Mann nach Festnahme psychisch auffällig

Amokläufer in Franken: Er handelte wohl im Wahn

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Warum hat der Amokläufer in Franken zwei Menschen erschossen? Die Polizei will über neue Erkenntnisse berichten.

Ansbach/Leutershausen - Nach dem Amoklauf mit zwei Toten in Mittelfranken herrscht über das Motiv des Todesschützen weiter völlige Unklarheit. An diesem Samstag will die Staatsanwaltschaft Ansbach über weitere Erkenntnisse bei der Aufklärung des Verbrechens berichten.

Update vom 19. Juli 2016: Schon wieder hat sich ein Amoklauf ereignet: Ein 17-jähriger Afghane hat in einem Regionalzug bei Würzburg Fahrgäste mit Axt und Messer angegriffen. In unserem Ticker zum Amoklauf in Würzburg bleiben Sie weiter auf dem Laufenden.

Der mutmaßliche Amokläufer von Leutershausen leidet vermutlich unter einer gravierenden psychischen Störung. Ein psychiatrischer Sachverständiger äußerte nach einer vorläufigen Begutachtung den Verdacht, dass eine „akute Psychose mit einem bizarren Wahnsystem“ vorliege. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Ansbach am Samstag mit. „Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind dringende Gründe für die Annahme vorhanden, dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zur Tatzeit zumindest erheblich vermindert war.“

Vor einer abschließenden Diagnose seien jedoch weitere Unersuchungen nötig. Das abschließende Sachverständigengutachten sei deshalb erst in zwei bis drei Monaten zu erwarten, hieß es in der Mitteilung.

Der Beschuldigte hatte beim Ermittlungsrichter angegeben, Gesundheits- und Krankenpfleger zu sein und vor wenigen Monaten seine Stelle verloren zu haben. Zu dem Amoklauf vom Vortag, dem eine 82 Jahre alte Frau und ein 72 Jahre alter Mann zum Opfer gefallen waren, äußerte er sich nicht. Daher blieb auch das Motiv des mutmaßlichen Täters weiter im Dunkeln.

Der Ermittlungsrichter erließ einen Unterbringungsbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes in zwei Fällen, des versuchten Mordes in zwei Fällen sowie der Bedrohung und der Nötigung. Der 47-Jährige wurde anschließend statt in ein Gefängnis in das Bezirkskrankenhaus Ansbach gebracht.

Auf der Suche nach dem Motiv

In den ersten Stunden nach dem Geschehen waren die Ermittler davon ausgegangen, dass der Amokläufer seine Opfer völlig zufällig ausgewählt hatte. Wenige Stunden nach der Tat war ein 47 Jahre alter Sportschütze festgenommen worden.

In Leutershausen im Landkreis Ansbach war zunächst eine 82 Jahre alte Frau erschossen worden. Wenige Minuten später fiel dann ein zufällig vorbeiradelnder 72-Jähriger dem Amokschützen zum Opfer. Danach feuerte der Mann nach Polizeiangaben noch auf einen Landwirt in seinem Traktor und bedrohte einen Autofahrer. Der Bauer wurde durch Glassplitter leicht verletzt, das Geschoss traf ihn nicht.

Danach fuhr der mutmaßliche Schütze ins rund 30 Kilometer entfernte Bad Windsheim. Dort konnten ihn Mitarbeiter einer Tankstelle überwältigen. Wenig später wurde er dann von der Polizei festgenommen.

Die Ermittler warfen dem 47-Jährigen zweifachen Mord und einen Mordversuch vor. Der Mann verhielt sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft kurz nach seiner Festnahme psychisch auffällig. Eine Pistole und einen Revolver habe der Sportschütze legal besessen.

„So ein Ereignis führt zu einer Verunsicherung. Und die ist bei von Menschen verursachten Taten höher als bei Naturkatastrophen“, sagte der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann, Leiter des Instituts Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben die Erwartung, in Deutschland kann man sich frei bewegen.“

Diese Verunsicherung hatte bereits der Bürgermeister von Leutershausen, Siegfried Heß (CSU), ausgesprochen: In einem Ort mit 5500 Einwohnern, „in dem wir immer beschaulich gelebt haben, kannte man solche Situationen nur aus dem Fernsehen“.

Amokläufer gehörte keinem Schützenverein an

Der 47 Jahre alte Schütze war nach Angaben örtlicher Schützenvereine dort kein Mitglied. „Der ist in ganz Ansbach nicht bekannt“, sagte Norbert Rzychon vom SV Germania 1882 am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Wenige Stunden nach der Tat am Freitag im mittelfränkischen Leutershausen hätten sich die Vereine aus Ansbach und den Ortsteilen zusammengeschaltet. Doch niemand kannte Rzychon zufolge den Mann, der nach Angaben der Ermittler aus Ansbach stammt und eine Waffenbesitzkarte hat. Er besaß seine Pistole und seinen Revolver somit legal, hätte sie aber nur in einem Sportheim benutzen dürfen.

dpa

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