Affäre um Modellautos geht weiter

Dreifachmörder verklagt Dr. Haderthauer

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Dr. Hubert Haderthauer mit Gattin Christine, Chefin der Bayerischen Staatskanzlei.

München - Erst waren sie Partner, jetzt führen sie „Krieg“ im Paragraphendschungel: Dreifachmörder Roland S. und Landgerichtsarzt Dr. Hubert Haderthauer.

Der im Bezirkskrankenhaus Straubing sitzende Straftäter hat den Gatten der Staatskanzlei-Chefin auf Schadensersatz (17 625 Euro) verklagt. Es geht um das edle Modell (1:10) eines Rolls Royce – und letztendlich um die Frage, wem es (zuletzt) gehört hat.

Klar ist, dass es Roland S. war, der den filigranen, aus tausenden Einzelteilen bestehenden Oldtimer-Nachbau kreiert hat. Das war 1972 und damit lange bevor sich Hubert Haderthauer und der Mörder über den Weg liefen. Das geschah 1988 auf höchst unterschiedlicher Augenhöhe.

Haderthauer war damals Arzt in der geschlossenen Abteilung des Bezirkskrankenhauses Ansbach, Roland S. nach seinem dritten Mord per gerichtlicher Zwangseinweisung genau dort untergebracht.

Gemeinsame Begeisterung für Oldtimer

Haderthauer und der Dreifachmörder fanden schnell eine gemeinsame Ebene. Grund war die geniale handwerkliche Begabung von Roland S., der im Auftrag einer Firma Modellautos herstellte und die Begeisterung von Hubert Haderthauer für Oldtimer teilte. Bereits im darauf folgenden Jahr (1989) schloss Haderthauer mit dem Dreifachmörder, den er zeitweise auch ärztlich behandelte, einen privaten Vertrag ab, der von beiden unterschrieben ist und der tz vorliegt.

In dem Vertrag geht es um den Kauf von zwei Mercedes-Modellen zum Preis von 30 000 D-Mark. Sie gehörten dem Vertrag zufolge zu einer Serie von Mercedes-Simplex-Oldtimer-Modellen, die die Firma in der Psychiatrie produzieren ließ. Auf ein Drittel der laufenden Modellserie hatte Roland S. offenbar einen Anspruch. Ausgelöst wird der jetzt ausgebrochene aktuelle Rechtsstreit durch den letzten Satz im Vertrag. Dort steht: „Bis zur Aushändigung der Fahrzeuge überlässt Herr S. zur Sicherheit Herrn Dr. Haderthauer sein Oldtimer-Modell Rolls Royce Bj. 1905.“

Lange war von dem einmaligen Modellauto nichts zu hören, dann tauchte der Rolls Royce im Jahr 2007 auf der Versteigerungsplattform von Christies wieder auf. Für exakt 17 625 Euro, genau der jetzt geltend gemachte Betrag, fand der Flitzer einen neuen Besitzer.

Kläger-Anwalt empfindet Vertrag als "hochgradig sittenwidrig"

Michael Regler ist Rechtsanwalt in Ingolstadt und vertritt Dr. Hubert Haderthauer. Die Klage von S., der von dem Passauer Anwalt Professor Bernhard Haffke vertreten wird, bringt Regler in Rage. Grund ist, dass die Forderung geltend gemacht wird, der Vertrag in der Klage aber mit keinem Wort auftaucht. Regler hält das für eine Verschleierungstaktik: „Das ist schon erstaunlich. Aus dem Vertrag geht nämlich klar hervor, dass das Auto an Herrn Dr. Haderthauer sicherungsübereignet wurde. Nachdem der Vertrag nicht erfüllt wurde, hatte er das gute Recht zur Verwertung.“

Regler spricht in dem Zusammenhang „die Möglichkeit einer Strafanzeige wegen Aktenunterdrückung und versuchten Prozessbetrugs“ an. Zu sagen, wie in der Klage behauptet wird, das Auto sei lediglich zu Repräsentationszwecken übergeben worden, ist nach Ansicht von Haderthauers Anwalt „schlichtweg falsch“.

Professor Haffke, Anwalt von Roland S., sieht den Fall naturgemäß aus einem komplett anderen Blickwinkel. „Ich habe die Ansprüche hinreichend geltend gemacht“, sagte er zur tz, „und muss den Vertrag nicht erwähnen. Eine entscheidende Rolle spielt er ohnehin nicht, da er keine Rechtsgültigkeit besitzt. Hier wurde ein Vertrag zwischen einem behandelnden Arzt und seinem in der Psychiatrie untergebrachten Patienten geschlossen. Das ist hochgradig sittenwidrig.“

Haderthauer-Anwalt findet Klage "absurd"

Auch Haffke zieht in der Klage eine Strafanzeige – in umgekehrte Richtung – in Betracht, wegen Unterschlagung und Urheberanmaßung. Damit spricht er auch den Umstand an, dass auf der Christie-Seite Dr. Hubert Haderthauer als Konstrukteur des versteigerten Rolls Royce ausgewiesen ist. Entsprechende Ausdrucke sind der Klage beigefügt und liegen der tz ebenfalls vor.

Haderthauer-Anwalt Regler, auf den die Klage angesichts des „bekannten Vertragsinhalts“ geradezu „absurd“ wirkt, will nun dem Dreifachmörder über dessen Anwalt in der Klageerwiderung die seiner Ansicht nach eindeutige Rechtslage klar machen. „Das ist kein feiner Stil, was hier betrieben wird“, schimpft er.

Professor Bernhard Haffke bleibt jedenfalls gelassen: „Ich warte, wie die Klageerwiderung ausfällt und bin gespannt.“

Helmut Reister

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