Bürokratieabbau in Bayern

Marcel Huber startet Offensive: Freistaat erleichtert Ehrenamt

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Brauchtum ohne Bürokratie: Marcel Huber will es Ehrenamtlichen leichter machen. Die diesjährigen Maibaum-Feiern hat er bereits etwas entbürokratisiert.

München - Ob Vereinsfest, Trachtenumzug oder Maibaumklau – Ehrenamtliche haben es in Bayern meist mit viel Bürokratie zu tun. Marcel Huber will das ändern. Ein wenig hat er die bayerische Regulierungswut schon eingedämmt, nun folgt der zweite Schritt: ein Sorgentelefon Ehrenamt.

Neulich auf dem Gäubodenfest in Straubing: Landrat Josef Laumer sitzt gemütlich mit Staatskanzleichef Marcel Huber zusammen. Der eine ist seit vielen Jahren in diversen Vereinen Vorstand, der andere 43 Jahre bei der Feuerwehr. Es dauert nicht lange, bis das Gespräch aufs Ehrenamt kommt. Und wenn sich zwei erfahrene Ehrenamtliche unterhalten, landen sie in vielen Fällen bei einem anderen Thema: Bürokratie.

Marcel Huber spricht dieses Thema gern an. In jedem Landkreis, bei zwanglosen Gelegenheiten wie dieser. Denn er möchte es den Ehrenamtlichen in Bayern leichter machen. Dazu hat er vor vier Monaten eine Offensive gestartet. Pünktlich bevor im Freistaat das große Maibaum-Klauen, -Auslösen und -Aufstellen losging. Anfang April gab es einen Runden Tisch in der Staatskanzlei. Ergebnis eins: Zur Unterstützung der Vereine wird für die Organisation von Feiern oder Veranstaltungen ein Leitfaden entwickelt. Ergebnis zwei: Bürokratie wird auf ein Mindestmaß abgebaut, ohne dabei Abstriche bei der Sicherheit zu machen. Und die erste Folge: Maibaumdiebe dürfen seit diesem Jahr Maibäume genehmigungsfrei transportieren, wenn die Transporte von Polizei, THW oder Feuerwehr gesichert waren.

Der nächste Schritt: Sorgentelefon Ehrenamt in der Staatskanzlei

Damit ist Hubers Offensive allerdings noch lange nicht abgeschlossen. Im Herbst folgt der nächste Schritt: ein Sorgentelefon Ehrenamt in der Staatskanzlei. Ende September wird die Nummer 089/122 22 12 freigeschaltet für Ehrenamtliche, die einen Rat brauchen oder auf der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner sind. „Wir wollen den Vereinen und Ehrenamtlichen in Bayern kompetente Unterstützung bieten, wenn sie sich im Dickicht der Vorschriften für Veranstaltungen aller Art verlieren“, sagt der CSU-Politiker. „Es darf nicht sein, dass das Engagement für Andere in der eigenen Freizeit durch bürokratische Hürden im Keim erstickt wird.“ Wenn Regulierungswut über der Unterstützung bei Trachtenumzügen, Pfarrfesten oder Schützenbällen stehe, werde Bayerns Identität aufs Spiel gesetzt.

Das ist die Botschaft, die Marcel Huber immer dabei hat, wenn er Veranstaltungen wie das Straubinger Gäubodenfest besucht. Und wenn er dann schon einmal gemütlich mit einem Landrat zusammensitzt, erzählt er gern die Deggendorf-Geschichte.

Deggendorf macht es seinen 1500 Vereinen schon seit 14 Jahren etwas leichter. Landrat Christian Bernreiter hat damals eine Beratungsstelle Ehrenamt im Landratsamt geschaffen. Jutta Staudinger und ihre Kollegin sind seitdem Ansprechpartner für Fragen aller Art. So etwas wie Ehrenamtslotsen. „Meistens geht es darum, was bei einem Vereinsfest beachtet werden muss“, erzählt sie. Um Lebensmittelhygiene, Genehmigungen, steuerrechtliche oder Haftungsfragen. In den meisten Fällen sind es kleinere Vereine, die sich erkundigen, berichtet Staudinger. Oder unerfahrene Vorsitzende, die das erste Mal eine große Veranstaltung auf die Beine stellen wollen. Manchmal muss Staudinger einfach nur an die richtigen Ansprechpartner weitervermitteln. Manchmal verschickt sie die Broschüre, die der Landkreis für die Organisation von Vereinsfeiern erstellt hat. Und immer wieder kommt es vor, dass sich bei ihr auch Ehrenamtliche aus anderen Landkreisen melden – weil sie selbst keine Ansprechpartner für ihre Fragen haben.

"Wir bauen auf unsere Ehrenamtlichen"

Marcel Huber hat in den vergangenen Wochen schon mit einigen Landräten über das Deggendorf-Modell gesprochen. Josef Laumer war nicht der Einzige, der sehr interessiert war. „Wir haben im Landkreis mehrere tausende 2700 Ehrenamtliche“, sagt er. Viele von ihnen könnten Ratschläge oder organisatorische Unterstützung brauchen. Erst neulich hat ihn der Vorsitzende der Landjugend angesprochen, der ein Fest organisieren wollte. Er ist 21 – und war mit den vielen Vorschriften schlichtweg überfordert.

Seit dem Gäubodenfest denkt Josef Laumer über die Idee mit den Ehrenamtslotsen nach. Er werde Gespräche führen, ob die Mitarbeiter im Landratsamt diese Aufgabe stemmen können, kündigt er an. An der Notwendigkeit hat er keinen Zweifel. „Wir bauen auf unsere Ehrenamtlichen“, betont er. „Ihr Engagement ist für uns unverzichtbar.“

Lesen Sie dazu unsere Feuerwehr-Serie: Feuerwehrler berichten: So machen uns Politik und Bürokratie fertig.

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