Verräterischer Satz soll gefallen sein

Ex-Nachbar im Visier: Wurde Peggy erschlagen?

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Läuft ihr Mörder frei he­rum? Seit über zehn Jahren gilt die kleine Peggy als vermisst. Seit Kurzem ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall neu.

Hof - Wieder eine Festnahme im rätselhaften Fall Peggy! Erst jetzt kam heraus: Der ehemalige Nachbar des Mädchens, Jens B. (41), kam im Oktober in U-Haft!

Update vom 13. Oktober 2016: An den sterblichen Überresten der 2001 verschwundenen Peggy Knobloch sind DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden.

Der Tatvorwurf: Totschlag zum Nachteil der kleinen Peggy († 9). Nach 36 Stunden Video-Vernehmung durfte B. vorerst wieder gehen ...

Jens B. ist der Bruder des verurteilten Kinderschänders Holger E. (29), der seine Knastzelle mit einem Peggy-Foto schmückt. Weil E. auch die Tochter seines Bruders missbrauchte, muss er sich demnächst vor Gericht in Hof verantworten.

Weil es zudem massive Zweifel an der Schuld des 2004 wegen Mordes an Peggy verurteilten Gastwirtssohnes Ulvi K. (36) gibt, ermittelt seit einigen Monaten die Kripo Bayreuth im mysteriösesten Kriminalfall Bayerns. Dabei geriet auch Jens B. erneut ins Visier der Ermittler, die ihn deshalb am 21. Oktober um 8 Uhr zur Vernehmung baten. Zunächst ging es nur um seinen ebenfalls in Verdacht geratenen Bruder Holger E. Doch um 10 Uhr kippte das Verhör: Hat Jens B. Peggy etwas angetan? Er bestreitet das vehement. Bereits in diversen Vernehmungen 2001 und 2002 behauptete er, am 7. Mai 2001 von 13.11 bis 22.41 Uhr am PC gesessen zu haben. Doch dieses Alibi gilt laut Staatsanwaltschaft Bayreuth inzwischen als erschüttert. Denn nach neuesten kriminaltechnischen Untersuchungen soll mehrere Stunden lang kein einziger Tastendruck erfolgt sein. Bei seinem Verhör im Oktober reagierte B. immer verstockter auf die bohrenden Fragen nach seinem Alibi, verlangte schließlich nach einem Anwalt.

Verdächtig machte sich Jens B. bereits damals: Obwohl er und seine Frau meistens auf Peggy aufpassten, wenn diese aus der Schule kam, wunderten sich beide just an diesem Tag nicht über ihr Ausbleiben. Als Peggys Mutter am 7. Mai kurz nach 20 Uhr bei ihren Nachbarn im selben Haus nach Peggy fragte, bot ihr Jens B. nicht einmal Hilfe bei der Suche an.

Bei der kriminaltechnischen Auswertung seines Computers stellte man fest, dass ausgerechnet am 7. Mai 2001 einige Dateien gelöscht worden waren. Zudem versuchte Jens B., ein Foto, das seinen Bruder Holger E. in enger Umarmung mit Peggy zeigt, vor den Ermittlern zu verbergen. Ein Jahr nach ihrem Verschwinden nahm die Kripo Jens B. deshalb in die Mangel. Zunehmend nervöser bestätigte der Kraftfahrer dann selbst, dass er versucht habe, sich ein Alibi zu kon­s-truieren – und brachte ungefragt die Möglichkeit ins Spiel, dass Peggy hinter sein Verhältnis mit ihrer Mutter gekommen sein könnte und dies seiner Ehefrau verraten wollte. „Aus diesem Grund könnte ich Peggy geschlagen haben und es kam hierbei zu einem Unglücksfall, wobei Peggy zu Tode kam“, sagte er am 5. Juni 2002 aus. Dies sei aber natürlich nur eine theoretische Annahme.

Doch außerhalb des Protokolles soll Jens B. dann noch einen verräterischen Satz gesagt haben, der ihn bis heute verfolgen dürfte: „Wenn ich sie versteckt hätte, dann würde man sie nie finden.“

tz

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