Attacke mit Nagelbombe

Verletzte mussten wiederbelebt werden: Zeuge spricht über Ansbach-Anschlag

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Polizisten durchsuchen die Wohnung des Syrers: Sie finden weiteres Material zum Bombenbauen.

Ansbach - Bei dem feigen Nagelbomben-Anschlag von Ansbach kommt nur der Täter selbst ums Leben. Dabei hätte es beinahe auch Opfer zu beklagen gegeben, wie ein Augenzeuge berichtet.

Update vom 28. Juli 2016: In einer Pressekonferenz wird sich Kanzlerin Angela Merkel heute unter anderem zu dem Attentat in Ansbach äußern. Wir sind im Live-Ticker für Sie mit dabei.

Der Abend ist fortgeschritten, einige haben den Festivalplatz neben dem Ansbacher Schloss bereits verlassen. Viele andere genießen an diesem lauen Sommerabend aber noch den Ausklang des Open Ansbach-Festivals, als kurz nach 22 Uhr eine Explosion die Fans der Deutschpoeten Philipp Dittberner und Gregor Meyle aus ihren Sommerträumen reißt. Eine Detonation an einem der Eingänge. Wieder ein Anschlag, sechs Tage nur nach der Axt-Attacke mit fünf Verletzten von Würzburg durch einen Flüchtling! Diesmal ist der Täter ein 27-jähriger Syrer, der vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen ist. Sein Asylantrag war zwar abgelehnt worden, er wurde aber geduldet.

Moham­mad D. zündete eine Nagelbombe. Er kam ums Leben, es gibt 15 Verletzte, vier davon sind schwer verletzt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach am Montag von einem Terroranschlag mit islamistischer Überzeugung des Täters. Der Minister verriet Details: Auf einem Handy gebe es eine Anschlagsdrohung des Täters als Video; der Mann habe einen Racheakt gegen Deutsche angekündigt als Vergeltung, weil sie Muslime umbrächten.

In einer Übersetzung des arabischen Textes heiße es, der Täter handle im Namen Allahs. Der Mann beziehe sich auf Abu Bakr al-Bagdadi - den Anführer des Islamischen Staates. Prompt meldete das IS-Sprachrohr Amak, Moham­mad D. sei ein "Soldat des Islamischen Staates". Und prompt übernahm deshalb die Bundesanwaltschaft die weiteren Ermittlungen.

Attentäter wurde nicht aufs Gelände gelassen

Der Security war der Syrer eine Viertelstunde vor der Explosion aufgefallen. Der Mann mit Rucksack war vor dem Eingang auf- und abgegangen. Er wollte aufs Festival, wurde aber von einem Sicherheitsmann nicht eingelassen, weil er keine Karte hatte. Zum Glück, denn die Ermittler sind sich sicher: Die im Rucksack verstaute Bombe mit Metallsplittern hätte eine große Anzahl an Todesopfern gefordert. Gleichzeitig wäre es ein Anschlag auf die Volksvertretung gewesen: Das Festival-Gelände ist Teil des Schlosskomplexes, der die Regierung von Mittelfranken beherbergt.

Weil er aber nicht reinkam, hielt sich Mohammad D. davor in einem Weinlokal auf. Dort kam es gegen 22.10 Uhr zur Explosion. Kevin Krieger war kurz danach am Tatort: "Der Sicherheitsdienst rannte zum Eingang, wo zwei Leute auf dem Boden lagen. Zwei kamen zu mir, hatten Verletzungen am Kopf und Hals. Ich habe sie beruhigt. Sie haben gesagt, dass jemand einen Rucksack von oben geworfen hat. Die Polizei hat den Platz geräumt, niemand hat geschrien, alle gingen ganz normal." Zwei der Verletzten seien wiederbelebt worden.

In welchem Umfeld sich der 27-Jährige bewegte, woher er den Sprengstoff hatte, war unklar. Joachim Herrmann sagte, dass bei der Durchsuchung der Wohnung "eine Fülle weiterer Materialien gefunden wurden, die zum Bau weiterer Bomben geeignet gewesen wären". Ministerpräsident Horst Seehofer forderte eine rasche Aufklärung der Tat: "Nur so können wir die richtigen Schlussfolgerungen ziehen."

mc

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