrer Strauß. Wenige Stunden nach dem tödlichen Zusammenstoß entschlossen sich die Geistlichen, am Abend eine gemeinsame Andacht zu halten. Um „Sorgen und Trauer vor Gott zu tragen, in dem Glauben, dass er hört“, sagt Strauß. Weihbischof Wolfgang Bischof war gekommen, ebenso wie Bürgermeister Felix Schwaller. „Die Stimmung war gehalten, fast meditativ“, sagt Neumaier. Nicht nur in der vollen Kirche, sondern im ganzen Ort. „Alle sind betroffen.“

„Es ist für alle ein Schock“, sagt Bürgermeister Schwaller. „Normal kennt man solche Bilder nur aus der Tagesschau, irgendwo aus der Welt. Aber nicht vor den Toren von Bad Aibling.“ Schwaller steckte bereits im Faschingskostüm, als ihn die schreckliche Nachricht am Dienstagmorgen erreichte. Er zog sich sofort um und eilte zur Unfallstelle. Seine Gedanken beim ersten Anblick: „Ich konnte es nicht fassen.“ Seitdem ist Schwaller im Dauereinsatz, doch für die Andacht nahm er sich Zeit. „Es war wirklich würdevoll“, sagt er. Es seien auch Angehörige von Opfern in der Kirche gewesen. „Die Pfarrer haben die richtigen Worte gefunden, gerade weil sie nicht zu viel gesprochen haben.“

Die Anteilnahme an den Geschehnissen ist groß. Nicht nur in in der Pfarrkirche brennen die Kerzen, auch an der Mariensäule vor dem Rathaus haben die Menschen Rosen und Tulpen niedergelegt. Wind und Regen haben die Kerzen gelöscht. Auch im Internet bekunden die Menschen ihre Trauer: „Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren“ – mit diesem Goethe-Zitat zeigt ein Mann in einem eigens eingerichteten Online-Kondolenzbuch sein Mitgefühl. Im Minutentakt laufen dort am Mittwoch die Beileidsbekundungen ein. Und auch auf der Facebook-Seite der ehemaligen US-Basis Bad Aibling Station schicken frühere Mitarbeiter Gebete und Trauerbekundungen aus den Vereinigten Staaten in ihre alte Heimat Bad Aibling. Die Botschaft ist auf allen Kanälen die gleiche: In Gedanken sind wir bei Euch. Ihr seid in Eurer Trauer nicht allein.

+++ Alle Neuigkeiten rund um die Tragödie von Bad Aibling finden Sie im Live-Ticker vom Mittwoch +++

D. Göttler

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