Lebensgefahr für Nichtschwimmer

An Badeseen: BRK warnt Flüchtlinge mit neuen Schildern

München - 112 Menschen starben im vergangenen Jahr beim Baden in Bayerns Flüssen und Seen – darunter viele Flüchtlinge. Der BRK-Verband München hat deshalb spezielle Warnschilder entwickelt.

Ein Sommertag, ein Badeausflug mit Freunden. Der 16-jährige Flüchtling springt in die Isar bei Wolfratshausen, aber er unterschätzt die Kraft des Stroms, der noch immer ein Wildfluss ist. Das Wasser reißt ihn mit. Zwei Wochen später findet man seinen toten Körper an einem Kraftwerk. Der Fall ist erst ein paar Tage alt, er gleicht vielen anderen. Allein im Jahr 2015 ertranken deutschlandweit 27 Flüchtlinge bei Badeunfällen. Als die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) die Zahl bekannt gab, hieß es, sie bereite den Rettern „besondere Sorgen“.

Absurde Todesfälle

Eigentlich absurd, findet Heinz Effenberger. „Sie schaffen den Weg übers Meer und ertrinken in unseren Seen.“ Der Kreisverband München des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), bei dem Effenberger aktiv ist, versuchte es mit Schwimmkursen für Flüchtlinge, scheiterte aber, wegen Personal- und Bädermangels. „Wir dachten, dass wir was tun müssen“, sagt Effenberger. Dann kam ihm und einer Kollegin die Idee mit den Gefahrenschildern.

Auf rotem Hintergrund werden die sechs wichtigsten Baderegeln für die Gewässer in und um München erklärt. Hingucker sind die Bilder: Sie zeigen stark stilisierte, gelbe Männchen, die in gefährliche Situationen geraten sind. Manchmal erschließt sich der Sinn nicht gleich, etwa bei der Figur, die mit einem aufgeblasenen Gummiring dargestellt ist. Springt das Männchen in den Ring? Trifft es die Mitte? Will es das überhaupt? Text lesen hilft. Neben Deutsch werden die illustrierten Regeln auch noch auf Englisch, Französisch, Arabisch und Dari/Farsi erläutert.

BRK-Entwürfe stellen konkrete Regeln dar

Zwar gibt es an vielen Badestellen schon Schilder, die auf verschiedenen Sprachen warnen – auch im Kreis München. Aber sie weisen nur abstrakt auf Gefahren hin. Die BRK-Entwürfe stellen dagegen konkrete Baderegeln dar. Sie sind Zeichnungen nachempfunden, die bislang vor allem in Schwimmbädern aushängen – um Beispiel im Further Bad in Oberhaching (Kreis München), in dem Effenberger arbeitet. Er sagt: „Wir sind bisher gut damit gefahren.“ Erst kürzlich hat Brigitte Hinz aus Fürstenfeldbruck an einem der vielen Seen nach so einem Schild gesucht. Auf einem stand „Attention!“ – also „Vorsicht!“ Aber das war es dann schon. Dabei, sagt sie, wären Schilder sehr wichtig. „Denn die meisten Flüchtlinge können nicht schwimmen.“

Hinz bietet seit zwei Jahren Schwimmkurse für junge Asylsuchende an. Besonders tückisch, sagt sie, sind die Baggerseen in der Umgebung. „Die Leute gehen rein und denken, sie können leicht drin stehen.“ Dabei geht es nach einigen Metern steil bergab. Wer dann in Panik gerät, sagt Hinz, der ist verloren.

"Schnell und ohne Bürokratie eine Lösung finden"

Genau darauf weist auch eines der BRK-Schilder hin. Ein anderes warnt davor, überhitzt ins Wasser zu springen, das nächste zeigt ein Männchen, das sich bei einem Gewitter ans Ufer rettet. Effenberger und seine Kollegin haben sowohl die Übersetzung als auch die Neugestaltung der Bilder in professionelle Hände gegeben. Dass sie nicht auf die bereits bestehenden Grafiken zurückgriffen, hat mit dem Urheberrecht zu tun. „Wir wollten schnell und ohne Bürokratie eine Lösung finden.“

Vergangene Woche haben sie die fertigen Entwürfe an de zuständigen Ämter und Behörden geschickt – zur freien Verwendung. Man kann die Vorlagen auf Schilder pressen, hochauflösend drucken – oder auch übers Handy verschicken. Je mehr Flüchtlinge die Regeln sehen und beherzigen, desto besser.

Am sinnvollsten wäre es, die Flüchtlinge würden ins Schwimmbad gehen, sagt Brigitte Hinz. Natürlich weiß sie auch, dass ihnen dazu meist das Geld fehlt. Stattdessen schwimmen sie also in der Isar oder einem Baggersee. Wäre also zu hoffen, dass die BRK-Schilder sich verbreiten.

Rubriklistenbild: © BRK

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