Bertelsmann-Studie 

In Bayern sind die wenigsten Kinder arm

München - Knapp sieben Prozent der Kinder in Bayern leben in Armut. Das ist zwar bundesweit der niedrigste Wert. Aber auch im Freistaat gibt es Orte mit besonders hohen Quoten.

Heute ist so ein Tag, an dem sich die Armut nur schwer verbergen lässt. Erster Schultag, viele Kinder sind mit Schulranzen ausgestattet, die nicht selten 150 Euro oder mehr kosten. Stifte, Hefte, Malkästen sind da noch gar nicht mitgerechnet. „Es gibt aber Eltern, die sich das nicht leisten können“, sagt Margot Czekal, Geschäftsführerin beim Landesverband des Deutschen Kinderschutzbunds (DKSB). Ihnen fehlt schlicht das Geld.

Die Sache mit den Schulranzen ist nur ein Indikator für ein großes Thema, das auch in Bayern an Bedeutung gewinnt. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt, dass im Freistaat 6,8 Prozent der Kinder von Armut betroffen sind. Das ist zwar weit unter dem Bundesschnitt, der bei 14,7 Prozent liegt, und noch weiter unter der Quote von Stadtstaaten wie Bremen (31,6 Prozent) oder Berlin (32,2 Prozent). Aber auch im Freistaat sind die Zahlen im Vergleich zu 2011 (damals waren es 6,4 Prozent) gestiegen.

Auffällig ist: Je nach Region sind die Unterschiede besonders groß. Während die Quote im Unterallgäu bei 2,4 Prozent, in Eichstätt sogar bei nur 1,9 Prozent liegt, wächst sich das Thema in großen Städten zu einem echten Problem aus. In Schweinfurt (21,9 Prozent), Hof (21,5 Prozent) und Nürnberg (20,3 Prozent) gibt es die meisten armen Kinder. Auch die Hauptstadt München liegt mit 11,8 Prozent klar über dem Landesdurchschnitt.

Die Studie definiert all jene Kinder unter 18 Jahren als arm, deren Eltern Hartz-IV-Leistungen erhalten. Besondere Risikogruppen sind große Familien mit mehr als drei Kindern – und alleinerziehende Elternteile. Mehr als die Hälfte der gut 141 000 armen Kinder – nämlich 54,4 Prozent – lebt bei nur einem Elternteil. „Das ist über dem Bundesdurchschnitt“, sagt Christine Kruse von der Bertelsmann-Stiftung. Der liegt bei rund 50 Prozent.

Czekal wundert das nicht. „90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Deren Situation ist per se schwierig.“ Teilzeitstellen sind für sie oft nur schwer zu bekommen und bringen nicht genug Geld, um die Familie zu versorgen. Außerdem zahlen viele Väter den fälligen Unterhalt nicht. Am Ende leiden die Kinder.

Die Situation ist paradox: Insgesamt steigt der Wohlstand, trotzdem gibt es mehr arme Kinder. „Es hat uns etwas schockiert, dass sich in den letzten Jahren nichts an deren Situation geändert hat“, sagt Christine Kruse. Je länger ein Kind in Armut lebt, desto negativer sind die Auswirkungen auf die soziale Teilhabe und die Entwicklung. Das zeigt eine Meta-Studie des Frankfurter Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Das zeigt aber auch die Erfahrung. „Es fehlt das Geld für gute Kleidung und Ernährung, für Nachhilfe, für Klassenfahrten“, sagt Czekal. Auch gesundheitlich sind Kinder armer Familien schlechter dran. Das beeinflusst auch die Zukunft. „Armut vererbt sich.“

In großen Städten wie München wird das Problem besonders deutlich – und es hat viele Facetten. „In manchen Vierteln gibt es Kinder, die kein Fahrrad haben und noch nie den Marienplatz gesehen haben“, sagt Norbert J. Huber, Geschäftsführer der Caritas. Aber es gibt auch Fortschritte. Die Stadt sei bemüht, jenen Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind, etwa bei der Vermittlung von Krippenplätzen zu helfen. „Wer die verfestigte Armut beseitigen will“, sagt Huber, „der muss Kinder so früh wie möglich fördern.“

Auf kommunaler Ebene mag sich einiges tun – aber darüber hinaus? Margot Czekal sagt: „Ich sehe keine politische Maßnahme, die etwas an der Kinderarmut ändern würde.“

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