Innenminister Herrmann sorgt für Unruhe

B 15 neu: Jetzt droht der nächste Aufstand

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Stellte sich den Protesten: Joachim Herrmann am Samstag in Hinterberg bei Dorfen.

München - Kaum ein Verkehrsprojekt in Oberbayern wühlt die Bürger im Osten von München mehr auf als die B15 – die kommende Hauptachse zwischen Nord und Süd.

Sie fängt in Regensburg an und endet nahe Rosenheim auf der A 8. Wenn alles mal fertig ist, wird sie 132 Kilometer lang sein und soll den Verkehr um München massiv entlasten. Gerade um die Strecke von Landshut nach Rosenheim gibt es seit Monaten indes massive Proteste, viele befürchten, es solle hier eine Autobahn durch die Hintertür mit verniedlichtem Namen daherkommen – und von der Politik kommen alles andere als beschwichtigende Signale. Wie etwa am Samstag, als Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nahe Dorfen plötzlich eine völlig neue Trassenführung von Landshut in den Kreis Rosenheim vorstellte. Die Strecke ist sechs Kilometer kürzer und könnte abschnittsweise gebaut werden.

Die Variante soll aber auch im Unterschied zur bereits angemeldeten Trasse B15 neu, die durch den Landkreis Mühldorf gehen würde, nun nahe an der bestehenden Bundesstraße verlaufen und dabei zunächst das Landshuter und dann Erdinger Gebiet betreffen. Umfahren werden jeweils im Westen die Orte Taufkirchen, Dorfen, Sankt Wolfgang und Haag/Oberbayern. Herrmann: „Mit dem neuen Trassenvorschlag hat man den Wunsch aus dem Landkreis Mühldorf aufgegriffen, weitere Alternativen zur bestehenden Anmeldetrasse für den Bundesverkehrswegeplan zu entwickeln, die weniger weit im Osten liegen.“

Damit gibt es nun neben der bestehenden B15 die dritte Trassenvariante in diesem Bereich. Eine erste, bereits vor 40 Jahren entwickelte von Geisenhausen auf die A 94 wurde wegen Umweltschutzgründen nicht realisiert, stattdessen wurde diese Variante noch weiter nach Osten verlegt.

"Wir fordern den sofortigen Stopp dieser Planung"

Die Politiker im Kreis Erding hatten von dem neuen Trassenverlauf erst am Donnerstag erfahren – nicht aus dem Ministerium, sondern vom MdB und Stimmkreisabgeordneten Andreas Lenz (CSU) aus Jakobneuharting.

Völlig vor den Kopf gestoßen gestand Parteifreund und Erdings Landrat Martin Bayerstorfer: „Das ist ein Hammer! Wir fordern den sofortigen Stopp dieser Planung.“ Der Kreis werde alles unternehmen, dass eine solche Trassierung unmöglich gemacht wird. Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) meinte: „So darf man mit uns nicht umgehen.“ Taufkirchens Rathauschef Franz Hofstetter (CSU) sprach von „reiner Verarsche“, und sein Kollege aus Sankt Wolfgang, Ullrich Gaigl (FW), davon, „dass ich mir meine Gemeinde von der B15 neu nicht zerschneiden lasse“. Ähnlich entsetzt wirkten Lokalpolitiker aus kleineren Gemeinden.

Minister Herrmann erkannte „Interessenkonflikte zwischen einigen Gemeinden im Landkreis Mühldorf und Landkreis Erding“. Man müsse im neuen Jahr in einen noch intensiveren Dialog mit den Vertretern der Region und der Bürgerschaft selbst eintreten. „Ich will keine Straße gegen den Willen der Bürger bauen, sondern ich will eine Straße für die Menschen hier bauen.“ Ob’s gelingt? Noch sei man im Innenministerium und in der Obersten Baubehörde völlig ergebnisoffen, was Trasse und Ausbaustandard beträfe. Mit dem Bau, so ein hoher Beamter, könne nicht vor dem Jahr 2020 begonnen werden. Eines ist schon jetzt klar: Die Behörden müssen mit viel Widerstand rechnen.

ahu/mc

Markus Christandl

Markus Christandl

E-Mail:markus.christandl@tz.de

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