Landesausstellung eröffnet

Karl IV. ist zurück in Nürnberg

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Ein Vortragekreuz aus Bergkristall (r) und ein Sakramentshäuschen aus der Wenzelskapelle sind im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen.

Nürnberg - Kaiser Karl IV. mochte Nürnberg: Für den Mittelalter-Herrscher war es der zweithäufigste Aufenthaltsort. Die ehemalige Reichsstadt bietet sich also geradezu an, hier die bayerisch-tschechische Landesausstellung zum 700. Geburtstag des Kaisers zu zeigen.

Der Kaiser ist zurück: Die bayerisch-tschechische Landesausstellung zum 700. Geburtstag von Karl IV. ist in der alten Kaiserstadt Nürnberg mit einem Festakt eröffnet worden. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach von einer „Sternstunde der Ausstellungskunst“. Die Landesausstellung im Germanischen Nationalmuseum sei gelebte Völkerverständigung. Sie sei ein Meilenstein in der kulturellen Begegnung beider Länder.

Tschechiens Ministerpräsident wünscht mehr „kulturelle Brücken“

Der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka äußerte den Wunsch, dass es in Zukunft mehr solcher „kulturellen Brücken“ geben werde. „Junge Brückenbauer“ konnte Seehofer bereits aufzählen: In der Grenzregion gebe es immer mehr deutsche Schüler, die Tschechisch als Fremdsprache lernten. Bayerische Studenten absolvierten gerne ein Auslandssemester in Prag, tschechische Studenten im Gegenzug in München. „Bayern und Tschechen sind wieder Freunde im Herzen Europas“, sagte Seehofer vor 700 geladenen Gästen.

Nürnberg verdankte Karl IV. im Mittelalter einen immensen Zuwachs an Bedeutung: In der Goldenen Bulle von 1356 legte er fest, dass jeder neugewählte König seinen ersten Reichstag in Nürnberg abhalten sollte. Das Reichs-Grundgesetz kann in der Schau in mehreren Sprachen gelesen werden.

„Goldene Straße“ hat Karl IV. geschaffen

Seehofer erinnerte an die „großartigen Bauten“, die der deutsch-römische und böhmische König (1316-1378) der Stadt Nürnberg bescherte habe: Die Kaiserburg und die Frauenkirche. Die von Kaiser Karl IV. geschaffene „Goldene Straße“ zwischen Nürnberg und Prag war über Jahrhunderte die wichtigste Verbindungsstraße zwischen Böhmen und Bayern.

Zu den Höhepunkten der Schau mit 180 Exponaten gehört eine Votivtafel, die um 1370 gefertigt wurde und den bärtigen Karl IV. mit goldener Krone zeigt. Eine Ratte symbolisiert die seinerzeit grassierende Pest. Karl IV. habe Bedeutendes geschaffen in einer Epoche voller Naturkatastrophen und Epidemien, sagte Sobotka. Der mit vielen Vorurteilen belegte Herrscher habe stets die Diplomatie dem Krieg und die Rechtsanwälte den Kriegsführern vorgezogen.

Ein Herrscher mit Licht und Schatten

Doch die Ausstellung ist kein reines Loblied: Karl IV. habe in Nürnberg einen der übelsten Juden-Pogrome verursacht, rief Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) in Erinnerung. Die Ausstellung beleuchtet dieses Kapitel. „Auch das war Karl IV. - ein Herrscher mit Licht und Schatten“, sagte Spaenle.

Von Mai bis September war die vom Haus der Bayerischen Geschichte und der Nationalgalerie Prag organisierte Ausstellung bereits in Prag zu sehen - rund 93 000 Besucher kamen damals. Während der bis Anfang März dauernden Landesausstellung in Nürnberg sind in Bayern mehr als 500 Veranstaltungen rund um den schillerenden Herrscher geplant.

dpa

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