Illegaler Anbau an Elmauer Alm

G7-Gipfel: Dritter Schwarzbau entdeckt

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Nicht genehmigt: der Aufbau an der Elmauer Alm.

Elmau - Es kehrt keine Ruhe ein im Elmauer Tal. Nun taucht wieder ein Schwarzbau auf. Ausgerechnet dort, wo das G7-Familienfoto geschossen werden sollte. Die Empörung ist groß - und seitens der Kreisverwaltung herrscht betretenes Schweigen.

Erst ein Bau-Parkplatz auf Naturschutzflächen, dann ein Partyzelt auf dem Hubschrauber-Landeplatz und jetzt ein Anbau an der Elmauer Alm: In dem Tal, in dem in sechs Wochen die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten tagen, tauchen immer mal wieder kuriose – und nicht genehmigte – Dinge auf.

Einer dieser Schwarzbauten liegt aber so weit weg vom Tagungsort Schloss, dass er lange nicht auffiel. Auf dem Dach der urigen Holz-Hütte aus dem Jahr 1927 prangt ein Aufbau aus hellem Holz mit Seiteneingang und Glasfensterfront. Den ließ Schlossherr Dietmar Müller-Elmau im Sommer 2013, nachdem sein Fünf-Sterne-Luxus-Hotel die Bewirtung übernahm, bauen – ohne Genehmigung.

Landratsamt wollte vor Elmauer Alm G7-Gipfel-Familienfoto machen

Dieses Thema brachte Grünen-Kreisrätin Tessy Lödermann im Kreisausschuss nun zur Sprache – und sorgte damit bei den Mitarbeitern der Kreisverwaltung für sichtbare Nervosität. „Gibt es für den Schwarzbau an der Elmauer Alm eine Abriss-Verfügung? Wann wird die vollzogen?“, fragte sie nach. Zunächst herrschte betretenes Schweigen, die Verwaltungs-Vertreteter tauschten besorgte Blicke – und äußerten sich dann sehr vorsichtig. „Es gilt noch einige Gespräche zu führen“, sagte Simon Untergruber, Leiter der Abteilung für Baurecht, Natur- und Umweltschutz. Etwas deutlicher wurde Regierungsdirektor Guido Kamp: „So, wie der Bau verändert wurde, kann dies nicht nachträglich legalisiert werden.“ Nur Landrat Anton Speer (Freie Wähler) scheute keine klaren Worte: „Wir werden das auf keinen Fall dulden.“

Etwas heikel könnte das Thema Elmauer Alm fürs Landratsamt sein, weil dem Vernehmen nach geplant war, dort das berühmte G7-Gipfel-Familienfoto zu machen, das dann um die Welt geht. „Das wird es nicht geben“, betonte Speer. Doch Gerüchten zufolge soll der Bund massiv daraufhin wirken, den Anbau doch noch nachträglich zu genehmigen – um das Foto vor der eindrucksvollen Wettersteinwand schießen zu können.

Stamm: "Blamage, wenn sich die G7-Staats- und Regierungschefs vor einem Schwarzbau ablichten lassen"

Für Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Stamm ein Unding: „Es wäre eine Blamage für die Bundesrepublik und Bayern, wenn sich die G7-Staats- und Regierungschefs vor einem Schwarzbau ablichten lassen.“

Schlossherr Müller-Elmau scheint sich mit dem Nein abgefunden zu haben. Auf Nachfrage erklärt er, dass die „angesichts zunehmender Schneelasten aus statischen Gründen erfolgte Anhebung des Firstes im Dachgeschoss leider nicht genehmigungsfähig ist und in den nächsten Wochen wieder auf die ursprüngliche Form zurückgebaut“ wird.

Lödermann hingegen fordert vehement „den sofortigen Abriss der Alm noch vor dem Gipfel“. Das Verschwinden der beliebten Einkehr steht jedoch nicht zur Debatte. Die urige Hütte, die vor 90 Jahren wie viele weitere im Landkreis entweder ohne Genehmigung gebaut wurde oder für die zumindest keine Erlaubnis mehr auffindbar ist, ist „vom Landratsamt geduldet worden“, betont Pressesprecher Stefan Scharf. Und der Schlossher fügt hinzu, dass „die Alm in den vergangegen Jahrzehnten wegen zahlreicher Auflagen des Landratsamtes immer wieder modernisiert“ wurde. „Von einem Schwarzbau kann daher heute keine Rede mehr sein.“ Doch der Aufbau muss weg.

Empörung: "Im Elmauer Tal wird mit zweierlei Maß gemessen"

Lödermann stört jedoch noch etwas ganz anderes: „Es kann nicht sein, dass kleine Landwirte ihre Wiesmahd-Hütten abreißen müssen, der Schlossherr geltendes Recht aber einfach ignoriert.“ In die gleiche Kerbe schlug Kreisrat Nikolaus Onnich (Freie Wähler): „Herr Müller-Elmau scheint sich wie der Herrgott zu fühlen und genießt Narrenfreiheit. Im Elmauer Tal wird mit zweierlei Maß gemessen.“ Die Empörung beschränkt sich dabei nicht nur auf die Alm. Auch ein Hochglanz-Werbeprospekt, in dem der Schlossherr bereits die geplanten Chalets im Bereich des Alpenguts für zwei Millionen Euro zum Kauf anbietet, sorgt für Zündstoff. „Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass Behörden umgegangen werden, wenn noch nicht einmal eine gültige Bauleitplanung vorliegt“, echauffierte sich die Grünen-Kreisrätin in der Sitzung.

Fakt ist, dass die Gemeinde Krün das Projekt zwar grundsätzlich abgesegnet hat, aber der vorhabenbezogene Bebauungpslan noch bei der Regierung von Oberbayern zur Prüfung liegt. Auch vom Landratsamt gibt’s noch kein grünes Licht.Verwaltungsleiter Kamp. Er betonte im Ausschuss, dass sich das Projekt „in einem reinen Entwurfstadium befindet, und es keinerlei Planreife“ gebe.

So für Müller-Elmau „nicht richtig. Unseres Erachtens spricht mit Zustimmung des Gemeinderats zur Abwägungsvorlage viel für das Betstehen einer Planreife“. Zudem sei es durchaus üblich, so früh „in die Vermarktung einzutreten“. Rechtlich ist dies völlig in Ordnung. „Das alleinige Risiko trägt der Betreiber“, betonte Kamp. Doch die Gefahr, dass aus seinem Chalet-Dorf nichts wird, hält der Schlossherr „für gering.“

Janine Tokarski

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