Langsame Umsetzung

Brenner-Basistunnel: Bayern schaut weiter in die Röhre

Verkehrsminister Joachim Herrmann.

Innsbruck - Eine direkte Verbindung von Insbruck bis Bozen, davon träumen Eisenbahner schon lange. Dieser Traum wird langsam Wirklichkeit in Tirol. Nahezu, denn die Deutschen ziehen noch nicht mit.

Seit über 140 Jahren träumen die Eisenbahner von einer direkten Verbindung von Innsbruck bis Bozen, die die Fahrtzeit enorm verkürzen und die Leistungsfähigkeit der Schienenmagistrale erhöhen würde. In Tirol ist man diesem Traum sehr nahe gekommen: Fahrzeiten für den Personenzug von drei Stunden von München sollen ab Eröffnung im Jahr 2026 möglich sein. Der Brenner-Basistunnel (BBT) macht in Österreich und Italien große Fortschritte. Davon konnten sich u.a. Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) und Kommunalpolitiker aus dem Inntal bei einer Besichtigung überzeugen.

tz-Redakteur Johannes Welte hat sich die Großbaustelle ganz genau angeschaut.

Wo ein paar Hundert Meter oberhalb der Brummiverkehr nach Italien donnert, verschluckt ein Tunnelschlund die mit der Politprominenz besetzten Busse. Links und rechts des Portals türmen sich Wohnblock hohe Halden von Kies. An drei Stellen rücken derzeit über 500 Arbeiter dem Gebirge zuleibe: an der Sill im Süden, wo die Delegation einfährt, bei St. Jodok nördlich des Brennerpasses, und bei Trens südlich der Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien.

Neonröhren schimmern in dem Labyrinth aus Schächten und Tunnels. Die Reisegruppe empfängt ein strenger Salpetergeruch. Der stammt von Sprenggasen.

Konrad Bergmeister von der BBT-Baugesellschaft berichtet in dieser Atmosphäre vom Stand der Bauarbeiten: Mit dem von Kufstein kommenden Gütertunnel, der Innsbruck umfährt, wird der BBT 64 Kilometer lang, davon sind acht Kilometer fertiggestellt. Insgesamt wird das Tunnelsystem 230 Kilometer messen. Vom Zugang bei Innsbruck frisst sich die Tunnelbaumaschine 50 Meter pro Tag nach vorne. Im Tiroler Inntal ist die Strecke bis Wörgl ausgebaut, für die Strecke bis Kufstein laufen die Planungen. Auch südlich des Tunnels geht es flott voran: Bei Franzensfeste wollen die Südtiroler nächstes Jahr die letzte noch fehlende Zulaufstrecke ausschreiben.

Doch auf der deutschen Seite lässt man sich weiter Zeit: Seit Anfang dieses Jahres erarbeitet ein Streckenplaner grobe Trassierungsvorschläge. Für den Raum Rosenheim wird eine Korridorstudie erstellt. Deutsche und österreichische Bahn verhandelten mit den Bürgern vor Ort. Herrmann dazu: „Ich will eine breite Akzeptanz für dieses für Bayern so wichtige Infrastrukturprojekt sicherstellen.“ Das Problem: Der Platz im Inntal ist eng, alle wollen teure Tunnels für die zwei neuen notwendigen Gleise. Deshalb glauben Insider, dass es vor 2040 keine ausgebaute bayerische Zulaufstrecke geben wird. Die Bahn findet das nicht so schlimm: Denn eine einzelne Lok könne künftig mehr Waggons durch den Tunnel ziehen. Außerdem gebe es mit dem nun eröffneten Gotthardtunnel eine Konkurrenz zum BBT.

Zehn Fakten zum BBT

1. Der Brenner-Basistunnel wird mit insgesamt 64 Kilometern die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt.

2. 49 Kilometer des Tunnels sind bereits ausgebrochen.

3. Das Projekt soll 8,5 Milliarden Euro kosten.

4. Ein Drittel bezahlt die EU.

5. Der Tunnel wird aus zwei Röhren mit Einbahnverkehr bestehen.

6. Fertiggestellt wird das Riesenprojekt 2025.

7. Unglaubliche 17 Millionen Kubikmeter Erde werden aus dem Berg gegraben – das ist ein gefüllter Würfel mit 257 Metern Kantenlänge.

8. Güterzüge dürfen später mit einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern durch die Röhre fahren – die Personenzüge sogar mit maximal 250 km/h.

9. Der Brenner ist mit 1371 Metern der niedrigste Alpenpass.

10. Durch den Tunnel verkürzt sich die Fahrzeit um mehr als die Hälfte. Von Innsbruck nach Bozen braucht man dann 50 Minuten anstatt zwei Stunden.

auch interessant

Meistgelesen

Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft für Fahrdienstleiter von Bad Aibling
Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft für Fahrdienstleiter von Bad Aibling
Auto gerät außer Kontrolle - zwei Radfahrer getötet
Auto gerät außer Kontrolle - zwei Radfahrer getötet
Verfolgungsjagd durch Franken: Polizist schießt auf Flüchtenden
Verfolgungsjagd durch Franken: Polizist schießt auf Flüchtenden
Prozess um Zugunglück bei Bad Aibling: Das war der vierte Verhandlungstag
Prozess um Zugunglück bei Bad Aibling: Das war der vierte Verhandlungstag

Kommentare