Opfer einer Kindermordserie?

Fall Peggy: So leidet ihre Mutter jetzt

+
Peggy wurde ermordet.

Bayreuth - Muss der Fall Peggy neu aufgerollt werden? Die Mutter des getöteten Mädchens verlebt schwere Tage. Derweil werden die Ermittlungen einer Sonderkommission aufgenommen.

Peggys Mutter hoffte, endlich ihre Tochter beerdigen zu können. Nach 15 langen Jahren, als im Juli diesen Jahres ein Pilzesammler in einem Wald bei Rodacherbrunn in Thüringen endlich Skelettteile ihres Kindes gefunden hatte. Das Grab für ihr geliebtes Kind hat Susanne Knobloch schon vorbereitet, doch das endlose Leid geht weiter. Die Beerdigung haben die Hinterbliebenen schon geplant, sagte die Anwältin der Familie Ramona Hoyer. Aber: „Peggy ist immer noch nicht nach Hause gekommen.“ Die Leiche sei noch nicht zur Bestattung freigegeben. 

Anwältin Ramona Hoyer.

Nach dem spektakulären DNA-Fund des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt hat Anwältin Ramona Hoyer auch Stellung zu den neuesten Entwicklungen im Mordfall Peggy genommen. „Es ist, als wären die 15 Jahre nicht geschehen“, erklärte die Juristin. Für ihre Mandantin Susanne Knobloch sei „alles wieder hochgekommen“. Dass sich die Ermittlungen jetzt noch weiter verzögern - und damit auch die Beerdigung ihrer Tochter - habe Susanne Knobloch tief bestürzt. 

„Wir hatten alle die Hoffnung, dass das Auffinden von Peggy Fragen beantworten kann“, sagte Hoyer. „Das größte Anliegen ist, zu verstehen, wieso Peggy das passiert ist“, so Hoyer. „Heute kann man das nicht beantworten.“

Sonderkommission nimmt Ermittlungen auf

Nach dem Fund von DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt (†34) am Fundort der kleinen Peggy aus Lichtenberg fragen sich die Ermittler: Wie passt die Neunjährige in die rassistisch motivierte Mordserie der Neonazis aus Jena?

Am Montag nahm deshalb in Jena eine Sonderkommission ihre Arbeit auf, die sämtliche ungeklärten Mordfälle an Kindern in Thüringen überprüfen soll. Besonders im Blick sind dabei zwei Fälle, die im unmittelbaren sozialen Umfeld von Uwe Böhnhardt und seinem Komplizen Uwe Mundlos (†38) geschahen: Neben dem Mord an Bernd Beckmann (†9) 1993 in Jena-Lobeda, in dem ein Zeuge Böhnhardt bereits als Tatverdächtigen ins Spiel gebracht hatte, rückt vor allem der Mord an Ramona Kraus in den Fokus der Ermittler.

Verbindung zu Mundlos und Zschäpe?

Beate Zschäpe vor Gericht.

Die Zehnjährige verschwand - wie Peggy und Bernd - auf dem Heimweg von der Schule. Am 15. August 1996 wurde sie zum letzten Mal in einem Einkaufszentrum in Jena-Winzerla gesehen, wo damals Mundlos und Beate Zschäpe (41) lebten. Erst fünf Monate später stieß ein Jäger in einem 100 Kilometer von Jena entfernten Waldstück bei Großburschla (nahe Eisenach) auf Ramonas Schultasche. Bei der Absuche des Waldes fand man die sterblichen Überreste des Kindes. Auch Peggys Leiche war in einem Waldstück versteckt, Bernd Beckmann wurde zwölf Tage nach seinem Verschwinden aus Lobeda in einem Gestrüpp an der Saale entdeckt.

Nach den Enthüllungen der vergangenen Tage machen nun vielleicht auch Funde im ausgebrannten Wohnmobil des NSU-Duos in Eisenach Sinn: Am 4. November 2011 wurden dort ein Teddy, eine Spielzeugpistole, eine Kindersandale, ein Malbuch und eine Sprechpuppe gefunden. Zugeordnet werden konnten diese Dinge nie. Außerdem erhielt Peggys Mutter Susanne nur elf Tage nach dem letzten Lebenszeichen ihrer Tochter einen rechten Hetzbrief. Viel Arbeit also für die Polizisten in Bayern und Thüringen.

tz

auch interessant

Meistgelesen

Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft für Fahrdienstleiter von Bad Aibling
Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft für Fahrdienstleiter von Bad Aibling
Prozess um Zugunglück bei Bad Aibling: Das war der vierte Verhandlungstag
Prozess um Zugunglück bei Bad Aibling: Das war der vierte Verhandlungstag
Transsexuelle Gray verpasst Mehrheit in Zwiesel
Transsexuelle Gray verpasst Mehrheit in Zwiesel
Auf dem WC eingeschlafen: Eishockeyfan in Stadion gefangen
Auf dem WC eingeschlafen: Eishockeyfan in Stadion gefangen

Kommentare