Böse Überraschung

Drei Eimer Wasser: Postbotin tappt in Marderfalle

Steingaden – Weil er sich über einen Marder ärgerte, hat ein Mann aus Steingaden eine Falle aufgestellt, mit einer Schnur und drei Wassereimern. Doch nicht der Marder ging in diese Falle, sondern die Postbotin.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, schildert Hildegard Franke aus Prem den Vorfall. Seit 25 Jahren ist sie Postbotin und hilft meistens dort aus, wo der reguläre Briefträger im Urlaub ist oder wegen Krankheit ausfällt. Am vergangenen Mittwoch war sie in Steingaden unterwegs. Als sie dort bei einem Haus eine Postsendung einwerfen wollte und über den Garagevorplatz auf den Briefkasten an der Hauswand zusteuerte, gab es auf einmal einen lauten Platscher. Hildegard Franke ist regelrecht erschrocken, denn neben ihr klatschten drei Wassereimer auf den Boden. „Ich war pitschnass und habe mich danach gleich umziehen müssen“, erzählt die Postbotin, die wie ein begossener Pudel dastand.

Da der Hausbewohner, der diese Wasserfalle aufgestellt hatte, nicht zuhause war, hat ihn Hildegard Franke abends angerufen und um eine Erklärung gebeten. Der Mann gab hierbei zu verstehen, dass die Wassereimer nicht für die Postbotin gedacht gewesen seien, sondern für einen Marder, der gerne Kabel an Autos anknabbert und seine Fußspuren und Exkremente an den Fahrzeugen hinterlässt.

„Andere Leute stellen eine Tierfalle auf und erschlagen den Marder dann“, berichtet der Grundstücksbesitzer, der sich als Tierschützer outet und mit seiner Wasserfalle den Marder nur etwas ärgern wollte. Dazu hatte er unter dem Garagenvordach, wo sich auch der Briefkasten befindet, Wassereimer deponiert und ein ausgeklügeltes System installiert. Eine Schnur, knapp zehn Zentimeter über den Boden gespannt, war mit einem Mausefallenmechanismus verbunden, der ausgelöst wurde, sobald der Marder die Schnur berührte. Dann wiederum fielen die gefüllten Wassereimer vom Haken und krachten auf den Boden. Zum einen sollte der dadurch entstandene Lärm den Marder erschrecken, zum anderen das Wasser ihn nassspritzen. „Das hat ein paar Mal auch funktioniert, aber der Marder ist immer wieder zurückgekommen“, berichtet der Fallensteller. Und jedesmal hat das Tier seine Exkremente vor der Garage nahe des Briefkastens hinterlassen – sehr zum Ärger des Hausbesitzers, der deshalb seine Spezialfalle immer wieder neu aufstellte.

Diese ungewöhnliche Marderfalle war für Postbotin Hildegard Franke eigentlich nicht zu erkennen, denn sie kontrollierte noch einmal die Adresse auf dem Brief und schaute somit nicht auf den Boden, wo die Schnur gespannt war.

Die Marderfalle war bereits seit rund zwei Wochen aufgebaut, und angeblich wusste die reguläre Briefträgerin auch Bescheid – nur nicht die Aushilfspostbotin, die das abbekommen hat, was eigentlich für den Marder gedacht war.

Der Marderfallensteller hat der bespritzten Postbotin angeboten, etwaige Auslagen, die sie wegen des Vorfalls hatte, zu ersetzen. „Ich habe noch Glück gehabt, dass mir der Wassereimer nicht auf den Kopf gefallen ist“, erzählt Hildegard Franke. Bis auf die nasse Kleidung sei ihr aber kein Schaden entstanden. Trotzdem hat sie den Vorfall, über den sie im Nachhinein jetzt doch schmunzeln kann, ihrem Chef in Landsberg gemeldet. Da kann durchaus sein, dass der Hausbesitzer in den nächsten Tagen noch einen Brief bekommt.

Post-Pressesprecher Erwin Nier aus München hat zwar schon einiges erlebt, zum Beispiel dass Postboten ihre liebe Not mit Hunden hatten, aber dass ein Postler in eine Marderfalle geraten ist, das ist auch für ihn ein Novum. Er ist aber froh, dass die betroffene Briefträgerin mehr oder weniger mit dem Schrecken davongekommen ist und sich nicht verletzte. „Wenn das wirklich als Marderfalle gedacht ist, dann sollte der Hausbesitzer eine Warntafel aufstellen, denn bekanntlich können Marder nicht lesen“, so der Ratschlag von Postsprecher Nier. Der Hausbesitzer hat sich den Vorfall mit der Postbotin zu Herzen genommen und die Marderfalle mittlerweile abgebaut.

Michael Gretschmann

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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