Pfleger bestreitet Vorwürfe

Erpressung von Aiderbichl-Chef: Jetzt ermittelt der Staatsanwalt

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Michael Aufhauser (64): Er ist nach einem Riss in der Schlagader schwer erkrankt.

München - Michael Aufhauser, Chef von Gut Aiderbichl wurde von seinem Pfleger erpresst. Der bestreitet die Vorwürfe. Nun ermittelt der Staatsanwalt.

Es war ein Schock auf Gut Aiderbichl: Am 16. September kam dort ein Brief an, in dem ein Pfleger Geld von Michael Aufhauser forderte – und damit drohte, ansonsten brisante Fotos zu veröffentlichen. Monate zuvor hatte Ilko P. (Name geändert) bereits für Aufhauser gearbeitet und ihn persönlich gepflegt. Jetzt jagen die Ermittler den Kroaten!

„Ich kann bestätigen, dass bei uns ein Ermittlungsverfahren anhängig ist“, sagt Robert Holzleitner von der Staatsanwaltschaft Salzburg. „Es besteht der Verdacht der versuchten Erpressung gegen einen ehemaligen Pfleger von Michael Aufhauser.“ Derzeit gehe es zunächst darum festzustellen, wo der Mann sich aufhält. Denn nach tz-Informationen hat sich Ilko P. inzwischen nach Kroatien abgesetzt. „Wir haben jetzt eine Ermittlungsanordnung an das Landeskriminalamt Salzburg weitergegeben“, sagt Holzleitner. Dort haben sich die Beamten nun dem Fall angenommen – und suchen Ilko P.

Die tz erreichte ihn bereits gestern am Telefon. Stimmen die Vorwürfe? „Ich habe dazu nichts zu sagen“, wehrt Ilko P. zunächst barsch ab. Er habe mittlerweile seine Anwälte eingeschaltet, sagt er. Der Pfleger klingt verärgert. Doch dann brennt es ihm doch unter den Nägeln. „Ich bestreite die Vorwürfe“, sagt er. „Ich habe niemanden erpresst. Es ist alles gelogen, und ich werde das beweisen.“

So hat sich Pfleger Ilko P. während der Arbeit fotografieren lassen

Sein Brief an Michael Aufhauser klingt aber ganz anders. Darin schreibt Ilko P. unter anderem, dass er „mit einer Menge Journalisten“ gesprochen habe, die alle interessiert wären, seine Fotos zu veröffentlichen. Es sind intime Aufnahmen des schwer erkrankten Aufhauser, die der Pfleger während seiner Arbeit gemacht hatte – obwohl ihm das vertraglich verboten war. Zur Arbeit sei er nach seinem Sommerurlaub nicht mehr erschienen, weil Aufhauser ihn angeblich sexuell belästigt habe. Und forderte in seinem Schreiben „eine angemessene Entschädigung.“
Am Telefon rudert Ilko P. nun zurück – und will alles aufklären. „Deshalb fahre ich nächste Woche nach Salzburg“, kündigt er an. Dort hat sich die Staatsanwaltschaft mittlerweile alle Unterlagen zu dem Erpressungs-Fall vom Gut Aiderbichl besorgt. Geschäftsführer Dieter Ehrengruber hält Kontakt zu der Emittlungs-Behörde und sagt: „Ich habe alle unsere Informationen weitergegeben und werde demnächst dort als Zeuge vorsprechen.“

Zu Pfleger Ilko P. hatte er in der Zwischenzeit keinen Kontakt mehr. Ehrengruber betont aber: „Wir sind tief enttäuscht von dem Pfleger. Er hat unser Vertrauen missbraucht.“

Michael Aufhauser hat von dem mutmaßlichen Erpressungsversuch nichts mitbekommen. „Wir haben ihm bewusst keine negativen Nachrichten übermittelt, das war auch so mit ihm besprochen. Er konzentriert sich voll und ganz auf seine Genesung“, sagt Ehrengruber. Aktuell sei Aufhauser stabil. „Es geht in kleinen Schritten voran. Er freut sich auf Samstag, dann findet in Deggendorf das zehnjährige Jubiläum des dortigen Gut Aiderbichl statt.“ Währenddessen ist das Salzburger Landeskriminalamt dem Ex-Pfleger auf den Fersen…

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